Deshalb gibt es bei Auto Rohrer auch ohne Konzernvertrag weiter Fiat- und Alfa-Modelle

Markt / 21.09.2023 • 19:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Im Hauptgebäude zieht Harley-Davidson ein. Rohrer ist Österreichs größter Harley-Händler. Im bisherigen Harley-Bereich wird Auto Hörburger einziehen.<span class="copyright"> FA</span>
Im Hauptgebäude zieht Harley-Davidson ein. Rohrer ist Österreichs größter Harley-Händler. Im bisherigen Harley-Bereich wird Auto Hörburger einziehen. FA

Umstrukturierung des Kfz-Handels und weiterhin Möglichkeit für individuelle Angebote.

Rankweil „Wir sind seit 1972 Partner der Firma Fiat“, berichtet Thomas Rotheneder, Geschäftsführer und Eigentümer des Autohauses Rohrer in Rankweil. Bevor man Fiat-Händler wurde, war das Unternehmen Partner von Steyr-Puch und hat erfolgreich Lizenzprodukte der Italiener, z.B. den legendären Puch 500, verkauft. In Zukunft wird diese jahrzehntelange Partnerschaft nur noch partiell sein, denn Stellantis, aus der Fusion der Automobilkonzerne Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und Peugeot S.A. hervorgegangen, setzt auf ein neues Absatzmodell für seine 14 Marken. Mit 4. September wurde in Österreich, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg das sogenannte Agenturmodell eingeführt. Händler verkaufen die Autos dann nicht mehr auf eigene Rechnung, sondern treten für den Hersteller als Agenten auf, die für ihre Leistungen Provisionen erhalten. Rabatte für die Kunden sind damit Vergangenheit.

Große Umstrukturierung

Und das ohne Rohrer. Bei Verhandlungen zu dem neuen Modell ist man nicht einig geworden. Rohrer reagiert mit einer Umstrukturierung. „Wir bauen eine große Tiefgarage für wertvolle Kundenfahrzeuge und für uns“, so Rotheneder. Statt Fiat und Alfa werden in den Ausstellungsräumlichkeiten nun Harley-Davidson-Motorräder einen repräsentativen Rahmen bekommen. „Wir sind der größte Harley-Händler in Österreich“, so der Fahrzeughändler – verantwortlich dafür zeichnet Jennifer Rotheneder, welche in der Traditionsfirma auch die Nachfolge ihres Vaters antreten wird. Die bisherigen Harley-Räumlichkeiten bezieht nach einem großen Um- und Ausbau Autohändler Dietmar Hörburger, der nach seiner Trennung vom früheren Partner Jaguar/Land Rover, „was die richtige Entscheidung war“, im Rankweiler Autohaus ein neues Quartier gefunden hat. Die „Italiener“ finden genügend Open-Air-Platz auf dem 12.000-Quadratmeter-Areal.

Kfz-Händler Dietmar Hörburger (l.) und Thomas Rotheneder sind überzeugt, ohne Konzernvertrag bessere Angebote für ihre Kunden machen und unabhängig Entscheidungen treffen zu können.<span class="copyright"> VN/SCA</span>
Kfz-Händler Dietmar Hörburger (l.) und Thomas Rotheneder sind überzeugt, ohne Konzernvertrag bessere Angebote für ihre Kunden machen und unabhängig Entscheidungen treffen zu können. VN/SCA

Rohrer bleibt allerdings Servicepartner für Fiat und Co, das gelte für alle Bereiche vom Cinquecento über die Nutzfahrzeuge bis zu den Wohnmobilen. Auch die Autos bekomme man weiterhin im Rankweiler Autohaus, informiert Rotheneder. Statt Fixpreis könne sein Unternehmen auch weiterhin gute Angebote machen und Rabatte geben. „Unsere Philosophie ist es weiterhin, unseren Kunden das bestmögliche Angebot zu machen“, sagt er und verweist darauf, dass er über ein dichtes Netz von Händlern sowie ein eigenes, in Spanien gegründetes Unternehmen Fahrzeuge der Marke beschaffen könne. Das ist auch deshalb möglich, weil das Agenturmodell momentan nur in vier Ländern eingesetzt wird.

Gute Erfahrungen ohne Vertrag

Das Angebot am freien Markt sei gut, bestätigt Herburger, der bereits mehrjährige Erfahrung damit hat und wie Rohrer ebenfalls einen Werkstattvertrag mit den bisher vertretenen Marken hat. Außerdem könne man als Unternehmer ohne Vertrag eigene Entscheidungen treffen und müsse sich nicht den Vorgaben der Konzerne beugen. Das sei für die Kunden und das Autohaus ein Vorteil. Zusatz: „Und wir können auch Fahrzeuge anderer Marken auf Wunsch der Kunden besorgen.“

Wissen

Stellantis führt schrittweise Agenturmodell für Händler ein

Beim Autokonzern Stellantis (Peugeot, Fiat, Opel etc.) wird es künftig schwieriger, um den Preis von Neuwagen zu feilschen. Das Unternehmen führt mit 4. September in Österreich, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg das sogenannte Agenturmodell ein, wie es am Konzernsitz Amsterdam mitteilte. Händler verkaufen die Autos dann nicht mehr auf eigene Rechnung, sondern treten für den Hersteller als Agenten auf, die für ihre Leistungen Provisionen erhalten.

Bisher seien in zehn strategischen Ländern Europas 8000 Verträge mit Vertriebspartnern und 25.000 für den Ersatzteilhandel abgeschlossen worden, berichtete Stellantis in einer Mitteilung. In Deutschland soll das System ab dem kommenden Jahr eingeführt werden, zunächst für die Nutzfahrzeuge sowie für die Premiummarken DS und Alfa Romeo. Die übrigen Händlernetze einschließlich der deutschen Tochter Opel sollen dann bis 2027 folgen.

„Dies ist ein historischer Wandel, nicht nur für Stellantis, sondern für die gesamte Branche“, erklärte Europa-Organisationschef Uwe Hochgeschurtz. Mit der Umstellung will Stellantis wie andere Hersteller auch mehr Kontrolle über die Endpreise der Wagen erlangen und direkten Kontakt zu den Kunden gewinnen.