Für Österreich geht es heute um die Wurst

Menschen / 07.05.2014 • 22:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Österreichs Song-Contest-Hoffnung Conchita Wurst geht heute Abend beim 2. Halbfinale mit dem Song „Rise Like a Phoenix“ an den Start. ORF
Österreichs Song-Contest-Hoffnung Conchita Wurst geht heute Abend beim 2. Halbfinale mit dem Song „Rise Like a Phoenix“ an den Start. ORF

Conchita Wurst kämpft heute um den Einzug ins „ESC“-Finale.

Kopenhagen. Mit dem 1. Halbfinale am Dienstagabend ist der 59. Eurovision Song Contest (ESC) in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen offiziell gestartet. Eine bunte Truppe aus 16 Ländern ritterte um eines der zehn Finaltickets für den 10. Mai. Qualifiziert haben sich schlussendlich Ungarn, Aserbaidschan, Armenien, Schweden, San Marino, Montenegro, Island, Holland, die Ukraine und Russland. Mit den Fixstartern Deutschland, Großbritannien, Spanien, Frankreich, Italien und Gastgeberland Dänemark stehen somit 16 der 26 Finalisten bereits fest. Österreich tritt mit Conchita Wurst erst heute im 2. Halbfinale in den Ring.

Die Zuversicht im Lager des 25-jährigen Travestie-Künstlers aus Österreich ist groß. „Es wird nicht floppen, es gibt keinen Plan B“, ist Manager René Berto überzeugt. Der Optimismus ist gespeist aus mehr als 100 Medienterminen und -auftritten in der Zeit seit der Nominierung. Auch der Journalist und ESC-Kenner Jan Feddersen ist angetan. „Angesichts der ästhetischen Trümmerhaufen, die Österreich in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren geschickt hat, ist so ein Eleganz-Brocken zu begrüßen.“ Das Lied sei toll. Es erinnere an die Bond-Filme der 1960er-Jahre.

Anfeindungen

Schwulenfeindliche Angriffe in den sozialen Netzwerken bringen das ESC-Team aus Wien nicht aus der Ruhe. „Ich mache Österreich nicht lächerlich“, sagt der bärtige Frauendarsteller selbstbewusst. Demaskierend in ihrer Intoleranz seien vielmehr die Vorwürfe auf der Anti-Conchita-Facebook-Seite gewesen. Speziell in Weißrussland hatte die Nominierung von Wurst viele Spötter zu gehässigen Kommentaren veranlasst.

Die Drag-Queen polarisiert und will doch gerade für Toleranz werben. So ist ihr Name Programm. „Conchita“ stehe für „heiße Latina“, „Wurst“ sei ein anderes Wort für „egal“. „Es ist mir Wurst“ – egal, ob jemand schwul ist oder gar Frauenkleider trägt. Gelassenheit gegenüber Veranlagungen und Lebensentwürfen ist gerade in der Provinz nicht selbstverständlich. Tom Neuwirth, so Conchitas bürgerlicher Name, ist im 3000-Seelen-Ort Bad Mitterndorf in der Steiermark groß geworden und hat schon in der Schule manche Hänselei ertragen müssen. Mit 14 Jahren ging er ins Internat nach Graz und besuchte die Modeschule. Später folgten ein zweiter Platz bei „Starmania“, eine erfolglose Boyband, Gelegenheitsarbeiten, das Nachholen des Abiturs und der Abschluss der Ausbildung zum Modedesigner.

2011 gab er seiner Kunstfigur Conchita Wurst den letzten Schliff und machte erste Schlagzeilen bei der ORF-Talentshow „Die große Chance“. 2013 entschied der Sender in Eigenregie ohne Publikums-Show, Conchita solle Österreich in Kopenhagen als musikalischer Botschafter vertreten.