„Der Beruf steht für mich an zweiter Stelle“

Menschen / 05.06.2014 • 22:20 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Die Schauspielerin erzählt über ihre Anfänge, ihren Mut zur Verwandlung und Adoptivsohn Jackson.

London. (VN-lh) Einmal eine Rolle ganz anderer Art für die südafrikanische Oscar-Preisträgerin Charlize Theron, 38. In Seth MacFarlanes Western-Komödie „A Million Ways To Die In The West“ verkörpert sie eine resolute Lady namens Anna, die nicht nur flotte Sprüche auf den Lippen hat, sondern auch im Umgang mit Waffen perfekt ist. Aber privat hasst sie Waffen. Verständlich, wenn man ihr Leben kennt. Denn als sie 15 war, kam der Vater, dem Alkohol mehr als zugeneigt, eines Tages nach Hause und versuchte, die Familie zu töten. Mutter Gerda war schneller und schoss ihn in Notwehr nieder.

Privat ist Ihre Haltung also klar, aber in „A Million Ways To Die In The West“ ballern Sie ganz schön um sich herum. Wie passt das?

Theron: Sehen Sie, das ist eben der Unterschied zwischen dem wirklichen Leben und Fiktion. Ich habe 2003 in „Monster“ ja auch eine Serienkillerin gespielt und nie jemanden umgebracht. Diese Anna in Seth MacFarlanes Film musste ich einfach spielen.

Warum?

Theron: Mit der rotzfrechen Komödie „Ted“ hat McFarlane die Hollywood-Landschaft gewaltig verändert. Seine Art von Humor liegt genau auf meiner Linie. Als ich von seinem Agenten von diesem Projekt erfuhr, dachte ich: Da muss ich dabei sein!

Wie haben Sie sich nach diesem Dreh gefühlt?

Theron: Wunderbar! Die erste Premiere war ein ungewöhnliches Erlebnis. Meistens gehen die Leute nach Filmen mit mir deprimiert nach Hause, weinen oder nehmen Tabletten. Hier aber lachten sie, alle hatten gute Laune und viel Spaß. Für mich eine neue und schöne Erfahrung.

Welcher Charakter, den Sie bisher gespielt haben, war für Sie der erschreckendste?

Theron: Die böse Stiefmutter in „Schneewittchen“.

Nicht „Monster“?

Theron: Das glauben viele. Doch das kommt auf die jeweilige Sicht auf Frauen an.

Als Sie den geheiligten Boden von Hollywood betraten, waren Sie völlig unbeleckt. Wie haben Sie sich an die Schauspielerei herangepirscht?

Theron: Der Begriff Star leitete sich für mich von Schauspielern wie Montgomery Clift oder Marlon Brando ab. Dessen Memoiren habe ich verschlungen. Er war ein sogenannter „method actor“, der schmerzvollst alles tat, um sich in eine Rolle hineinzuleben. So wollte ich es auch anpacken, als ich das Angebot erhielt, neben Al Pacino und Keanu Reeves in „Im Auftrag des Teufels“ mitzuwirken. Es wurde die Hölle. Ich konnte die Rolle noch lange nach der letzten Klappe nicht abstreifen, war fast so weit, den Beruf hinzuschmeißen. Da wurde mir klar: Nein, dieser Job ist viel zu schön, um ihn mit körperlichen oder geistigen Schäden zu bezahlen. Seit-her steht der Beruf für
mich immer nur an zweiter Stelle.

War der Oscar für „Monster“ für Sie von entscheidender Bedeutung?

Theron: Insofern schon, als von da an niemand mehr sagen konnte: „Für diese oder jene Rolle schaust du viel zu gut aus!“ Denn ärger als die Serienmörderin Aileen Wuornos konnte man nicht aussehen. Es stimmt, dass man mich allzu oft wegen meines guten Aussehens besetzen wollte.

Für Ihre Rolle in der neuen „Mad Max“-Version mussten Sie die Haare opfern. Wie war das Gefühl mit Glatze?

Theron: Zu dieser Zeit: wunderbar. Denn für eine junge Mutter gibt es nichts Angenehmeres, als wenn sie sich nicht jeden Tag um ihre Frisur kümmern muss.

Stichwort Jackson?

Theron: Zweifellos der wichtigste Mensch in meinem Leben. Wenn ich Freizeit habe – deshalb ist Freizeit
für mich auch der größte
Luxus –, gehört sie ihm. Nicht, weil ich muss, sondern weil ich es tagtäglich kaum erwarten kann, ihn zu sehen und in die Arme zu schließen. Bei Dreharbeiten habe ich Jackson immer in der Nähe. So lange er nicht in die Schule muss, geht das bestens.

Um tolle Angebote brauchen Sie sich gewiss noch lange nicht zu sorgen?

Theron: Ich bin 38 Jahre alt, und ich weiß, die landläufige Vorstellung ist, dass Männer wie guter Wein sind. Je älter, umso besser. Frauen hingegen sieht man ab einem
gewissen Alter wie abgeschnittene Blumen, die verwelken. Keine Angst, ich fühle mich noch lange nicht verwelkt.