„Als Bub wollte ich von der Oper nichts wissen“

Menschen / 03.08.2014 • 21:47 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ildebrando D’Arcangelo: „Mozart hat mir mein Leben erst wirklich ge­geben.“ Foto: apa/GEORG HOCHMUTH
Ildebrando D’Arcangelo: „Mozart hat mir mein Leben erst wirklich ge­geben.“ Foto: apa/GEORG HOCHMUTH

Bassbariton Ildebrando D’Arcangelo spricht im Interview über seine Liebe zu Mozart.

salzburg. (lh) Welch malerischer Name für einen Opernsänger: Ildebrando D’Arcangelo, auf deutsch Hildebrand vom Erzengel. Der 44-jährige Bassbariton aus Pescara ist derzeit bei den Salzburger Festspielen in der Titelrolle von „Don Giovanni“ zu sehen.

Der Name, ist der wirklich echt?

D’Arcangelo: Absolut, Vor- und Familienname. Eigentlich wollte mich mein Vater, ein Organist, Radames taufen. Die Mutter verhinderte das. Den Vornamen bekam ich dann nach Ildebrando Pizzetti, dem Komponisten der Oper „Mord im Dom“.

In Salzburg waren Sie in „Don Giovanni“ bereits als Leporello zu sehen, diesmal verkörpern Sie die Titelrolle und erhielten sehr gute Kritiken. Schon gelesen?

D’ARCANGELO: Nein, das mache ich erst nach unserer Aufführungsserie. Ich möchte von den diversen Meinungen nicht irritiert werden und die Ideen unseres Regisseurs Sven-Eric Bechtolf unbeeinflusst bis ans Ende tragen. Wenn mich aber jemand anspricht und erzählt, ich hätte tolle Kritiken gehabt, dann freue ich mich natürlich.

Hat Mozart Ihr Leben verändert?

D’ARCANGELO: Das hat er. Denn als Bub wollte ich von Oper nichts wissen. Mein Vater hat sich zwar bemüht, ich musste mir einmal mit ihm den „Barbier“ im Fernsehen anschauen. Erst bin ich zu Stein erstarrt, und dann bin ich, so sehr mich der Vater auch zupfte, eingeschlafen.

Und was hat dann Wolfgang Amadeus Mozart mit Ihnen angestellt?

D’ARCANGELO: Ich sang, aus Spaß an der Freude, in einem Chor, und dann habe ich begonnen, Klavier zu studieren. Unser Chorleiter hat die Pädagogin Monica Bacelli gebeten, mich einmal anzuhören. Da war ich 16. Sie fragte mich: „Warum willst du nicht Oper singen?“ Da habe ich gelacht und ihr von meiner Abneigung gegen diese Kunstform erzählt. Sie sagte: „Na warte, das nächste Mal bringe ich dir eine CD mit.“ Sie brachte eine „Don Giovanni“-Aufnahme. Damit hat sie bei mir die große Liebe zu Mozart und diesem Werk entzündet.

Bedeutet die jetzige Aufführungsserie, dass Leporello für Sie abgelegt ist?

D’ARCANGELO: Auf keinen Fall. Ob ich zusage, hängt vom jeweiligen Haus ab. Ich liebe beide. Leporello braucht Giovanni, Giovanni braucht Leporello. Wenn man abwechselt, isst man wenigstens nicht jeden Tag Spaghetti. Werde ich jedoch heute ausdrücklich gefragt, welche Partie ich singen möchte, dann bleibe ich beim Giovanni. Denn wie wir wissen: Die besten Rollen sind die Teufel. Giovanni ist einer, er könnte auch ein wildes Tier sein.

Am Ende holt ihn der Teufel. Glauben Sie an Himmel und Hölle?

D’ARCANGELO: Dass er in der Hölle landet bedeutete zu Mozarts Zeiten, dass er von Kräften aus einer anderen Welt bestraft wird. Was mich betrifft, glaube ich an ein Nachher, aber ich kann beim besten Willen nicht sagen, was wir da zu erwarten haben. Auf jeden Fall glaube ich an eines: an Liebe. Und daran, dass man im Moment des Todes belohnt wird, wenn man versucht hat, im Leben niemandem weh zu tun. Und ich würde im Jenseits, was immer das ist, so gerne meine Eltern wiedersehen.

Und wenn Sie „drüben“ Mozart treffen könnten?

D’ARCANGELO: Der ist ja ohnehin unsterblich. Aber wenn
. . . Ja, dann würde ich auf die Knie sinken, zu ihm „Danke schön für alles“ sagen und hoffen, dass ihm meine Interpretation seiner Rollen gefallen hat. Mozart hat mir mein Leben erst wirklich gegeben, er schenkte mir Leidenschaft und Träume.

Wie sehen Sie Ihre Zukunft?

D’ARCANGELO: Meine Lehrer haben mir, etwa zu „Don Carlo“, einmal gesagt, dazu gehört nicht nur stimmliche Entwicklung, sondern auch Lebenserfahrung. Heute verstehe ich ganz genau, was sie gemeint haben. Man muss auf Rollen warten können. Nur nicht drängen!

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