„Ich bin halt mehr ein Mister Jedermann“

Menschen / 18.08.2014 • 21:51 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Schauspieler Simon Pegg im Gespräch mit den Vorarlberger Nachrichten.

Wien. (lh) Der Londoner Psychiater Hector hat ein Problem. Er kann sich bemühen, wie er will, aber: Seine Patienten werden immer unglücklicher. Eines Tages packt er seine Koffer und begibt sich auf Weltreise, auf die Suche nach dem Glück. Eine Paraderolle für den Briten Simon Pegg. „Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück“ läuft ab 22. August in unseren Kinos. Da ist Pegg bereits in Wien, um mit Tom Cruise „Mission: Impossible 5“ zu drehen.

Der Psychiater Hector, von Francois Lelord für seinen Weltbestseller erfunden, ist eine echte Paraderolle für Sie. Er macht eine Weltreise, um das Glück zu finden. Haben Sie auch eine solche Reise gemacht?

Pegg: Bei solchen Reisen kommen manche relativ früh an – und manche nie. Meine Reise hat 44 Jahre gedauert.

Mit welcher Erkenntnis sind Sie angekommen?

Pegg: Dass Unglücklichsein keineswegs den richtigen Weg zum Glück bedeutet. Und: Auf meinen Reisen bin ich da und dort auf tiefste Verzweiflung getroffen, auf Menschen, die einen täglichen Kampf ums Überleben führen müssen. Damit wird man in den eigenen Ansprüchen etwas demütiger. Ja, und viele Leute glauben, sehr bekannt zu sein und erfolgreich, und dass Erfolg Glück bedeutet. Das stimmt nicht, ich habe viele Berühmtheiten getroffen, die todunglücklich oder gar Selbstmordkandidaten sind.

Ihr Resümee für Mister Simon Pegg?

Pegg: (lacht) Mister Pegg ist ein Mann in der Mitte einer glorreichen, glücklichen Midlife-Crisis.

Das Glück hat Sie auf ganz normalen Wegen erreicht. Ungefähr so wie Hector im Film. In ihrem Fall: Mit der richtigen Frau, Ihrer heiß geliebten fünfjährigen Tochter Matilda und dem Verzicht auf Alkohol?

Pegg: Dem habe ich nichts hinzuzufügen. In unserem Beruf glaubt man oft, dass es ohne Alk nicht geht. Wenn man in ein Hotelzimmer kommt, steht meist schon eine Flasche da. Doch ich habe Kollegen bei Partys beobachtet, die mit ihren Kindern gekommen sind und dann betrunken waren. Da sagte ich mir: Nein, so möchte ich nicht werden! Der Entschluss, auf Alk zu verzichten, war einer der besten meines Lebens.

Film-Hector glaubt, dass es auch ein Weg zum Glück sein könnte, mit verschiedensten Frauen zu schlafen?

Pegg: Solche Männer sind Dummköpfe. Wer mit seiner Familie so glücklich ist wie ich und dieses Glück wegen ein bisschen Fleischeslust riskiert, ist schlicht ein Idiot. Ich kenne einige Männer, die oft und mit verschiedenen Frauen Sex und dem Anschein nach großen Spaß haben. In Wirklichkeit aber sind sie todunglücklich.

Es gibt auch kleine Nebensächlichkeiten, die einen ein bisschen glücklich machen können. Richtig?

Pegg: Ja, richtig. Shopping oder so. Bei mir ist es das Snowboardfahren. Als er es mitkriegte, hat mir Tom Cruise das erste Snowboard geschenkt. Es stand zum Geburtstag in meinem Wohnwagen, eingepackt und mit rotem Mäschchen. In Vancouver bin ich gleich eine Piste runtergezischt, mit Kopfhörern und „Sabotage“ von den Beastie Boys in den Ohren.

Wo auf der Welt haben Sie die glücklichsten Menschen getroffen?

Pegg: Ich denke, in Südafrika. In der Welt nach der Apartheid, obwohl die Apartheid-Strukturen dort noch immer existieren. Aber dort bin ich so vielen Menschen begegnet, die gelächelt oder gelacht haben. Wenn ich da an die dauernd verdrießlichen Gesichter denke, die ich sehe, wenn ich in London spazieren gehe…

Ihr bester Freund ist Nick Frost, den Sie zu diesem Beruf gebracht haben, und mit dem Sie in den armen Anfangszeiten Wohnung und Bett teilten. Wie war das?

Pegg: Unangenehm, weil es gewöhnungsbedürftig ist, ein haariges Wesen an seiner Seite zu haben. Erst haben wir Kopf an Fuß geschlafen, aber das war unkomfortabel, auch der Geruch und so. Dann versuchten wir es normal. War auch unkomfortabel. Na ja, wir haben es beide geschafft, leben heute sehr gut und haben längst unsere eigenen Betten. Nick war immer der, der besser bei Frauen ankam. Lustige Männer sind da beliebter. Ich wäre gern so lustig wie er. Aber ich bin halt mehr ein Mister Jedermann.

Immerhin ein Mister Jedermann mit Stammrollen in Megahits wie „Mission: Impossible“ oder „Star Trek“. Fehlt nur noch die Mitwirkung in einem James-Bond-Film?

Pegg: Nicht unbedingt. „Mission: Impossible“ ist ja mehr oder weniger eine amerikanische Version von James Bond. Doch wenn tatsächlich ein Angebot kommen sollte, halte ich mich am besten an – „Sag niemals nie“.

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