„Ich habe es genossen“

Menschen / 14.11.2014 • 22:07 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Murray (Woody Allen) bringt seinen Freund Fioravante (John Turturro) gewinnbringend an die Frau. Foto: AP
Murray (Woody Allen) bringt seinen Freund Fioravante (John Turturro) gewinnbringend an die Frau. Foto: AP

Der Schauspieler erzählt im Interview über seine Arbeit mit Woody Allen .

Berlin. (VN-lh) John Turturro, einst – für „Barton Fink“ – bester Schauspieler in Cannes, betätigt sich bekanntermaßen auch als Regisseur. Sein Opus Nummer fünf betitelt sich „Plötzlich Gigolo“, präsentiert nach langer Zeit Woody Allen wieder einmal in einer Hauptrolle – als nervöser Zuhälter.

Der angeschlagene Buchladenbesitzer Murray, das ist Woody Allen, kommt auf eine famose Idee, um seinen einsamen Freund Fioravante, den Sie selbst spielen, glücklicher und beider Geldbeutel voll zu machen. Er verkauft den sanftmütigen Floristen kurzerhand für einen flotten Dreier an seine Hautärztin und deren beste Freundin. Wie ist Ihnen diese Idee gekommen?

TURTURRO: Ich war mit einem Freund mittagessen. Wahrscheinlich haben wir über Sex gesprochen. Plötzlich kristallisierte sich in meinem Kopf eine Story heraus, und ich improvisierte noch am Mittagstisch einige Szenen. Mein Freund zerkugelte sich. Da dachte ich, es muss was dran sein.

Und wie ging es weiter?

TURTURRO: Ich ging zum Friseur und erzählte ihm die Geschichte. Der zerkugelte sich auch. Nun handelt es sich zufällig um denselben Friseur, der auch Woody Allen die Haare stutzt. Er hat Woody wohl davon erzählt, und der ließ mir ausrichten, ich möge ihn unbedingt anrufen. Machte ich.

Die Idee gefiel ihm offensichtlich?

TURTURRO: Ja, auch die Verbindung von Sex und – in diesem Fall jüdischer – Religion, denn da ergeben sich dramatische – wenn Sie wollen auch heitere – Situationen von selbst. Woody gefiel aber der erste Drehbuchentwurf nicht, er forderte mich auf, von vorn zu beginnen. Und er gab mir dann immer wieder Ratschläge.

Wie waren die?

TURTURRO: Zum Teil brutal. Aber brutal ist er auch zu sich selbst, wenn er seine eigenen Filme beurteilt. Im Großen und Ganzen kristallisierte sich heraus, dass ich einerseits noch frecher sein, aber auch mehr Tiefgang einbauen sollte. Unsere Gespräche liefen sehr lange, bis er endlich mit dem Buch einverstanden war.

Beschäftigt Sie das Thema Sex und Prostitution sehr?

TURTURRO: Ja, seit jeher. Schließlich ist Sex für jeden ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Und ich habe mir viele Filme über Prostitution angeschaut.

Haben Sie auch im „Milieu“ recherchiert? Und wenn, mit welchen Resultaten?

TURTURRO: Die Damen erklärten: „Für mich ist das Service. Ich spiele, wie eine Schauspielerin auch, eine Rolle. Und für meine Kunden ist das eine Therapie.“ Das fand ich sehr interessant.

Ihre Ménage à trois haben Sie im Film ausgerechnet mit der blonden Sharon Stone, die seit „Basic Instinct“ einen „gewissen Ruf“ nicht loskriegt, und der nicht minder schönen Sofia Vergara. Wie war das?

TURTURRO: Ich muss vorausschicken: Woody meinte, ich möge auf keinen Fall in die Richtung rutschen, einen komischen Sexfilm drehen zu wollen. Denn selbst in üblichen Sexfilmen würden die entsprechenden Szenen nur ein paar Minuten dauern. So auch bei uns.

Ja, aber wie waren diese Minuten, deren Dreh natürlich – mit Wiederholungen – weit länger dauerte?

TURTURRO: Lustig ist, dass Woody und ich an sich scheue Menschen sind. Und es stellte sich heraus, dass auch Sharon sehr scheu
ist. Ehrlich: Ich habe es genossen und hätte gerne noch mehr Wiederholungen angeordnet. . .

In der Story ist es die Liebe, die dem heiteren und lukrativen Treiben ein Ende bereitet. Liebe in Person von Vanessa Paradis?

TURTURRO: Für Französin Vanessa war es der erste englischsprachige Film, und ich bin glücklich, dass wir sie bekamen. Sie hat unglaublich feine Töne ins Spiel gebracht.