Waltz: „Gage spielt in erster Linie keine Rolle“

Menschen / 18.11.2014 • 21:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Christoph Waltz mit Lupita Nyong’o bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles im März. Foto: AP
Christoph Waltz mit Lupita Nyong’o bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles im März. Foto: AP

Christoph Waltz über seinen neuesten Film, Sarkasmus und den Wiener Schmäh.

Wien. (VN-lh) Die Satire „Kill the Boss“ war vor drei Jahren ein Kassenschlager. Das bedeutet in Hollywood: Fortsetzung folgt. Jetzt ist sie da. Neben dem bewährten Team holte man sich einen zweifachen Oscar-Preisträger als Gaststar. Nämlich unseren Christoph Waltz. Der verkörpert einen Fiesling, wie er im Buche steht.

Wer zwei Oscars zu Hause hat, bekommt Drehbücher sicher paketweise zugeschickt. Was war ausschlaggebend, dass Sie jetzt in „Kill the Boss“ als aalglatter Investor zu sehen sind?

Waltz: Es gibt nicht nur einen Grund. Der Zusammenhang, in dem eine Rolle steht, ist das A & O. Die Geschichte selbst hat mich in diesem Fall nicht unbedingt vom Hocker gehaut. Aber die beteiligten Leute, die drei Comedians Jason Bateman, Jason Sudeikis und Charlie Day, Regisseur und Produzent sind unglaublich intelligente und kluge Leute, die genau wissen, was sie machen wollen.

Der Originaltitel des Films lautet „Horrible Bosses“, also „Schreckliche Chefs“. Haben Sie im Lauf Ihres Lebens auch solche gehabt?

Waltz: Jeder hatte sicher schon einige Vorgesetzte von dieser Sorte. Speziell im Geschäft, in dem ich arbeite. Dort sind Tür und Tor für Leute mit wenig Selbstwertgefühl und großem Ego geöffnet. Für Leute, die es vor allem darauf abgesehen haben, besser auszusehen, indem sie andere niedermachen. Deren Konflikte wären möglicherweise therapierbar, aber ich bin kein Psychotherapeut.

Ihre zuletzt erfolgreichen Rollen waren solche mit sarkastischem Humor. Ist dies auch eine persönliche Eigenschaft des Christoph Waltz?

Waltz: Kann sein. Aber was die Rollen betrifft, mache ich sicher nichts als das, was im Drehbuch steht. Ich versuche nur, dem gerecht zu werden, was das Buch verlangt. Wenn das sarkastischer Humor ist, habe ich nichts dagegen.

Ähnelt dieser Humor irgendwie dem Wiener Schmäh?

Waltz: Auch Wiener Schmäh kann zum Allgemeinplatz werden. Besonders beim Schmäh ist nur die spezielle Qualität interessant.

Von Ihrem derzeitigen Gagengefüge her ist diese Frage vielleicht nicht realistisch. Aber: Käme jetzt Burgtheaterchefin Karin Bergmann mit dem Vorschlag an Sie, in ihrem Haus zum Beispiel Richard III. zu spielen – hätte sie eine Chance?

Waltz: Das Burgtheater ist eine Sache, Richard III. vielleicht nochmal eine andere. Und: Wer inszeniert, wer spielt mit, wie lange bin ich damit befasst? Die Gage spielt dabei, in erster Linie, keine Rolle. Ausschließen würde ich gar nichts, nur im Moment ist das eher nicht wahrscheinlich.

Um beim Theater zu bleiben: In Antwerpen haben Sie im Dezember 2013 den „Rosenkavalier“ inszeniert. Eine bloß einmalige Angelegenheit?

Waltz: Das war eine wunderbare Erfahrung, die lange geplant war und hoffentlich nicht das Ende dieser Überlegungen markiert. Nicht, dass es nicht schon vorher da gewesen wäre, aber diese Arbeit hat mein Interesse für das Musiktheater neu und sehr konkret angefacht.

Sie haben derzeit Wohnsitze in Los Angeles und Berlin. Leiden Sie als Grinzinger nicht hin und wieder an Heimweh?

Waltz: Natürlich ist es so, dass man Sachen, die einem bekannt sind, sehr schätzt, und sie deswegen bisweilen vermisst. Das heißt allerdings noch lange nicht, dass man sich deswegen vor Heimweh verzehrt.

Was hat die Neigung zu Ihrem Beruf besonders gefördert? Ein Schauspieler? Ein gewisser Film?

Waltz: Ich habe immer Hans Moser geliebt und Oskar Werner bewundert. Ich bin mit dem Theater aufgewachsen und habe viele der Großen dieser Zeit persönlich erlebt. Das hat mich natürlich geprägt. Doch das muss ja nicht unbedingt bedeuten, dass es ausschließlich von Vorteil ist. Es ist wie mit dem Wiener Schmäh – es kommt auf die spezielle Qualität an.