Trauer um Stadl-Erfinder Moik

Menschen / 26.03.2015 • 21:07 Uhr / 7 Minuten Lesezeit

„Musikantenstadl“-Moderator Karl Moik präsentiert sich am Dienstag (1.5.2001) bestens gelaunt bei einer Besichtigung des Hochjochs im Montafon (Vorarlberg). Von der Terrasse des auf 1897 m Höhe gelegenen Panoramarestaurants will er am 2.Juni 2001 live den „Musikantenstadl“ moderieren. dpa

Karl Moik ist im Alter von 76 Jahren im Landeskrankenhaus Salzburg gestorben.

Wien. Über ein Vierteljahrhundert brachte er Millionen Menschen ein Stück heile Welt ins Wohnzimmer. Mit seinem „Musikantenstadl“ etablierte Karl Moik sich als Volksmusikpapst. Am Donnerstag ist der Fernsehmoderator in Salzburg im Alter von 76 Jahren verstorben.

Der Entertainer schuf Anfang der 80er-Jahre mit seinem „Stadl“ ein Stück Erfolgsfernsehen. Auch zehn Jahre nach seinem unfreiwilligen Abtritt ist die Sendung im österreichischen, schweizerischen und deutschen Fernsehen weiter präsent.

Vielseitiges Talent

Geboren wurde Moik 1938 in Linz. Er wuchs als Kind einer alleinerziehenden Mutter in Hallein bei Salzburg auf. Seinen Vater lernte er erst im Alter von fünf Jahren kennen. Sein Showtalent habe sich schon früh bemerkbar gemacht, sagte er. Dennoch orientierte er sich beruflich zunächst in eine andere Richtung: Moik machte eine Ausbildung zum Werkzeugmacher und reiste später als Vertreter für Öfen, Kopiergeräte und Fernsehantennen herum. Daneben demonstrierte er sein Show-

und Musiktalent als Mitglied des Jazz-Trios

„Jolly Austrians“, mit dem er durch ganz Europa tingelte. In dieser Zeit versuchte er sich auch als Interpret volkstümlicher Lieder. Als Ansager bei einem Fußballspiel fiel er einem ORF-Redakteur auf, der ihn ins Studio des Senders vermittelte.

1973 machte Moik erstmals nachhaltig auf sich aufmerksam, als er beim ORF in Linz die Rundfunksendung „Volkstümliche Hitparade“ durchsetzte und moderierte. 1980 schließlich konzipierte er für den ORF die Volksmusik-Fernsehsendung „Musikantenstadl“, die mit Moik als Moderator ungewöhnliche Popularität gewann – in den 80er-Jahren lockte die Sendung über drei Millionen Österreicher und ein Vielfaches an Deutschen vor die Fernsehschirme. Mit seiner Live-Show reiste Moik um die Welt: 1998 gastierte der „Musikantenstadl“ in Disney World im US-Bundesstaat Florida, 1999 trat er in China auf – mehrere 100 Millionen Zuschauer im chinesischen Staatsfernsehen schalteten ein. 1989 war Moiks „Stadl“ die erste große TV-Show, die nach dem Mauerfall live aus Ostdeutschland übertragen wurde. „Wenn ich meine Karriere Revue passieren lasse, waren 90 bis 95 Prozent eine traumhafte Zeit“, sagte Moik anlässlich seines 75. Geburtstags 2013. Über die weniger schönen Dinge müsse er ja nicht mehr nachdenken.

Unfreiwilliger Abgang

Zu denen gehörte mit ziemlicher Sicherheit der unfreiwillige Abgang von „seiner“ Sendung. Nachdem er beim „Silvesterstadl“ 2005/2006 in Kärnten seinem Millionenpublikum zum letzten Mal sichtlich gerührt „Servus, Pfüat Gott und auf Wiedersehen“ gesagt hatte, erlitt er einen Schlaganfall. Sein Ausscheiden aus der Sendung war gegen seinen Willen von ORF und ARD beschlossen worden.

In den letzten Jahren zog sich Moik mit seiner Familie in Oberalm bei Salzburg zurück. Seine Frau Edith managte nicht nur das Familienleben, sondern auch seine Karriere. Aufträge nahm Moik nur noch an, wenn „eine nette Runde beisammen ist“. Zudem hatte er mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Bereits 2004 hatte er während einer Karnevalsfeier in Köln einen Herzinfarkt. Genau zehn Jahre später erlitt er am Rosenmontag wiederum in Köln einen weiteren Herzinfarkt. Zuletzt war er im Jänner aus dem Spital in Hallein entlassen worden, wo sich das Fernsehurgestein wegen Nieren- und Herzproblemen behandeln und am Arm operieren lassen musste.

Bereits zu Lebzeiten wurde der Publikumsliebling für seine Verdienste um die Kultur geehrt und erhielt etwa 2003 das Große Goldene Ehrenzeichen der Stadt Linz. Außerdem wurde ihm im August 2004 der Ehren-Professorentitel verliehen. 2004 und 2007 erhielt Moik eine Krone der Volksmusik.

ABD0099_20150326 - ARCHIV - Die Moderatoren Andy Borg (l) und Karl Moik lachen am 19.01.2011 in München während einer Pressekonferenz zur ARD-Show «Musikantenstadl». Foto: Ursula Düren dpa (zu dpa:

ABD0099_20150326 – ARCHIV – Die Moderatoren Andy Borg (l) und Karl Moik lachen am 19.01.2011 in München während einer Pressekonferenz zur ARD-Show «Musikantenstadl». Foto: Ursula Düren dpa (zu dpa: „Ehemaliger „Musikantenstadl“-Moderator Karl Moik gestorben“ vom 26.03.2015) +++(c) dpa – Bildfunk+++

24; Karl Moik; CO-Moderatorin Dania; DJ Ötzi;

24; Karl Moik; CO-Moderatorin Dania; DJ Ötzi;

ABD0092_20150326 - SALZBURG - ÖSTERREICH: ZU APA0360 VOM 26.3.2015 -

ABD0092_20150326 – SALZBURG – ÖSTERREICH: ZU APA0360 VOM 26.3.2015 – „Musikantenstadl“-Moderator Karl Moik (r.) und Hias Mayer auf einem undatierten Archivbild. Moik ist am Donnerstag, 26. März 2015, mit 76 Jahren in Salzburg gestorben. (UNDATIERTES ARCHIVBILD)- FOTO: APA/ORF/ORF

V. l.: Eines der letzten offiziellen Fotos mit seiner Frau Edith (Ende 2013), 2001 bei einer TV-Aufzeichnung am Hochjoch im Montafon (oben), gemeinsam mit Partner Hias (unten), mit Nachfolger Andy Borg (2011). Fotos: APA
V. l.: Eines der letzten offiziellen Fotos mit seiner Frau Edith (Ende 2013), 2001 bei einer TV-Aufzeichnung am Hochjoch im Montafon (oben), gemeinsam mit Partner Hias (unten), mit Nachfolger Andy Borg (2011). Fotos: APA
11 Musikantenstadl

11 Musikantenstadl

MUSIKANTENSTADL PROBEN FOTO: ZELLHOFER HANS
Blick hinter die Kulissen des Musikantenstadls
Dornbirn (VN) Nach wie vor erfreut sich der

MUSIKANTENSTADL PROBEN FOTO: ZELLHOFER HANS Blick hinter die Kulissen des Musikantenstadls Dornbirn (VN) Nach wie vor erfreut sich der „Musikantenstadl“, der heute abend live vom Messegelände ausgestrahlt wird, phantastischer Einschaltquoten. Vater des Erfolges der sicher erfolgreichsten Musiksendung im deutschsprachigen Raum ist ohne Zweifel der große Fernsehzampano Karl Moik. Hinter den Kulissen sorgt eine eingespielte Mannschaft, daß der Liebling der mittleren und älteren Generationen und seine Gäste ins rechte Licht gerückt werden. Im „Wirtschaftszelt“ auf dem Messegelände ging es in den letzten Tagen hektisch zu und her. Scheinwerfer wurden montiert, Kulissen aufgebaut, Tribünen hochgezogen, Mikrofone aufgestellt, Kabel verlegt. Chef der emsigen Mannschaft ist Ernst Keplinger. Der Herr über 150 Scheinwerfer, sieben Kameras, sieben Kilometer Kabel, unzählige Mikrofone und allerlei andere hochempfindliche Elektronik läßt sich trotz der Umtriebe nicht aus der Ruhe bringen, denn er kennt das Geschäft wie kein anderer: Seit zehn Jahren steht er an der Spitze des „Musikantenstadl“-Trosses, der nicht nur in Europa für die Sendung unterwegs ist.

Musikantenstadl

Musikantenstadl

Zur Person

Karl Moik

Fernsehmoderator und Entertainer (19. Juni 1938 in Linz; †26. März 2015 in Salzburg)

Ausbildung: Lehre als Werkzeugmacher, Unterricht Klavier und Akkordeon, Sprechausbildung im Mozarteum in Salzburg (1970/71).

Laufbahn: 1973 Volkstümliche Hitparade im ORF Oberösterreich; 1981 Start des Musikantenstadels auf ORF (ab 1983 auch auf ARD); 2005 wurde der Vertrag nicht mehr verlängert.

Familie: verheiratet mit Edith (1964), zwei Kinder