„Viele Projekte im Kopf“

Menschen / 05.05.2015 • 22:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Patrice Leconte (r.) mit Hauptdarsteller Christian Clavier, der mit seiner Rolle in „Monsieur Claude und seine Töchter“ Erfolge feierte. Foto: EPA
Patrice Leconte (r.) mit Hauptdarsteller Christian Clavier, der mit seiner Rolle in „Monsieur Claude und seine Töchter“ Erfolge feierte. Foto: EPA

Regisseur Patrice Leconte wechselt mit dem Film „Nur eine Stunde Ruhe!“ das Genre.

Paris. Nach Meisterwerken wie „Der Mann der Friseuse“ oder „Die Verlobung des Monsieur Hire“ kommt der 67-Jährige nun mit der Screwballcomedy „Nur eine Stunde Ruhe“ ins Kino. Der Regisseur im Interview.

Sie nehmen sich für gewöhnlich in Ihren Filmen viel Zeit für die Charaktere. Insofern ist eine Screwballcomedy für Sie ja ein ganz neues Genre?

Leconte: Ich habe mein Berufsleben mit Komödien begonnen, dann aber im Laufe meiner Karriere viele andere Filme gemacht. Als mir dann der Stoff von „Nur eine Stunde Ruhe“ zugetragen wurde, hat mir die Idee und das Drehbuch gefallen. Da dachte ich: Das ist der Moment, wieder auf die Komödie zurückzukommen. Und vielleicht wollte ich auch unbewusst austesten, ob ich immer noch eine Komödie drehen kann.

Funktioniert es noch?

Leconte: Im Hinblick auf den Rhythmus und das Spiel der Schauspieler bin ich auf jeden Fall zufrieden. Welche Szene als lustig empfunden wird, ist natürlich schwierig zu beurteilen. Die einzige Möglichkeit, dies festzustellen, ist sich in den Kinosaal zu setzen und das Publikum zu beobachten.

Florian Zeller hat als Originalautor des Theaterstücks auch sein erstes Drehbuch verfasst. Mussten Sie da Hilfestellung leisten?

Leconte: Florian hat auf Grundlage seines Stücks das Drehbuch geschrieben, danach haben wir uns aber zusammengesetzt und über die Details gesprochen. Das Lustige war, dass Florian nicht wusste, wie man ein Drehbuch schreibt und mich gefragt hat. Meine Antwort war: „Das ist leicht. Wenn eine Person die Stiege hinaufgeht, schreibst du, dass eine Person die Stiege hinaufgeht.“

Sie bleiben im Film nah am Theater, lassen die Handlung im Wesentlichen in einer Wohnung und in Realzeit spielen?

Leconte: Es gibt oft die Tendenz, dass Regisseure viele Szenen dazu erfinden, wenn sie ein Theaterstück adaptieren – zu Unrecht in meinen Augen, wenn man ein gutes Drehbuch hat. Es klingt vielleicht überheblich, aber ich glaube nicht, dass eine Person, die den Film ohne Vorkenntnis sieht, erkennt, dass es sich um eine Theateradaption handelt.

Warum glauben Sie, haben in den vergangenen Jahren französische Komödien verstärkt im Ausland Erfolge gefeiert?

Leconte: Es hat in Frankreich immer eine große Komödientradition gegeben. Aber das Fernsehen zwingt uns mittlerweile dazu, Komödien zu machen. Es gibt immer mehr Koproduktionen zwischen Kino und TV, was ein idiotisches System ist. Deshalb ist es heute leichter, eine kleine Komödie aus dem Ärmel zu schütteln, als einen ambitio­nierten Film. Ich bin nicht pessimistisch, aber ich habe Filme gemacht, die ich heute nicht mehr machen könnte. Dennoch werde ich nicht nur Komödien machen, ich habe viele andere Projekte im Kopf.

Finden Sie sich selbst als
humorvollen Menschen?

Leconte: Ich habe überhaupt keinen Humor. Ich hasse Menschen, die versuchen, mich zum Lachen zu bringen (lacht). Ernsthaft: Es ist selten, dass man Personen trifft, die keinen Humor haben. Wenn ich beim Dreh lache, ist das aber eher von Nachteil, wenn ich dann die Aufnahme verwackle.

Wollte unbewusst testen, ob ich noch Komödien drehen kann.

Patrice Lectonte