„Die Angst vor HIV ist einfach sehr groß“

Menschen / 18.05.2015 • 22:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Das Vangardist-Magazin hat im Zuge des Life Balls eine ungewöhnliche Sonderausgabe herausgebracht.

schwarzach. (VN-ram) Mit seiner Schwerpunktausgabe „HIV Heroes Edition“ will das Lifestyle-Magazin Vangardist auf das Stigma von Menschen mit einer HIV-Krankheit aufmerksam machen. Die Besonderheit: Eine Sonderedition von 2500 Exemplaren wurde mit Druckfarben hergestellt, die das autoklavierte Blut von drei HIV-positiven Menschen enthalten. Einen Teil der Sonderedition erhalten Prominente, die, genauso wie andere Interessierte, Fotos mit der Ausgabe in sozialen Netzwerken hochladen sollen, um ein Zeichen gegen das HIV-Stigma zu setzen. Life-Coach Jordan Bach, Regisseur Gregor Schmidinger und sogar der Hörbranzer Pfarrer Roland Trentinaglia haben das etwa bereits gemacht.

Die Vorarlberger Nachrichten haben mit Chefredakteur Julian Wiehl aus Hörbranz die spezielle Herangehensweise von Vangardist an das Thema HIV gesprochen.

Was ist das Besondere an dieser Ausgabe?

Wiehl: Wir haben die Drucker­farbe mit dem Blut von HIV-positiven Menschen vermengt. Die Ausgabe steht stellvertretend für all jene, die mit dem Virus leben. Wer eine Ausgabe in den Händen hält, hält auch symbolisch einen Menschen mit HIV in seinen Armen. Aber es besteht weder bei dieser Printausgabe noch bei einer Umarmung und alltäglichem Umgang mit Menschen mit HIV eine Gefahr für eine Infektion.

Wie ist man da denn vorgegangen? Wie kann eine Ausgabe denn nur mit Blut gedruckt werden?

wiehl: Wir haben das Blut von drei Blutspendern erhalten – von einer Frau und Mutter, sowie von einem hetero – und einem homosexuellen Mann. Alle haben davor eingewilligt, an der Aktion teilzunehmen. Das Blut wurde an der Med Uni in Innsbruck sterilisiert und anschließend noch einmal auf Viren getestet. Der Prozess der Sterilisierung wurde uns auch schriftlich von der Harvard Universität als internationaler Standard zum Abtöten aller Arten von Viren bestätigt. Anschließend wurde das virenfreie Blut mit der Druckerfarbe vermengt und eine limiterte Anzahl von 3000 Stück gedruckt.

Welche Idee steckt dahinter, einen Teil der Auflage an Prominente zu verschicken?

wiehl: Die Ausgaben werden gegen eine Mindestspende von 50 Euro abgegeben. Ein kleiner Teil der Auflage wird an sogenannte Opinionleader versendet, damit diese in ihrem Wirkungskreis ein Statement setzen. Menschen folgen ja gerne anderen Menschen, die sie schon aus den Medien kennen. Somit wird die Relevanz der Aktion verstärkt.

Gery Keszler hat sich auf dem Life Ball überraschend als HIV-positiv geoutet. War das ein wichtiges Signal?

Wiehl: Ich finde das Outing von Gery Keszler ein sehr wichtiges Zeichen. Es gibt ja kaum jemanden, der in der Öffentlichkeit zu seinem positiven HIV-Status steht.

Das hat sehr wohl mit der Stigmatisierung zu tun. Mir wurde gerade von einer Familie berichtet, die für eines ihrer HIV-positiven Kinder eigene Handtücher angeschafft hat. Dabei liegt die Viruslast bei behandelten Personen unter der Nachweisgrenze, womit eine Ansteckung nicht

wirklich möglich ist. Aber die Angst ist einfach sehr groß.

Die Ausgabe steht stellvertretend für all jene, die mit HIV leben.

Julian Wiel