„Meine erste Reaktion war Angst und Zögern“

Menschen / 17.06.2015 • 22:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Paul Dano erzählt im Interview über das Filmprojekt „Love & Mercy“ und die Begegnung mit Brian Wilson.

Berlin. Er war der kreative Kopf der Beach Boys, erlebte mit seinen Hits einen kometenhaften Aufstieg. Und dann einen tiefen Fall. Bill Pohlads Film „Love & Mercy“, ab 12. Juni in Österreichs Kinos, schildert das Leben des Brian Wilson. Er wird von zwei Schauspielern verkörpert. John Cusack ist der ältere, Paul Dano der junge Brian.

Sie werden in Kürze erst 30, haben in so markanten Filmen wie „Little Miss Sunshine“, „There Will Be Blood“ oder „12 Years A Slave“ mitgewirkt und sind nebenbei Leadsänger und Gitarrist der Rockband Mook. Es muss eine große Sache für Sie gewesen sein, als Ihnen Regisseur Bill Pohlad mitteilte, Sie seien seine erste und einzige Wahl?

PAUL DANO: Meine erste Reaktion waren Angst und Zögern. Schließlich ist Brian Wilson eine Legende. Und mit der Musik der Beach Boys war ich aufgewachsen. Es gab kaum eine Auto-
fahrt mit meinen Eltern, bei der ich „Surfin’ USA“ nicht hörte. Und „Smile“ ist eines der besten Alben, die ich kenne.

Warum also die Angst?

DANO: Es war Brians gespaltene Persönlichkeit. Der Mann, dessen Hits Symbole für Sommer, Sonne und Frohsinn waren, versank zusehends in Düsternis, hörte geheimnisvolle Stimmen, wurde von Drogen und den Ratschlägen seines dämonischen Psychiaters Eugene Landy abhängig. Das ist eine ungemein breite Palette, und persönlich war ich Brian noch nie begegnet. Aber das musste sein, und auch er sollte wissen, wer ich bin.

Ging das rucki, zucki?

DANO: Nein. Ich beschloss, mich zunächst einmal in seine Musik hineinzuleben. Allein dadurch habe ich eine Menge über ihn gelernt. Ich nahm Klavier- und Gesangsstunden, denn schon am zweiten Drehtag musste ich „Surf’s Up“ mehrmals anstimmen.

Aber Sie haben sicher nicht durchwegs alle Lieder gesungen?

DANO: Nein, das hätte man mir nicht abgenommen. Es wurde ein Mix, an dem die Tontechniker einen großen Anteil hatten. Wahre Künstler!

Wie war dann die erste Begegnung mit Brian?

DANO: Er schien mir, auch in seiner Kindlichkeit, wie ein Engel. Ich hatte das Gefühl, dass dieser Mann auf irgendeine Art ein „Gesegneter“ war und ist. Ich wünschte mir zwischen uns eine entspannte Atmosphäre, habe ihn daher so wenig wie möglich mit bohrenden Fragen gequält. Ich wollte nur einige Fakten über gewisse Situationen wissen und diverse Sachen über die Persönlichkeit seines Cousins und Beach-Boys-Mitbegründers Mike Love.

Der im Film nicht unbedingt gut wegkommt?

DANO: Viele sagen, noch viel zu gut. Doch die Gespräche mit Brian ergaben, dass er trotz aller Probleme noch immer große Sympathie für Mike hegt. Auf diese Erkenntnisse habe ich bei
der Gestaltung einzelner Szenen Rücksicht genommen. Auch wollte ich Brian bei seinem zeitweiligen Fall ins Nichts nicht als verrückt darstellen. Manchmal kindlich, ja, aber nicht kindisch. Er verdient Mitgefühl und nicht Mitleid.

Welchen Eindruck hatten Sie alles in allem von ihm?

DANO: Er hat eine unglaublich starke Präsenz. Wenn es mir gelungen ist, auch nur einen Teil seiner vielschichtigen Persönlichkeit überzeugend auf die Leinwand zu bringen, bin ich stolz und glücklich.

Neben allem anderen: Zunehmen mussten Sie auch?

DANO: Das war nicht so schwer. Jeden Tag ein paar Shakes, damit es schneller ging. Und das Abnehmen danach war auch recht einfach.