Der Mann mit den vielen Hüten: Zucchero wird 60

Menschen / 23.09.2015 • 22:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wenn Zucchero nicht auf der Bühne steht, produziert er zuhause in der Toskana seinen eigenen Wein und Olivenöl.
Wenn Zucchero nicht auf der Bühne steht, produziert er zuhause in der Toskana seinen eigenen Wein und Olivenöl.

„Senza una donna“ macht den Italo-Rocker mit der charismatischen Stimme welt­berühmt.

Rom. Den Namen hat er von einer Lehrerin. Die fand den Pennäler Adelmo Fornaciari wohl so süß, dass sie ihn kurzerhand „Zucchero“ (Zucker) nannte. Aus dem Spitznamen wurde ein Künstlername und der kleine Adelmo ein großer Star, der als Sänger auf der ganzen Welt Karriere machte. Morgen, Freitag, wird Zucchero 60. Am 3. Oktober wird er beim großen „Voices for Refugees“-Konzert in Wien erwartet.

Viele erfolgreiche Hits

Geboren wurde der Barde in Roncocesi, einem Dorf nahe der Autobahn zwischen Parma und Modena in der Emilia-Romagna. Sein Spitzname tauchte schon in frühen Bandgründungen auf, wie „Sugar & Daniel“ oder „Sugar & Candies“ – dabei ist es eigentlich nicht das honigsüße Schnulzenmetier, in dem der Mann mit der charismatischen Reibeisenstimme zu Hause ist. 1981 gewann er ein Festival, 1983 nahm er sein erstes Album auf: „Un Po di Zucchero“ („Ein bisschen was von Zucchero“). Mit dem Album „Blue’s“ (1987) verkaufte er in Italien schon mehr als 1,3 Millionen Scheiben. Der ganz große Durchbruch kam 1991 mit „Senza una Donna“ („Ohne eine Frau“), das er mit Paul Young auf Italienisch und Englisch im Duett sang, das Lied des enttäuschten Liebhabers, der jetzt lieber alleine bleibt („Without a woman, better like this“). Es folgten weitere große Erfolge wie „Diamante“, „Misere“ oder „Baila morena“. Anfang 1993 wurde er als „Erfolgreichster italienischer Sänger des Jahres“ ausgezeichnet, bald darauf erhielt er den Preis „Italienischer Künstler mit den weltweit meisten Verkäufen 1995“. Nicht nur mit Paul Young sang der Italiener im Duett, auch mit Sting, Miles Davis, Ronan Keating, B.B. King, John Lee Hooker oder Maná trat er vors Mikrofon. 2004 erschien dazu sein Album „Zu & Co.“. Mit dem unvergesslichen Luciano Pavarotti (1935–2007) sang er gemeinsam „Va, pensiero“, weltberühmte Melodie aus der Oper „Nabucco“ und inoffizielle Hymne des italienischen Freiheitskampfes im 19. Jahrhundert.

Wenn Zucchero singt, dann wechselt er gerne mitten im Lied vom Italienischen ins Englische – damit ihn auch ein breiteres Publikum verstehe, wie er einmal sagte. Man sieht ihn fast niemals ohne Hut, angeblich besitzt er über 300 Exemplare, die besten findet er meist auf dem Flohmarkt.

Sein musikalisches Spektrum reicht von Gospel, Blues und Rock bis hin zum kubanischen Son, wie er mit seinem Album „La sesión cubana“ bewies, das er 2012 auf Kuba aufnahm.

Ist Zucchero nicht in der Welt unterwegs, dann lebt er in einer umgebauten Mühle in der Toskana, rund eineinhalb Stunden von Pisa entfernt. Dort produzieren er und seine Leute eigenen Wein, Käse, Brot und Olivenöl. „Vielleicht bin ich ja eines Tages nur noch Farmer“, sagte Zucchero einmal in einem Interview der „Gala“.