Chanel setzt in Paris zu Modehöhenflug an

06.10.2015 • 20:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Chanel überzeugte mit seiner Modenschau im Stil eines Flughafen-Terminals. Am Ende der Show marschierte Lagerfeld gut gelaunt über den Catwalk. Fotos: Reuters
Chanel überzeugte mit seiner Modenschau im Stil eines Flughafen-Terminals. Am Ende der Show marschierte Lagerfeld gut gelaunt über den Catwalk. Fotos: Reuters

Karl Lagerfeld präsentierte bei den Modeschauen in Paris reisetaugliche Entwürfe.

paris. Ein Karl Lagerfeld (82) wiederholt sich nicht. Bei der „Chanel Airlines“ betitelten Einladung zu seiner Modenschau am Dienstag in Paris dachte man zunächst an ein Revival des gigantischen Flugzeugkabinen-Nachbaus für Chanel vor ein paar Saisonen. Doch die Besucher wurden eines Besseren belehrt: Das Pariser Grand Palais war im Stil eines futuristischen Flughafen-Terminals mit Schaltern, Gepäckbändern und Bildschirmen als Anzeigetafeln hergerichtet. Zukunftsweisend waren auch die Chanel-Entwürfe für Frühjahr/Sommer 2016: Digitale Stickereien für schmale Kostüme und Mäntel, Graffiti-artig gewebter Tweed in Blau- und Rottönen und bunte Drucke, die an Flugzeugflügel erinnerten.

Runde auf Catwalk

Am Ende drehte Lagerfeld, zusammen mit Topmodel Cara Delevingne (23) und seinem Patensohn Hudson Kroenig, gut gelaunt seine Runde auf dem Laufsteg.

Bei Saint-Laurent-Designer Hedi Slimane (47) traten am Vorabend die für ihn typischen „Straßenprinzessinnen aus gutem Hause“ auf den Laufsteg: lasziv, bourgeois, ungezogen und einige wunderhübsch. Ihre Kleidung – superkurze Hemdkleidchen, löchrige Lederhosen und Jeansjacken im „Used-Look“ – war nur etwas für sehr junge Frauen. Mal kamen die Kleidchen mit Silberpailletten bestickt, mal aus Spitze, mal in Satin, mal im Leopardenmuster. Natürlich waren dabei auch perfekt geschnittene Blazerjacken, Pelzjacken und schmale Jeans für ältere Semester.

„Reality-Shows“ gewagt

Nicht nur bei Saint Laurent, auch bei vielen seiner Kollegen rauschten bei den Pariser Modenschauen seit vergangenem Dienstag zahlreiche an Unterwäsche erinnernde Entwürfe über die Laufstege. Sei es Balenciaga, sei es Ungaro, Dior, Balmain, ja, sogar die sonst auf arbeitende Frauen zugeschnittene Kollektion von Céline-Designerin Phoebe Philo. Natürlich zeigten auch diese Marken durchaus Tragbares neben den Lingerie-Teilen. Doch es war erleichternd, dass einige Modemacher eine „Reality-Show“ wagten, dem wahren Leben zugewandt.

Die Australierin Kym Ellery gehörte zu diesen. Sie stellte klare Kleid-Jacke-Kombinationen in Weiß vor, übergroß und mit goldenen Schmuckelementen an den Seiten. Ebenso die Hermès-Designerin Nadège Vanhee-Cybulski (37). Ob ein schwarzer Einteiler mit schmalem Oberteil, Aussparung im Rücken und Bootcut-Hose, ein Hemdblusenkleid mit Faltenrock in Midi-Länge, ein langer Kaftan oder ein wie ein Pyjama geschnittener Anzug: Alle Entwürfe überzeugten durch Materialien und Schnitte.

Oder der Designer Albert Kriemler. Der Schweizer hatte sich in seiner Kollektion für Akris von Entwürfen des japanischen Architekten Su Fujimoto (44), Ehrengast der Schau, inspirieren lassen. Alles erschien fein und fast schwebend und zugleich wirklich tragbar.