„Dachte erst ganz klein“

07.10.2015 • 20:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Das Schauspielerpaar erreicht mit seiner Internet-Serie „Der Lack ist ab“ Millionen.

Berlin. (VN-lh) Doppelpremiere für Bettina Zimmermann und Kai Wiesinger. Heute läuft der Animationsfilm „Alles steht kopf“ von Disney/Pixar an, in dem die Stimmen der beiden zu hören sind. Und am selben Tag startet die zweite Staffel ihrer erfolgreichen Internet-Serie „Der Lack ist ab“.

In „Alles steht kopf“ sprechen Sie, in der deutschen Fassung, die Rollen der Mutter und des Vaters der kleinen Heldin Riley. Sie beide haben zwar bereits drei Kinder von anderen Partnern, aber Ende des Jahres kommt Ihr erstes gemeinsames Baby. Also beste Voraussetzungen für diese Aufgabe.
Wie haben Sie reagiert, als Sie von Disney kontaktiert wurden?

WIESINGER: Wir haben uns sehr gefreut. Seine Stimme einem animierten Charakter zu geben, ist etwas Besonderes. Wiewohl man nur ein kleiner Teil des Ganzen ist.

ZIMMERMANN: Bewundernswert ist, wie bei Disney/Pixar alles grundlegend und ehrlich recherchiert ist. Das beginnt schon bei der Atmung der Animationsfiguren. Unsere Stimmen sind dann das letzte Tüpfelchen auf dem „i“. Unsere Aufgabe ist es, den Charakteren Leben einzuhauchen.

Ihr Hauptstandbein liegt derzeit aber woanders, nämlich bei der Internet-Serie „Der Lack ist ab“, von der Sie nun bereits die dritte Staffel vorbereiten. Wie ist es dazu gekommen?

WIESINGER: Kinder und Youngsters haben im Netz bereits ein komplettes Unterhaltungsangebot. Für Erwachsene, also für Menschen ab 35, gibt es noch wenig. Ich überlegte: Wie wäre es, wenn man Dinge, die sich in diesem Alter manifestieren, aufarbeitet? Ich dachte erst ganz klein und wollte mit Handykameras drehen, doch dann hat sich das Projekt innerhalb kurzer Zeit so etabliert, dass wir heute vier Millionen Zuseher erreichen.

Gab es noch einen Grund, sich für „Der Lack ist ab“ so zu engagieren?

WIESINGER: Die Aufgaben für Schauspieler wurden bei uns in letzter Zeit nicht interessanter, und nicht jeder möchte Kommissar sein. Ich zum Beispiel habe für „Der Rücktritt“ den Bayerischen Fernsehpreis erhalten, danach über ein Jahr lang kaum ein Angebot gekriegt. Mit „Der Lack ist ab“ erlebe ich jetzt die spannendste Zeit, seit ich in diesem Beruf bin.

Schreiben Sie alles selbst?

WIESINGER: Nur zum Teil. Es gibt auch andere Autoren, die eine erste Fassung schreiben, doch dann geht alles in meine Hand. Und MyVideo gibt mir die Freiheit, alle künstlerischen Entscheidungen zu treffen. Auch über jede Farbe und jeden Schnitt. Das ist eine Luxus-Situation an Verantwortung. Wir haben teilweise auch schon eine Folge auf Englisch gedreht. Jetzt gerade bereiten wir die dritte Staffel vor.

Was unterscheidet Sie spe-
ziell vom „normalen“ Fernsehen?

WIESINGER: Wir können jede Episode in beliebiger Länge drehen und Geschichten auch spontan komplett ändern. Mit den nächsten zehn Folgen gehen wir nun ab
1. Oktober online, wobei der Zuseher diese Folgen nach-einander, aber auch horizontal anschauen kann. Sie sind ja nach Belieben abrufbar,
je nach Lust und Laune. Gratis.

Gibt es auch Reaktionen von jungem Publikum?

WIESINGER: Die gibt es. „Ich bin nicht eure Zielgruppe“, heißt es da oft; „aber ich finde super, was ihr da macht. Und oft erkenne ich meine Eltern wieder.“

ZIMMERMANN: Ich glaube, alle finden es erlösend, dass wir uns so sehr mit dem Alltag beschäftigen – aber auf humorvolle Weise.