„Ist die Frau glücklich, ist das Leben gut . . .“

Menschen / 08.10.2015 • 21:58 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Jackman spielt in der neuen „Peter Pan“-Verfilmung den finsteren Piratenkapitän Blackbeard. Warner bros
Jackman spielt in der neuen „Peter Pan“-Verfilmung den finsteren Piratenkapitän Blackbeard. Warner bros

Jackman gilt als der netteste Star Hollywoods. Im Interview gewährt er Einblicke in sein Privatleben.

London. (VN-lh) Am 12. Oktober wird er 47. Zum Geburtstag hat sich Hugh Jackman selbst mit einer fantastischen Rolle beschenkt. In „Pan“ verkörpert er den Piratenkapitän Blackbeard.

„Pan“ ist sozusagen ein Prequel und zeigt, wie der Waisenknabe Peter zu Peter Pan wird, der fliegen kann, in die Fänge des Piraten Blackbeard gerät und nach Neverland kommt. War es für Regisseur Joe Wright schwierig, Sie für die Black­beard-Rolle zu begeistern?

Jackman: Als ich Joe zum ersten Mal traf, bat ich ihn: „Erkläre mir diese Welt, erkläre mir Neverland!“ Er verwies mich auf zahlreiche traumhafte Landschaften in „National Geographic“. Als die Rede auf Blackbeard kam, zeigte er mir ein Bild – von mir, aber entsprechend verändert. Es sah aus wie ein altes Gemälde, das schon Risse bekommen hatte. Ich mit einer Perücke à la Marie Antoinette, mit Kleidern wie Louis XIV. und weißer Schminke im Gesicht. Ich sagte: „Joe, du hast 80 Prozent meiner schauspielerischen Aufgabe bereits vorab erledigt. O.k., ich bin dabei!“

Blackbeard ist natürlich ein übler Schurke. Wer sind Ihre Kino-Lieblingsschurken?

Jackman: Anthony Hopkins als Hannibal Lecter, und Alan Rickman in „Stirb langsam“. Beide haben den Rollen auch selbstironische Züge verliehen und ich habe es auch mit Blackbeard so gehalten.

So weit, dass Blackbeard sogar die Perücke runtergerissen wird und er mit Glatze da steht. Eine echte?

Jackman: Ich habe gefragt, wie lange es jeweils dauern würde, mir eine Glatzenperücke anzupassen. Als ich hörte: 45 Minuten, habe ich gesagt: „Gebt mir den Rasierer!“

Der Darsteller des Peter ist ein hochbegabter Bub namens Levi Miller und kommt, wie Sie, aus Australien. Haben Sie mit ihm gleich guten Kontakt gehabt?

Jackman: Er kam und sprach mich mit „Mr. Jackman“ an. Ich antwortete: „Mr. Jackman ist mein Vater. Ich bin Hugh!“ Damit war das Eis sofort gebrochen.

Apropos Mr. Jackman, der Vater. Wie war er?

Jackman: Ein großartiger Mann. Meine Mutter wollte nach England zurück, als ich acht Jahre alt war. Und Vater stand auf einmal mit fünf Kindern da. Doch er hat sich vorbildlich um uns gekümmert, war immer für uns da, hat ordentliche Menschen aus uns gemacht. Ich ziehe meinen Hut vor ihm.

So vorbildliche Menschen, dass Sie in Hollywood als der netteste, liebenswürdigste männliche Star gelten. Was sagen Sie dazu?

Jackman: Meine Mutter wurde jetzt bei der Londoner Premiere mit dieser Frage konfrontiert. Sie antwortete: „Was soll dieses Herumgerede? Bei uns nennt man das nur gutes Benehmen.“ Mehr kann ich nicht dazu sagen.

Der nette Kerl spielt aber auch ziemlich brutale Rollen. Zum Beispiel Wolverine. 2016 werden Sie in „X-Men: Apocalypse“ wieder in dieser Rolle zu sehen sein. Im März 2017 kommt ein eigenes „Wolverine“-Abenteuer. Wie gefällt es Ihnen, ein „Held“ wie er zu sein?

Jackman: In Wirklichkeit bin ich das genaue Gegenteil. Sie würden staunen, wenn Sie mich bei den Proben sehen würden. Dabei würden Sie erleben, wie ungeschickt ich eigentlich bin. Da stolpere ich immer wieder, falle hin, und verletze mich mit meinen Metallkrallen selbst.

Da es regelmäßig „Wolverine“-Fortsetzungen gibt, müssen Sie eine Topkondition haben?

Jackman: Ich habe mir ein paar weise Worte meines Kollegen Will Smith gemerkt. Er hat einmal gesagt: „Es ist einfacher, fit zu bleiben, als sich jedes Mal aufs Neue fit zu machen.“ Also bin ich Stammgast im Gym. 70 Prozent dieses Wolverine-Körpers, der gleichzeitig muskulös und sehnig sein soll, werden aber durch Diät erreicht. Die sieht so aus, dass ich, bevor wir beginnen, viel essen muss. Jede Menge Eiweiß, gedämpfte, ungesalzene Hühnerbrust, ungefähr zwölf Stück am Tag. Auch Steak oder Fisch, doch nur mit gedämpftem Gemüse als Beilage. Manchmal muss ich bis zu 6000 Kalorien pro Tag verschlingen.

Wie gefällt Ihrem 15-jährigen Sohn Oscar das Helden-Image?

Jackman: Er findet es hochnotpeinlich. Er hat einen neuen Freund, den lud er unlängst ein. Der war mein Fan und hatte unzählige Fragen. Darauf Oscar: „Kannst du mit deinen Fragen aufhören? Sonst muss ich dir erzählen, dass mein Vater ganz anders ist als Wolverine. Gar nicht cool und gar nicht beinhart!“

Wie lebt der Anti-Star privat?

Jackman: Ich beschäftige nicht einmal eine Sekretärin, habe zu Hause nur eine „Höhle“ für mich. Die wird von meiner Frau dekoriert. Ich überlasse es ihr, für unser Wohlbehagen zu sorgen. Denn: Ist die Frau glücklich, ist das Leben gut . . .