Rebellischer Regisseur Klaus Lemke wird 75

Menschen / 12.10.2015 • 21:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Klaus Lemke provoziert und polarisiert mit seinen Filmen. Foto: facebook
Klaus Lemke provoziert und polarisiert mit seinen Filmen. Foto: facebook

Der deutsche Regisseur will auch weiterhin Klaus Lemke gegen das etablierte Filmbusiness protestieren.

münchen. Mit dem Mainstream kann Regisseur Klaus Lemke nichts anfangen. Seine Filme polarisieren und provozieren. Es geht um Drogen und Sex, um junge Mädchen und Gewalt. Radikal lenkt er seit den 60er-Jahren mit seinen Arbeiten den Blick auf soziale Schwachstellen. 2014 widmete ihm das Münchner Filmfest eine eigene Reihe. Angepasst hat er sich deswegen nicht, sondern empört sich weiter über staatliche Filmförderung. Heute wird Lemke 75.

Arbeitet oft mit Laien

Schon mit seinen ersten, vorwiegend fürs Fernsehen produzierten Filmen wie „Brandstifter“ (1969) oder „Rocker“ (1972) richtete Lemke den Scheinwerfer auf die Schattenseiten der Gesellschaft. Mit Filmen wie „Idole“ oder „Amore“ folgten Studien vorwiegend der Schwabinger Szene in München. Meistens arbeitete der Filmemacher mit Laien zusammen, die er in Cafés und Lokalen entdeckte und oft vom Fleck weg engagierte.

Auch spätere deutsche Film- und Fernsehgrößen wie Cleo Kretschmer (64), Wolfgang Fierek (64) oder Iris Berben (65) zählen zu seinen Entdeckungen. Oft ohne ein detailliert ausgearbeitetes Drehbuch gab er seinen Darstellern breiten Raum für Improvisationen.

München ist für den in Landsberg/Warthe im heutigen Polen geborenen Regisseur zum Mittelpunkt seines kreativen Schaffens geworden. Nach der Flucht mit Mutter und Schwester über die DDR in die Bundesrepublik („Wir hatten weniger als nix. Und es war eine der schönsten Zeiten meines Lebens, ich schwör’s“) hatte Lemke seine Schulzeit in Düsseldorf verbracht. Nach einigen Semestern als Student der Philosophie und Kunstgeschichte drehte er seine ersten Kurzfilme. Nach den Erfolgen der 60er- und 70er-Jahre wurde es ruhiger um Lemke, Filme wie „Bibo’s Männer“ (1986) und „Die Ratte“ (1993) wurden verrissen. „Ein verhexter Sommer“ (1989) mit Günther Maria Halmer (72) sowie „Das Flittchen und der Totengräber“ (1994), das sein Erfolgspaar Cleo Kretschmer und Wolfgang Fierek vor der Kamera vereinigte, stießen bei der Kritik wieder auf Zustimmung. Für „Schmutziger Süden“ erhielt er 2010 den Münchner Filmpreis.

Neuer Thriller

In diesem Jahr soll Lemkes neuer Streifen „Unterwäschelügen“ zu sehen sein, mit seiner aktuellen Entdeckung Mela Feigenbaum. Ende Oktober beginnen die Arbeiten am nächsten Projekt, einem „haischwarzen Thriller über einen stark missbrauchsanfälligen Filmregisseur, der auf der Suche nach seiner verschollenen Tochter in der Karibik zum Voodoomonster LeCrit mutiert“, sagt Lemke.

„Bleiben Toplangweiler“

Lustvoll poltert er gegen Filmförderung aus Steuermitteln und ist sich sicher, dass sein Heimatland sonst „in zwei Jahren das kreativste Filmland in Europa“ wäre und eine Konkurrenz für Hollywood. „So wie jetzt bleiben wir die Toplangweiler weltweit. Aber wenn er nicht gewollt hätte, dass sie geschoren werden, hätte der liebe Gott deutsche Filmregisseure nicht zu Schafen gemacht.“