„Wenn dieser Film Musik wäre, wäre es Punkrock“

22.10.2015 • 20:02 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der spanische Regisseur spricht im Interview über seinen Film „A Perfekt Day“.

Hamburg. (VN-lh) Das Publikum beim Festival in Cannes war ebenso begeistert wie jenes beim Filmfest Hamburg. Ab 30. Oktober läuft „A Perfect Day“ von Fernando León de Aranoa in den österreichischen Kinos an. Für die Hauptrollen dieser bitterbösen Komödie gewann er gleich zwei Oscar-Preisträger: Benicio del Toro und Tim Robbins.

Ihr Film spielt, innerhalb eines einzigen Tages, vor dem Hintergrund des Bosnien-Krieges. Mitglieder einer internationalen Hilfsorganisation sollen eine Leiche aus einem Brunnen entfernen, um die Wasserversorgung eines Dorfes zu gewährleisten. Dabei erlebt das Team die irrationalsten Dinge. Wie kamen Sie auf diesen Stoff?

DE ARANOA: Ich hatte eine Doku über derartige Helfer in Nord-Uganda gedreht. Dort wurde ich von unserem Sicherheitschef mit dem Originalbuch „Dejarse Llover“ der „Ärzte ohne Grenzen“-Mitarbeiterin Paula Farias konfrontiert. Eine australische Helferin spielte mir sogar Charaktere vor. Ich war begeistert.

Was war so besonders interessant und wie würden Sie die verrückte Form, die Sie gewählt haben, bezeichnen? Der „Guardian“ schrieb: Scharf wie ein Skalpell!

DE ARANOA: Die Geschichte zeigt die täglichen Versuche von internationalen Helfern, einen Krieg im Krieg zu gewinnen – gegen Rationalität, Mutlosigkeit und andere widrige Umstände. Ich würde sagen, es ist eine Komödie in ihrer wildesten, bösesten und verzweifeltsten Form. Wenn dieser Film Musik wäre, wäre es Punkrock.

Sie sind nicht nur Filmer, sondern auch Autor von Büchern, Produzent und Lehrer an Instituten in den USA. Die Hauptrollen verkörpern zwei US-Stars und Oscar-Preisträger. Wie ist es Ihnen gelungen, die für das Projekt zu begeistern?

DE ARANOA: Beide sind nicht die üblichen Stars. Benicio del Toro etwa hüpft zwischen großen Hollywood-Projekten und unabhängigen Produktionen hin und her. Er kannte meine früheren Filme, und als ich ihm dieses Drehbuch gab, war er sofort Feuer und Flamme. Er seinerseits traf Tim Robbins auf irgendeinem Flughafen und schwärmte ihm von „A Perfect Day“ vor, informierte mich und sagte, ich möge mit Tim Kontakt aufnehmen. Machte ich und auch er war schnell überzeugt.

Wie weit haben Sie sich an das Buch gehalten?

DE ARANOA: Ziemlich genau, nur habe ich die zwei großen Frauenrollen dazuerfunden. Sophie, gespielt von Mélanie Thierry, ist Expertin für Wasseraufbereitung und hat etwa Natürliches, Reines und Transparentes an sich. Olga Kurylenko als Katya ist intelligent und scharfzüngig, doch diese „Waffen“ verstecken ihre enorme Verletzlichkeit.