Deutsche Hitfabrikantin feiert 65. Geburtstag

27.10.2015 • 20:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gemeinsam mit Adel Tawel bildet Humpe die Band Ich + Ich. Foto: dpa
Gemeinsam mit Adel Tawel bildet Humpe die Band Ich + Ich. Foto: dpa

Die Songwriterin und Ikone der Neuen Deutschen Welle, Annette Humpe, fühlt sich nicht als Rampensau.

berlin. In den Achtzigern schnodderte Annette Humpe unterkühlte Neue-Deutsche-Welle-Songs ins Mikrofon. Mittlerweile laufen ihre einfühlsamen Hits des Duos Ich + Ich auch auf Hochzeiten und Beerdigungen. In den mehr als 35 Jahren ihrer Karriere hat die Musikerin ihren Stil immer wieder komplett umgekrempelt.

„Ich bin topfit“

Sie blödelte mit ihrer Schwester Inga (59) Songs für ihre gemeinsame Band DÖF zusammen, schrieb Hits für die Prinzen, für Udo Lindenberg (69) und zuletzt auch für den Bariton-Sänger Max Raabe (52). Heute, Mittwoch, wird Annette Humpe 65 Jahre alt.

„Ich bin topfit“, sagt sie in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, Als einen Grund zu feiern sieht sie ihren Geburtstag trotzdem nicht. „Ich weiß: In den nächsten zwanzig Jahren, falls ich noch so viele habe, wird es viele kleine Abschiedsschritte geben.“

Den Zigaretten habe sie schon abgeschworen, der Alkohol sei vielleicht als nächstes dran. Angst machte der Musikerin das Loslassen aber nie, auch nicht musikalisch. Nach spätestens drei Alben in einer Formation war bei ihr stets Schluss.

Karriere startete holprig

Dabei startete Humpes Musikkarriere holprig. Ihr Klavier- und Kompositionsstudium in Köln brach sie ab. Zuhause, im westfälischen Herdecke, seien ihre Eltern deshalb „durchgedreht“. Doch der Frust verflog bald: Humpe zog ins geteilte Berlin der 70er-Jahre, verliebte sich in die Stadt und machte den Traum von einer eigenen Band wahr.

Mit den Neonbabies feierte sie erste Erfolge. Der Durchbruch kam 1980 mit der Gruppe Ideal: Die Hits „Berlin“, „Eiszeit“ und „Blaue Augen“ lieferten den Soundtrack für eine Generation, die sich in den Untergrund-Clubs die Nächte um die Ohren schlug. Bevor die Neue Deutsche Welle ins Kommerzielle abdriftete, sprang Humpe ab.

Zunehmend verlegte sie sich aufs Songschreiben. „Ich bin keine Rampensau“, sagt Humpe. Dafür produzierte sie Alben für Rio Reiser (46) und schrieb den Ohrwurm „Küssen verboten“ für die Prinzen. Udo Lindenberg verhalf sie zu dem Hit „Ein Herz kann man nicht reparieren“.

Mit Ich + Ich erfolgreich

Humpe selbst schaffte es 2004 wieder in die Charts – als eine Hälfte des Pop-Duos Ich + Ich. Sie schrieb dabei die Texte, Sänger Adel Tawil (37) übernahm den Part auf der Bühne. Ihre musikalischen Partner schätzen die Arbeit mit ihr: Der Sänger Max Raabe, für den Humpe textete, dankte ihr im Songheft seines Albums „für den besten Sommer meines Lebens“. Tawil sagte: „Ich habe Annette viel zu verdanken.“ 2011 wurde Humpe mit dem Echo für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Jetzt hat die unermüdliche Musikerin Lust auf einen Neuanfang: „Ich will mit einem alten Sack arbeiten“, kündigt sie an – und zwar mit einem, „der eine ganz raue Stimme hat, wo gelebtes Leben auf den Stimmbändern ist“.