„Kuss-Szenen waren mir zu kurz“

03.11.2015 • 21:13 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Daniel Craig über Christoph Waltz, Ausflüge auf die Theaterbühne – und seine Rolle als James Bond.

Berlin. (VN-lh) Tadellos und elegant angezogen – mit Anzug und Krawatte – so betrat Daniel Craig den Interview-raum im Berliner Hotel „Adlon“. Nach der Weltpremiere in London stellte der Brite vor Kurzem an der Spree das neueste James-Bond-Opus „Spectre“ vor. Ab morgen, 5. November, läuft der Film auch in unseren Kinos.

Kürzlich haben Sie dem britischen Magazin „Time Out“ geflüstert, Sie würden sich eher die Pulsadern aufschlitzen als noch einmal James Bond zu spielen. Scherz, Mister Craig?

CRAIG: Nein, nein, so stimmt das nicht. Aber ich hatte für „Spectre“ fast neun Monate Arbeit hinter mir, hatte mir beim Dreh in Mexiko auch eine schmerzhafte Knieverletzung zugezogen. Wenn das endlich vorbei ist, sagt man manches. Muss nicht so gemeint sein.

Wie ist es nun wirklich gemeint?

CRAIG: Die ehrlichste Antwort ist: Momentan weiß ich es nicht.

Roger Moore, der 007 insgesamt sieben Mal spielte, hat nach jedem Bond-Film erklärt, es sei sein letzter gewesen – und dann mit dem Produzenten „Cubby“ Broccoli um die Gage gefeilscht?

CRAIG: Um die Gage geht es nicht. So was ist auch ein schönes Stück Verantwortung. Nach „Skyfall“ habe ich gegrübelt und gegrübelt. Erstens war dies das erfolgreichste aller Bond-Abenteuer, mit über einer Milliarde Einspielergebnis. Außerdem war der Film so gut. Wie konnte man das noch toppen?

Und wie konnte man?

CRAIG: Es gibt ein paar Gesetze, die man befolgen muss. Erst heißt es, eine gute Story zu finden. Und zwar eine mit markanten Charakteren. Und dafür wieder braucht man die bestmöglichen Schauspieler.

Jedenfalls hat die Rolle Ihr Leben verändert. Oder?

CRAIG: Hat sie. Ohne sie hätte ich niemals so viel von der Welt gesehen, wäre niemals an so vielen tollen Schauplätzen gewesen.

Ihr Name scheint sogar im Produktionsteam auf. Was bedeutet das?

CRAIG: Dass ich mich um mehr Dinge kümmern musste denn je. Das war ein unglaublich intensiver Arbeitseinsatz, am Ende musste ich aufpassen, dass ich mich nicht vor Erschöpfung erschoss. . . Im Ernst: Ich selbst wollte das, habe es bei der Produktionsfirma immer angeregt. „Wenn ich diese Figur spiele“, sagte ich, „dann soll sie auch ein Teil meines Lebens werden. Damit das jedoch so ist, muss ich mehr mitreden können.“

Wie hat sich Ihr Rollenverständnis im Lauf der Jahre gewandelt?

CRAIG: Anfangs habe ich die Dinge auf mich zukommen lassen, habe ziemlich befreit aufgespielt. Der Erfolg brachte dann auch Druck mit sich. Das Publikum begann, mich zusehends mit der Rolle zu identifizieren, und ich wollte niemanden enttäuschen, bin immer tiefer in den Charakter eingetaucht.

Warum wird Bond von den Frauen so geliebt?

CRAIG: Bestimmt nicht, weil er ein Gentleman ist. Sondern weil von ihm immer eine gewisse Gefahr ausgeht. Er ist ein Bad Boy, der sich nie einfangen lässt.
Man könnte
diskutieren, ob
er nicht eigentlich ein Frauenhasser ist.

Zwischen den Bond-Filmen gehen sich auch „Seitensprünge“ aus. Im kommenden Jahr werden Sie Off-Broadway den Jago in Shakespeares „Othello“ spielen. Da geht es sicher nicht um die Gage?

CRAIG: Erraten. Da geht es viel mehr darum, dass der von mir hochgeschätzte Sam Gold Regie führt. Ein
großartiger Theatermann, mit dem ich schon seit Jahren zusammenarbeiten wollte. Natürlich ist das für mich auch eine Riesenheraus-
forderung, die vielleicht beste Rolle, die man sich
als Schauspieler vorstellen kann.

Und auch noch der Böse. . .

CRAIG: Das ist ein Klischee, das sich als fixe Meinung
etabliert hat. Nein, Jago
ist kein typischer Böse-
wicht. Ihm wird übel mitgespielt.

Zurück noch einmal zu „Spectre“. Welcher Teil des Drehs war für Sie am aufregendsten?

CRAIG: Die Eröffnungssequenz in Mexiko. Mit einer unglaublichen „Choreografie“. Die ist so rasant und gut, dass sie mir wie ein Testament all der unendlich begabten Leute erscheint, die je an James-Bond-Abenteuern gearbeitet haben. Auch finde ich, dass die ganze Geschichte so reichhaltig ist, dass man leicht zwei Filme daraus hätte machen können.

Bei der Besetzung hat die Produktion wieder einmal zugeschlagen. Der große Bösewicht ist ein Österreicher, Christoph Waltz. War von Anfang an alles klar zwischen Ihnen beiden?

CRAIG: Wir haben viel gegrübelt, wie unser Zusammenspiel am besten klappen könnte. Aber was soll ich sagen? Christoph ist ein brillanter Schauspieler. Nebenbei auch ein wunderbarer Mensch. Alles in allem war es jedenfalls so: Wenn er an den Set kam, hüpfte das Niveau gleich eine Stufe höher.

Sie küssen diesmal schöne Damen wie Monica Bellucci und Léa Seydoux. Hat es Ihnen gefallen?

CRAIG: Die Kuss-Szenen mit Monica waren leider nach zwei Takes im Kasten. Ich hätte lieber viele Wiederholungen gehabt.

Die andere Schöne, Léa Seydoux, ist momentan auch in einem Film mit Ihrer Frau Rachel Weisz – „Lobster“ – zu sehen. Was hat sie über Léa gesagt?

CRAIG: Dass sie sie sehr mochte, dass es angenehm war, mit ihr zu arbeiten.

Möchten Sie nicht gerne auch einmal mit Rachel Weisz filmen?

CRAIG: Das ist nicht die richtige Frage.

Sondern?

CRAIG: Ob sie mit mir möchte.