„Ich bereue keine Gags“

Menschen / 12.11.2015 • 22:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Otto Waalkes steht seit 50 Jahren auf der Bühne. Doch ans Aufhören denkt er noch nicht.

Offenburg. (dpa) Sketche und Ottifanten bestimmen sein Leben. Otto Waalkes (67) feiert sein 50. Bühnenjubiläum. Ihm zu Ehren senden das ZDF, ORF und das Schweizer Fernsehen am Samstag die Fernsehshow „Otto – Geboren um zu blödeln“. Seine Abschiedsvorstellung wird das aber nicht, so der Komiker im Interview.

Sie schauen auf 50 Jahre Bühnentätigkeit zurück. Wie ist das, seit einem halben Jahrhundert im Rampenlicht zu stehen?

Waalkes: Vor allem ist es wahnsinnig hell. Ich mache das ja aber gar nicht wegen des Rampenlichts, sondern wegen all der Leute, die da vor der Bühne sitzen. Und es sind immer mehr geworden mit den Jahren.

Wenn Sie zurückblicken: Gibt es Gags, die Sie bereuen?

Waalkes: Ich bereue überhaupt keine Gags. Es gab welche, für die ich mich öffentlich entschuldigen musste. Aber ich bereue nichts, womit ich Menschen zum Lachen gebracht habe.

Wie entsteht ein guter Gag?

Waalkes: Man muss die Leute bloß in ein scheinbar stabiles Sinngebäude locken und sie dann komplett gegen die Wand laufen lassen. Und das klappt eigentlich immer und überall.

Sie waren früher fast allein, heute gibt es viele Comedians. Wie bewerten Sie diesen Comedy-Boom der vergangenen Jahre?

Waalkes: Das ist perfekt.
Je mehr, desto besser.
Jeder soll lachen. Und ich kann ja nicht alles alleine machen.

Schon mal an Rente gedacht?

Waalkes: Ach, ob ich jetzt zu Hause Gitarre spiele und singe oder auf der Bühne . . .

Sie haben Talent als Zeichner und Maler. Würden Sie sich wünschen, dass dieses stärker beachtet wird?

Waalkes: Das wird schon beachtet – von denen, die es interessiert. Meine Vernissagen sind immer sehr gut besucht. Wer mich auf der Bühne mag, muss aber nicht gleich auch zum Kunstliebhaber werden – bloß, weil ich das auch noch mache.

Und welche Rolle spielen Ottifanten in Ihrem Leben?

Waalkes: Nichts ist mehr frei von Ottifanten. Sie sind überall. Auf meiner Fußmatte, in meinem Geschirrschrank, auf meiner Fensterbank, in meinen Gemälden, auf meinen T-Shirts, sogar in meiner Unterschrift. Ich bin bei ihnen eingezogen.

Wie reagieren Sie, wenn man von Ihnen erwartet, immer lustig zu sein? Nervt das gelegentlich, weil Alltag auch mal mürrisch ist?

Waalkes: Gerade, wenn man mürrisch ist, ist Humor am allerwichtigsten. Mürrisch sein nervt doch viel mehr.

Und wie schaffen Sie es, unerkannt durchs Leben zu gehen?

Waalkes: Ich gehe gern erkannt durchs Leben. Wenn ich irgendwo sitze und esse und ein Kind kommt mit zittrigen Fingern und einer Serviette vom Nebentisch auf mich zu und bittet stotternd um ein Autogramm, dann weiß ich, wofür ich das alles mache. Und wenn es mir dann noch einen Witz von mir erzählt, ist das
umso schöner. Denn dann fängt es selbst an zu lachen und vergisst seine Nervosität.

Wie schaffen Sie es, dass Ihnen immer noch was Neues einfällt?

Waalkes: Es passiert doch täglich Neues. Man muss einfach nur aufmerksam sein und was draus machen. Dieses Interview zum Beispiel. Das wird die Basis für meinen neuen Film.