Dieser Weg wird für Naidoo kein leichter sein

19.11.2015 • 20:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kritiker bezeichnen den Mannheimer mit indischen und afrikanischen Wurzeln als homophob, esoterischen Spinner und religiösen Fanatiker. EPA
Kritiker bezeichnen den Mannheimer mit indischen und afrikanischen Wurzeln als homophob, esoterischen Spinner und religiösen Fanatiker. EPA

Die Entscheidung,
Xavier Naidoo für Deutschland zum ESC zu schicken, spaltet
die Nation.

Berlin. Xavier Naidoo wurde von der ARD auserkoren, beim ESC 2016 für Deutschland ins Rennen zu gehen. Das hat sie für das Publikum schon mitentschieden. Der gewohnte deutsche Vorentscheid verschwindet von der Tagesordnung. Die Zuschauer dürfen bei der Show „Unser Song für Xavier“ am 18. Februar nur noch über das Lied abstimmen, mit dem der 44-jährige Künstler in Stockholm auftritt. Ob der Sender den Shitstorm im Netz unterschätzt oder gar still erhofft hat, darüber kann nur spekuliert werden. Man habe „einen der besten Sänger Deutschlands nominiert“, sagte Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber.

Außer Schauspieler Til Schweiger gibt es kaum jemanden, der das Publikum so tief spaltet wie Xavier Naidoo. Millionen Menschen lieben ihn, Millionen Menschen können ihn nicht ausstehen. Die Vorwürfe, er sei schwulenfeindlich und politisch in schlechter Gesellschaft, sind nicht neu. Aber für einen Botschafter des deutschen Liedes im Ausland dürften die Maßstäbe höher liegen. Viele Schwule lieben den ESC.

„Sicher hat er – wie wir alle – nicht nur in jedem Moment alles richtig gemacht“, stellt sich Schreiber vor den Star, der einst mit den Söhnen Mannheims bekannt wurde und später bei „The Voice of Germany“ und „Sing meinen Song“ im Fernsehen Millionen vor die Bildschirme zog. „Dass Xavier Naidoo polarisiert, wussten wir“, sagte Schreiber. „Die Frage ist, ob alle Hassäußerungen, die es in den sozialen Netzwerken gibt, eine sachliche Grundlage haben. Zu den einzelnen Vorwürfen: Xavier Naidoo steht für Toleranz allen Lebensentwürfen gegenüber, die es in dieser Republik gibt.“ Naidoo weiß, was viele von ihm halten. „Mein Image war eh schon immer etwas verdreht. Man bezeichnete mich als homophob, als esoterischen Spinner und als religiösen Fanatiker.

All das bin ich genauso wenig wie rechtspopulistisch“, sagte er dem „Stern“. Kritiker halten ihm Auftritte bei den rechtspopulistischen sogenannten Reichsbürgern vor, die Deutschland nicht als souverän anerkennen. Dort sagte Naidoo Eigenartiges: „Seit dem (Terroranschlag am 11.) September 2001, das war der Warnschuss. (…) Wer das als Wahrheit hingenommen hat, was da erzählt wurde, der hat den Schleier vor den Augen, ganz einfach.“

Spott im Internet

Ob er in Stockholm nun gewinnt oder nicht: Eine Auszeichnung kann ihm keiner nehmen. Eine Intiative verlieh ihm jüngst bereits den Preis „Der goldene Aluhut“ für eine der irrsten Verschwörungstheorien im Netz. Und der Spott im Internet geht im Minutentakt weiter. Nutzerin Phine etwa schreibt: „Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber Helene Fischer wäre das weitaus kleinere Übel gewesen.“