Kessler-Zwillinge seit 60 Jahren auf der Bühne

Menschen / 19.08.2016 • 21:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Alice und Ellen Kessler sind immer noch aktiv. Zuletzt spielten sie in dem Musical „Ich war noch niemals in New York“ mit. Foto: DPA
Alice und Ellen Kessler sind immer noch aktiv. Zuletzt spielten sie in dem Musical „Ich war noch niemals in New York“ mit. Foto: DPA

Ellen und Alice Kessler feiern heute, Samstag, ihren 80. Geburtstag gemeinsam und in
kleinem Kreis.

München. Ob in deutschen Fernsehshows, in New York, Las Vegas, Sydney, Hongkong, Monte Carlo oder Rom: Alice und Ellen Kessler haben für Furore gesorgt. Die schlanken, langbeinigen Blondinen galten als der fleischgewordene Männertraum. Heute feiern sie ihren 80. Geburtstag. Nicht einmal 20 Jahre alt waren die beiden, als sie in Paris ihre Karriere starteten. Die Balletttänzerinnen hatten schon als Jugendliche ihr erstes Engagement in Düsseldorf. Dort entdeckte sie der Direktor des berühmten Lido. Wenig später standen sie in dem Varieté auf den Champs Élysées auf der Bühne.

Mit Sinatra, Astair, Belafonte

In den 60er-Jahren gingen die Kessler-Zwillinge weltweit auf Tournee, verlegten ihren Wohnsitz nach Rom und traten mit Fred Astaire, Frank Sinatra und Harry Belafonte auf. Sie hatten sogar das Angebot, mit Elvis Presley in dem Film „Viva Las Vegas“ aufzutreten. Doch das sagten sie ab – aus Angst, auch in Amerika auf Musikfilme festgelegt zu werden. Getroffen haben sie Presley dennoch, im Lido in Paris. „Er war sehr verklemmt und gehemmt.“

Als ihren wohl größten Erfolg betrachten sie das Musical „Viola violino viola d‘amore“, mit dem sie in Italien auf Tour waren. „Das hatte uns damals keiner zugetraut. Und dann wurde es ein Riesenerfolg“, erzählt Alice Kessler.

Heute leben die Schwestern, die beide nie geheiratet haben, gemeinsam in einem Haus im Münchner Promivorort Grünwald. Jede hat dort ihren eigenen Bereich, durch eine Schiebetür getrennt. So können sie sich jederzeit sehen – oder eben auch nicht. Zu Hause wollen sie auch ihren 80. Geburtstag verbringen. „Im engen Freundeskreis. Das wird keine Riesenfeier“, sagt Alice.

Die in der Nähe von Leipzig geborenen Entertainerinnen gehören zu den erfolgreichsten deutschen Show-Exporten. Sie tanzten erst in der DDR, nach der Flucht der Familie in den Westen in Düsseldorf. Der Vater hatte sie zu Ballett und Gesang animiert. Eigentlich hätten sie gar nicht auf die Bühne gewollt.

Bis heute sind die Schwestern im Showgeschäft aktiv. Zuletzt traten sie in Berlin, München und Wien im Udo- Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“ auf. Allerdings nicht gemeinsam, sondern sie wechselten sich bei der Rolle ab. Ob das Musical-Engagement fortgesetzt wird, steht noch nicht fest.

Die Schwestern freuen sich, so viel erlebt zu haben – und vor allem, dass sie es gemeinsam erlebt haben. Ohne einander hätten sie es vielleicht gar nicht über so lange Zeit geschafft, auf der Bühne zu stehen, sagt Alice und fügt an: „Im Doppelpack unterwegs zu sein, hat nur Vorteile. Zusammen ist man stärker.“