„Jeder ist so, wie er ist“

Menschen / 07.10.2016 • 20:08 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Erfolgreiches Trio: Peter Brugger, Florian Weber und Rüdiger Linhof.
              Foto: Reuters

Erfolgreiches Trio: Peter Brugger, Florian Weber und Rüdiger Linhof.

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Die Sportfreunde Stiller bestehen seit zwei Jahrzehnten und haben schon einige Höhen und Tiefen erlebt.

München. (dpa) Es gab mal eine Zeit, da waren die Sportfreunde Stiller Newcomer, eine junge, neue Band. Das ist inzwischen 20 Jahre her. Die drei Musiker Peter Brugger, Rüdiger Linhof und Florian Weber feiern mit ihrem neuen Album „Sturm und Stille“, das am Freitag erschienen ist, ihr Jubiläum.

Eigentlich hatten Sie sich doch eine Auszeit vorgenommen, aber jetzt gibt es wieder eine neue Platte. Halten Sie es nicht ohne einander aus?

Weber: Dieses Mal wollten wir eigentlich gar keine richtige Auszeit machen. Wir haben nach dem Unplugged-Album (2009) diese lange Pause gehabt, die uns etwas im Ungewissen ließ. Jeder hatte da seine eigenen Vorstellungen, wie es weitergeht. Da haben sich die Geister geschieden. Da wieder zusammenzufinden, war ein Akt, den wir so bis dahin noch nicht zu bewältigen hatten. Dieses Mal haben wir vorausschauender geplant und haben festgelegt, dass es ein halbes Jahr nach der Tour wieder weitergeht und einen Termin in einer Skihütte fixiert. Da kam dann keiner mehr aus.

Sie machen das Ganze ja nun schon eine Weile und nicht erst seit gestern. Hat sich an der Gruppendynamik irgendwas geändert?

Linhof: An der grundsätz-lichen Dynamik nicht. Aber man akzeptiert inzwischen eher, dass man unterschiedlich ist. Am Anfang tendierte man vielleicht noch dazu, den anderen davon zu
überzeugen, ein anderer Mensch zu werden. Es ist eine große Erleichterung, dass wir inzwischen akzeptieren, dass jeder so ist, wie er ist. Das macht die Dinge entspannter und den Umgang cooler.

Trauen Sie sich heute mehr als in den Anfangszeiten, nehmen Sie sich mehr Freiheiten? Oder ist umgekehrt der Erwartungsdruck heute höher?

Brugger: Erwartungsdruck hatten wir eigentlich nicht, wenn, dann aus uns selbst heraus. Hatten wir jemals das Gefühl, dass wir es jemandem beweisen müssen?

Weber: Ich schon. Diese Vergleiche und den Blick auf andere Bands, was live passiert, das kannte ich schon. Mittlerweile hat es sich relativiert. Auch vonseiten der Plattenfirma gibt es natürlich Erwartungen. Aber seit dem Unplugged-Album finde ich schon, dass wir uns mehr zutrauen, weil wir eine neue Art, zu musizieren, kennen gelernt haben. Wir trauen es uns zu, weil wir Spaß daran haben und nicht, weil wir irgendjemandem noch etwas beweisen müssen.

Macht es immer noch so viel Spaß wie vor 20 Jahren? Oder bringt selbst dieser Job Ab-nutzungserscheinungen mit sich?

Brugger: Es gibt natürlich schon zähe Momente und Phasen, in denen es nicht leicht ist und ich mich frage, wo es hingehen soll. Wir haben ja inzwischen schon viele Lieder geschrieben und viel gesagt. Aber wir sind dann eben dazu verpflichtet, uns zu entwickeln. Dann gibt es aber auch Sachen, die ich heute besser finde als früher. Ich bin zum Beispiel nicht mehr so krass nervös, weil ich einfach auf eine gewisse
Erfahrung zurückblicken kann.

Machen Sie sich Sorgen um
die Atmosphäre in Zeiten, in
denen Großveranstaltungen aus Terrorangst unter einer besonderen Beobachtung stehen?

Brugger: Ich persönlich habe überhaupt keine Angst, dass etwas passieren könnte. Aber ich habe auch keine Angst vor einem Unfall, wenn ich Auto fahre – und da ist die Wahrscheinlichkeit ja deutlich höher. Es ist einfach nicht alles sicher und durch totale Observierung wird die Unsicherheit bloß noch mehr geschürt.

Linhof: Angst ist ein Gefühl, das Platz braucht in der Birne, und wenn man mit coolen Leuten auf einem coolen Festival ist, dann hat die Angst keinen Platz.