„Deutsch zu singen, fand ich uncool“

31.01.2017 • 21:06 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Julian Le Play zählt zu den erfolgreichsten Sängern im deutschsprachigen Raum. FotO. Veranstalter
Julian Le Play zählt zu den erfolgreichsten Sängern im deutschsprachigen Raum. FotO. Veranstalter

Julian Le Play im Interview über seine Karriere und die Bedeutung von Castingshows.

Tanja Schwendinger

Dornbirn. Einst war Julian Le Play Castingshow-Teilnehmer bei „Helden von morgen“. Mittlerweile sind Hits wie „Mein Anker“, „Mr. Spielberg“ oder „Rollercoaster“ nicht mehr aus dem Radioprogramm wegzudenken. Nach zahlreichen Chart-Platzierungen hat der 25-jährige Wiener nun sein drittes Album auf den Markt gebracht. „Zugvögel“ heißt es: Nicht mehr die Akustikgitarre der vorigen Platten bestimmt die Melodie, sondern große, epische Pop-Arrangements und Synthesizer. Die VN haben mit dem sympathischen Sänger, der im März in Dornbirn gastiert, über Castingshows, seine steile Karriere und das neue Album gesprochen.

Rückblickend auf das Jahr 2016: Wie lautet deine persönliche Bilanz?

Le Play: Meine Batterien waren ziemlich leer, aber ich habe sie wieder aufgeladen. Es war ein tolles Jahr. Ich habe sehr viel erlebt. Für mich war 2016 erneut ein Reisejahr. Ich war viel unterwegs, um neue Songs zu schreiben und viele Konzerte zu geben, rundum positiv.

Deine Songs laufen im Radio auf und ab. Wie schafft man es, überhaupt einen Hit zu schreiben?

Le Play: Das verrate ich jetzt nicht, das ist eigentlich ein Geheimrezept (lacht). Nein, prinzipiell schreibt man keinen Hit, man schreibt ein Lied, und wenn man Glück hat, wird es zum Hit. In erster Linie ist es ein Gefühl, das ich aufschreibe, ein bestimmtes Wort oder ein Satz. Die Idee zu „Mein Anker“ ist beispielsweise in Kroatien entstanden. Ich stand am Pier, vor mir lag ein riesiger Anker. Manche würden davon vielleicht ein Foto machen, ich habe mir ein paar Worte, wie zum Beispiel „du bist mein Anker“ notiert. Solche Notizen bleiben dann oft ein paar Tage liegen. Irgendwann setze ich mich hin und schreibe einen Song.

Wie fühlt es sich an, wenn man seine Musik schließlich im Radio hört?

Le Play: Das ist total verrückt, aber ziemlich cool. Es wird auch mit der Zeit keineswegs normaler. Bei einem neuen Song ist die Aufregung aber noch viel größer, wenn man diesen zum ersten Mal im Radio hört.

Inwiefern war deine Teilnahme beim „Kiddy Contest“ und „Helden von morgen“ für deinen heutigen Erfolg maßgebend?

Le Play: Für meine Bekanntheit eher nicht. Aber von meiner musikalischen Entwicklung her war es durchaus wichtig. Die Zeit bei „Helden von morgen“ war aufregend, sie hat mich aber auch monatelang beschäftigt. Man kennt das ja aus anderen TV-Shows. Obwohl es gute Musiker gibt, können die meisten nach einer Castingshow keine erfolgreiche Musikkarriere starten. Man fragt sich schon: Wie wird es mit mir danach weitergehen? Die Teilnahme an dieser Show hat mir aber am Ende viel gebracht, vor allem, um mich als Künstler zu finden. Danach habe ich begonnen, meine eigenen Songs schreiben und zu singen.

Dein drittes Album „Zugvögel“ ist auf deinen Reisen entstanden. Gibt es einen Ort, an den du dich gerne zurückerinnerst?

Le Play: Für mich hatte Lissabon etwas Magisches. In diese Stadt habe ich mich sofort verliebt. Ich denke auch, dass das mein kreativster Ort war, aber vielleicht nur, weil es dort so viel guten Rotwein gibt (lacht).

Inwiefern unterscheidet sich dieses Album von deinen beiden Vorgängerplatten?

Le Play: Ich glaube, es ist weit positiver, mitreißender und mutmachender. Musikalisch damit auch sicherlich größer. „Melodrom“ war eher ein kleines, intimes Rückzugsalbum. In „Zugvögel“ merkt man, dass ich mich gefunden habe. Mir geht es gut, und damit möchte ich andere anstecken.

Früher hast du auch auf Englisch gesungen. Was reizt dich an deutscher Musik?

Le Play: Ich habe mich lange geweigert, es überhaupt auszuprobieren. Deutsch fand ich eher uncool. Kurz nach der Castingshow wollte ich ein Gefühl aufschreiben, weil ich nicht wusste, wie es mit mir weitergeht. Da ist das Lied „Kind sein“ entstanden. Das hat sich so gut angefühlt wie noch nie. Da war für mich klar, dass ich damit weitermachen wollte.

Du bist mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Amadeus Award in der Kategorie „Pop/Rock“. Was möchtest du als Künstler noch erreichen?

Le Play: Naja, man sollte schon irgendwie an seine Erfolge anknüpfen. Der schönste Preis für mich wäre die Auszeichnung für das „Album des Jahres“. Das wird sehr schwierig, aber es wäre wahnsinnig schön und ein besonderes Zuckerl für das vergangene Jahr (lacht).

Mit deinen neuen Songs wirst du auch das Donbirner Publikum beehren. Worauf darf man sich freuen?

Le Play: Das Publikum wird zwei Stunden komplett aus dem Alltag gerissen. Wir bemühen uns, die Leute in unsere „Zugvögel“-Welt zu entführen und sie mit auf eine emotionale Reise zu nehmen. Ich freue mich auch sehr auf die Location. Viele Künstler haben mir dazu geraten, einmal im Conrad Sohm aufzutreten. Joris, beispielsweise, hat sehr davon geschwärmt.

Julian Le Play ist am 7. März, 20 Uhr, zu Gast im Conrad Sohm in Dornbirn. Tickets: oeticket, conradsohm.com