Musiker und Fans trauern um „Mister Rock’n’Roll“

19.03.2017 • 21:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Chuck Berry war noch bis in den August vergangenen Jahres aufgetreten und hatte für dieses Jahr ein neues Album angekündigt. Foto: AFP
Chuck Berry war noch bis in den August vergangenen Jahres aufgetreten und hatte für dieses Jahr ein neues Album angekündigt. Foto: AFP

Musiker Chuck Berry ist im Alter von 90 Jahren gestorben.

Jefferson City. Der oft als „Mr. Rock’n’Roll“ bezeichnete Musiker starb am Samstag (Ortszeit) im Alter von 90 Jahren in seinem Haus in Wentzville in der Nähe von St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Familie, Freunde, Fans und Kollegen betrauern den Tod des Musikers. Rolling-Stone-Musiker Mick Jagger schrieb in einem Tweet: „Ich bin so traurig zu hören, dass Chuck Berry gestorben ist. „Ich möchte mich bei ihm für all die inspirierende Musik bedanken, die er uns gegeben hat.“ Bruce Springsteen bezeichnete Berry als „besten Fachmann, Gitarristen und puren Rock’n’Roll-Schreiber, der je gelebt hat“. Musiker John Mayer würdigte Berry als „Legende“. Und Autor Stephen King schrieb, die Nachricht habe sein Herz gebrochen: „Aber 90 Jahre alt ist nicht schlecht für Rock’n’Roll.“

Charles Edward Anderson Berry, genannt „Chuck“, wuchs im Kreis einer großen Familie auf und entwickelte bald ein Gespür für Dichtkunst und Blues. Er nahm jeden Gig mit, den er kriegen konnte und machte sich in der Clubszene von St. Louis einen Namen. Sein Idol Muddy Waters animierte Berry schließlich dazu, auf das „Chess“-Musiklabel zuzugehen. Dort stellte sich der Erfolg schnell ein, als Berry 1956 den Hit „Roll Over Beethoven“ landete. „School Day“ und „Rock and Roll Music“ (beide 1957) sowie „Sweet Little Sixteen“ und sein wohl bekanntester Hit „Johnny B. Goode“ (beide 1958) folgten. Bands wie die Beatles, Rolling Stones und Beach Boys wurden von ihm maßgeblich beeinflusst.

Neben groovigen Gitarrenläufen machte Berry vor allem den „Duckwalk“ zu seinem Markenzeichen, den Entenwatschelgang, der einer Anekdote zufolge eher aus der Not heraus entstand: Die Band hatte sich vor einem Konzert nicht mehr umziehen können, und so watschelte der stets stilbewusste Berry in zerknitterter Kleidung auf die Bühne, um von den peinlichen Falten abzulenken.

Private Tiefpunkte

So hoch der talentierte Showman Berry im Musikbusiness aufstieg, hatte er privat einige Tiefpunkte. Als Teenager hatte er wegen verschiedener Vergehen mehrere Jahre in Jugendhaft verbracht, 1961 wurde er erneut verhaftet und für anderthalb Jahre hinter Gitter gesteckt, weil er ein 14 Jahre altes Mädchen über die Grenze zweier Bundesstaaten gebracht hatte. Der Fund von Drogen in seinem Haus sowie Steuerhinterziehung brachten ihm erneut Ärger mit der Justiz ein.

Den Rückblick auf seine herausragende musikalische Laufbahn dürften diese Episoden nur bedingt trüben. Der Grammy für sein Lebenswerk im Jahr 1985, die Aufnahme in die Rock’n’Roll „Hall of Fame“ im selben Jahr und viele weitere Auszeichnungen stellten unmissverständlich fest, dass Berry einer der Großen war.