„Ich musste wieder neue Ziele im Leben finden“

11.04.2017 • 20:38 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Skisprung-Olympiasieger Thomas Morgenstern bei „kick mit“ in Salzburg. Foto: Marc Stickler
Skisprung-Olympiasieger Thomas Morgenstern bei „kick mit“ in Salzburg. Foto: Marc Stickler

Ex-Skisprungstar Thomas Morgenstern ist Botschafter des Fußballprojekts „kick mit“.

Tanja Schwendinger

Schwarzach. Das soziale Sportprojekt „kick mit“ bringt Mädchen aus einem schwierigen sozialen Umfeld zusammen und eröffnet ihnen die Chance, über den Ballsport positive Erfahrungen zu sammeln und ein dauerhaftes Interesse am Sport und einem gesunden Lebensstil zu entwickeln. „kick mit“, das durch Laureus Sport for Good gefördert wird, startete nun offiziell in Salzburg. Den Startschuss gab Laureus-Botschafter und Skisprungstar Thomas Morgenstern (30). Ab September 2017 wird „kick mit“ auch in Lustenau veranstaltet.

Es gibt viele Stiftungen, die Kindern helfen. Warum engagierst du dich für die Laureus Sport for Good Foundation?

Morgenstern: Die Foundation kenne ich schon aus meiner früheren Zeit als aktiver Sportler. Franz Klammer hat mich damals gefragt, ob ich Interesse hätte, mich zu engagieren. Ich habe nicht gezögert, weil es mir sehr am Herzen liegt, mit Kindern zu arbeiten. Gerade in der Kindheit sollte man den Zugang zum Sport attraktiv machen und den Teamgedanken stärken.

Wie kann Sport den Kindern helfen, Probleme zu lösen?

Morgenstern: Sport kann vieles bewegen. Ich habe selbst eine vierjährige Tochter. Auch privat lege ich Wert darauf, dass wir viel Zeit im Freien verbringen. Gerade in der heutigen Zeit ist dies nicht mehr selbstverständlich. Hier sind vor allem auch die Eltern gefordert, den Kindern Möglichkeiten zu schaffen. Bei „kick mit“ kommen Kinder aus verschiedenen Kulturen zusammen. Beim Sport geht es nicht darum, woher du kommst oder wie du aussiehst. Da geht’s um ein Miteinander, um Respekt und Fairplay.

Wie wichtig ist es, dass Prominente sich für soziale Projekte engagieren?

MOrgenstern: Sehr wichtig, weil man eine gewisse Vorbildfunktion hat. In meiner Kindheit hatte ich auch Vorbilder, denen ich nachgestrebt habe, das habe ich bis heute noch.

Mit „kick mit“ sollen auch weiterführende Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen werden. Was ist dein persönliches Ziel?

Morgenstern: Es werden Ausbildungsmöglichkeiten für Mädchen geschaffen. Das geschieht in enger Zusammenarbeit mit dem ÖFB. Wir wollen Mädchen langfristig an den Sport binden und sie für Bewegung begeistern.

Welche Beziehung hast du zum Fußball?

Morgenstern: Damit bin ich aufgewachsen. Bis zu meinem 14. Lebensjahr habe ich in einem Verein gespielt. Irgendwann musste ich mich zwischen Skispringen und Fußball entscheiden. Aber Fußball ist auch heute noch ein großes Thema für mich.

Dem Fliegen bist du nach wie vor treu geblieben – aber als Pilot. Wie siehst du deine Zukunft?

Morgenstern: Momentan mache ich den Berufspilotenschein. Meine Zukunft wird sich weiterhin in der Luft abspielen – aber motorbetrieben (lacht). Dem Wettkampfcharakter möchte ich treu bleiben, das brauche ich irgendwie. Ich will mich mit anderen messen. Aber auch soziale Projekte stehen bei mir immer ganz oben.

Was hat sich für dich seit deinem Rücktritt vor zwei Jahren verändert?

Morgenstern: Mein Leben hat sich grundlegend verändert. Von heute auf morgen war Schluss mit dem Profisport. Ich habe meine Zeit gebraucht, um wieder neue Ziele zu finden. Sicherlich ist auch manchmal ein weinendes Auge dabei, schließlich war es nicht von vornherein klar, dass ich mit 27 Jahren mit dem Skispringen aufhöre, aber aufgrund der Stürze konnte ich nicht anders. Es gibt aber sicher noch viele andere Dinge, die mich wieder an meine Grenzen bringen werden.

Beim Sport geht es um Miteinander und Respekt.

Thomas Morgenstern

Zur Person

Thomas Morgenstern

Geboren: 1986 in Spittal an der Drau

Wohnort: Seeboden

Laufbahn: dreifacher Skisprung-Olympiasieger. achtfacher Weltmeister, Sieger Vierschanzentournee, seit Jänner Laureus-Botschafter

Familie: vierjährige Tochter

Der Start von ,,kick mit“ in Lustenau ist für September 2017 geplant. www.laureus.at