„War ein einsames Kind“

13.04.2017 • 20:35 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Dany Boon spricht im Interview über seine Kindheit und seinen Weg zum Erfolg.

Berlin. (lh) Er hat „Nichts zu verschenken“. Im konkreten Fall handelt es sich um einen gewissen François Gautier. Ein Pfennigfuchser sondergleichen. Geld zu sparen bedeutet für ihn Glückseligkeit. Geld auszugeben hingegen verursacht Panikattacken. Wieder eine Paraderolle für Frankreichs Starkomödianten Dany Boon.

In Ihren Filmen – Ihren Durchbruch feierten Sie mit „Willkommen bei den Sch’tis“ – sind Sie meistens ein Underdog.Fühlen Sie sich trotz aller Erfolge noch immer so?

Boon: Wenn man einmal arm war, wird man nicht reich. Man ist dann ein ehemals Armer. Das bedeutet für mich weniger eine Underdog-Identität denn Wahrung der Normalität. Ich fahre noch immer Bus oder Metro und versuche, normal zu bleiben, wenn mich Leute auf der Straße ansprechen.

Sie kommen aus der Region der „Sch’tis“, also aus dem französischen Norden. Heute sind Sie ein Star. Aber leicht hatten Sie es von Anfang an nie. Das begann eigentlich schon mit Ihrer Geburt?

Boon: Mein Vater ist algerischer Abstammung, er war Boxer und Lkw-Fahrer. Ein großherziger, lieber Mensch. Meine Mutter ist Nordfranzösin, war Putzfrau und arbeitete in der Tankstelle ihrer Eltern. Als sie mit mir schwanger wurde, stellte ihr ihr Vater ein Ultimatum, denn er hat den Gedanken, dass seine Tochter das Kind eines Algeriers zur Welt bringt, nicht ertragen. Er meinte, sie solle ins Kloster gehen – oder er würde alle Kontakte zu ihr abbrechen. Sie entschied sich für meinen Vater und mich. Der Bann hielt.

Wie war es für Sie in der Schule?

Boon: Meine Mutter bezeichnete mich als „einsames Kind“. Denn ich wurde von den Mitschülern immer verhöhnt und verspottet, weil ich so große Ohren hatte. Sie machten böse Späße mit mir, das war sehr schmerzlich. Ich litt unter Depressionen.

Später wagten Sie den Schritt nach Paris, gaben Vorstellungen auf der Straße oder traten in Kleintheatern auf. Paris: für den jungen Burschen aus der Provinz gewiss auch nicht einfach. Die Pariser. . .

Boon: Ich weiß schon, was Sie sagen wollen. Sie sind nicht unbedingt das freundlichste Völkchen, gelten als kalt, distanziert und prätentiös, als unfreundlich. Aber: Sie mögen vielleicht schwer zu finden sein, doch es gibt auch gutherzige Pariser. Ich habe welche gefunden.

Wann und wie sind Sie draufgekommen, dass Sie Menschen unterhalten können?

Boon: Eh schon relativ früh. Mein besonderes Talent war, dass ich für Sätze oder ganze Szenen immer einen guten Rhythmus fand. Ich konnte die Leute zum Lachen bringen und vor allem die Kinder. Wenn du es mit den Kindern schaffst, schaffst du es mit allen Menschen.

Wie war Ihnen, als Sie das erste Mal für das Pariser „Olympia“ verpflichtet wurden?

Boon: Ich hatte Angst, sie würden mich steinigen. Aber sie jubelten. Und besonders stolz bin ich auf meine „Olympia“-Abende im Vorjahr, denn sie wurden als „beste One-Man-Show des Jahres“ ausgezeichnet.

Im Dezember 2003 heirateten Sie das damals 22-jährige Model Yael Harris. Angeblich hat man bei Frauen besonders gute Chancen, wenn man sie zum Lachen bringt. Ist Ihnen das auch bei ihr gelungen?

Boon: Ich besuchte damals einen Nachtclub, in dem gerade ein Jazzkonzert angesagt war. Da sah ich an der Bar eine wunderschöne Frau. Ich war gebannt von ihrer Schönheit und starrte sie nur an.

Und?

Boon: Kurz und gut. Nach einer Woche lebten wir zusammen. Sie ging gar nicht mehr in ihre Heimatstadt Genf zurück.

Bei Ihnen lohnt es sich, die Gretchen-Frage zu stellen: Wie halten Sie es mit der Religion?

Boon: Ich weiß schon, warum Sie das fragen. Ich wurde katholisch erzogen, war Ministrant und bin immer in die Heilige Messe gegangen. Dann konvertierte ich der Liebe wegen zum Judentum.