„Das ist eine Narbe, die nie mehr heilen wird“

27.04.2017 • 20:07 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Tilburg im Ausnahmezustand: Die Stadt bescherte dem König und seiner Familie eine fröhliche Party. Foto: AP
Tilburg im Ausnahmezustand: Die Stadt bescherte dem König und seiner Familie eine fröhliche Party. Foto: AP

König Willem-Alexander spricht in einem Interview über seine Jugend und den Tod
seines Bruders Friso.

Amsterdam. „Lang soll er leben, lang soll er leben“ – Tausende Niederländer haben ihrem König in Tilburg ein Ständchen zum Geburtstag geschmettert. König Willem-Alexander feierte seinen Ehrentag am Donnerstag mit dem Volk in der südniederländischen Stadt. „Was für ein wunderbarer Geburtstag“, bedankte er sich anschließend.

Dieser „Koningsdag“ war ein ganz besonderer „Koningsdag“: Willem-Alexander wurde 50 Jahre alt und hatte bereits am Abend zuvor das Volk mit einem ganz besonderen TV-Interview überrascht. Es war das bislang persönlichste Gespräch mit dem Monarchen. Offen sprach er über sein Leben, seine Familie, glückliche Momente und tiefe Trauer. In dem über 70 Minuten dauernden Gespräch, das zwei niederländische TV-Sender am Mittwochabend ausstrahlten, wollte sich der König den Zuschauern als Person zeigen, wie er in dem in seinem Landsitz bei Den Haag aufgenommenen Gespräch sagte. Die Zuschauer sollten sehen: „Wer ist der Mann, der 50 ist und sich wie 30 fühlt.“

Willem-Alexander, der seit vier Jahren das Staatsoberhaupt der Niederländer ist, beschrieb sich als emotional, schlagfertig und fordernd. Seine Pubertät war eine schwierige Zeit, räumte er ein.

„Habe viele Fehler gemacht“

Er habe in seinem Leben „viele Fehler gemacht und Grenzen überschritten“, sagte er. Als Beispiel nannte er ein „wildes Leben“ als junger Mann. Doch auf diese Weise habe er sich selbst sehr gut kennengelernt.

Ein großer Schmerz war für den König der Tod seines Bruders Friso vor vier Jahren. Der Prinz war nach einem Lawinenunglück in Lech nicht mehr aus dem Koma erwacht. „Das ist eine Narbe, die nie heilen wird“, sagte er mit Tränen in den Augen. In dieser Zeit erlebte der König, wie seine Mutter Beatrix sich veränderte. „Ich sah, was mit einer Mutter geschieht, wenn sie ein Kind verliert.“ Sehr ergreifend sprach Willem-Alexander auch über seinen Vater. Bis zu seinem Tod 2002 habe Prinz Claus sich als Deutscher gefühlt und mit der deutschen Schuld am Holocaust gerungen. „Der Zweite Weltkrieg beschäftigte ihn immer.“ Claus, der auch an Depressionen litt, habe sich „mitverantwortlich“ für den Holocaust gefühlt.

Mit viel Humor und Wärme sprach Willem-Alexander auch über sein Familienleben mit den drei Töchtern Amalia, Alexia und Ariane sowie mit seiner Frau Máxima. „Ihr habe ich schließlich alles zu verdanken.“