„Ich brauche weder mehr Geld noch mehr Ruhm“

Menschen / 07.06.2017 • 22:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Ich brauche weder mehr Geld noch mehr Ruhm“

Schauspieler Richard Gere spricht über seinen neuen Film und Donald Trump.

Berlin. (lh) Der Kongressabgeordnete Stan Lohman, der von Richard Gere verkörpert wird, hat ein Dinner mit seinem Bruder Paul anberaumt. Die beiden Ehefrauen sind auch dabei. Paul hasst Stan abgrundtief. Aber man muss reden, denn die Teenager-Söhne der beiden haben ein abscheuliches Verbrechen begangen, eine Obdachlose angezündet und verbrennen lassen. Die Mütter wollen es vertuschen.

Sie scheinen zunächst der tüchtige Kongressabgeordnete Stan Lohman zu sein, konservativer Moralist, ein Mann der alten Politschule. Stan will Gouverneur werden, hängt daher dauernd am Handy. Das Dinner im Nobelrestaurant wird dadurch nicht gemütlicher. Und am Ende kommt auch noch ganz Schreckliches zur Sprache. Was hat Sie an dieser Rolle so gereizt?

Gere: Dass sich die Geschichte vom Klischee des unehrlichen, untreuen Politikers in das Bild eines integren, mitfühlenden Mannes wandelt. Mit dieser Wandlung allein ist es aber noch lange nicht getan.

Weit weg von diversen „glamourösen“ Rollen, die Sie so oft gespielt haben?

Gere: Ich brauche weder mehr Geld noch mehr Ruhm, also kann ich es mir leisten, nur Sachen anzunehmen, die mich interessieren. Ich drehe nur einen Film pro Jahr, und da wähle ich mir die Rollen sorgfältig aus.

Berlinale-Intendant Dieter Kosslick wollte einen Namen bei der Berlinale 2017 tunlichst vermeiden: Donald Trump. Sie, der als politisch hochinteressierter Mensch gelten, haben sich nicht daran gehalten. Warum?

Gere: Weil Trump es zum Beispiel geschafft hat, Angst zu schüren, und sie hat sich in der Gesellschaft ausgebreitet. Seit seinem Machtantritt bedeuten die Worte „Flüchtling“ und „Terrorist“ in den USA dasselbe. Es gibt kein Mitgefühl mehr für das Schicksal geflüchteter Menschen. Die Hassverbrechen haben in Amerika drastisch zugenommen.

Würden Sie eine Einladung zum Dinner mit Ihrem Präsidenten annehmen?

Gere: Nein. Das sage ich ganz leicht, weil er mich nie einladen würde.

Sie wurden in den USA zwei Mal zum „sexiest man alive“ gewählt?

Gere: Schon lange her. Dann kam ein gewisser George Clooney . . .

Jener saß genau 363 Tage vor Ihnen auf dem beigefarbenen Sofa der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. Mit ihr haben Sie, ein persönlicher Freund des Dalai Lama und Vorsitzender der International Campaign for Tibet, über die Lage der Tibeter gesprochen?

Gere: Weil sie zu den mutigen Politikerinnen gehört und ganz klares Interesse am Schicksal des tibetischen Volkes zeigt. Und noch was: Ich komme aus einem Land, das heute sehr chaotisch ist, und da kann man nur, um sich inspirieren zu lassen, mit Hochachtung auf Deutschland schauen.

Sie sind das Musterbeispiel eines engagierten Schauspielers. Wie könnte die Welt Ihrer Meinung nach besser werden?

Gere: Indem wir zusammenhalten. Denn wir leben alle in derselben Welt. Hier kann niemand aussteigen.