„Habe mich verändert“

Menschen / 14.06.2017 • 21:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Habe mich verändert“

Sängerin Lorde veröffentlicht am Freitag
ihr neues Album „Melodrama“.

Berlin. Die neuseeländische Sängerin Lorde („Royals“) ist bekannt geworden mit tiefgehenden Songtexten und ihrer außergewöhnlichen Stimme. Zwei Grammys hat sie gewonnen und fünf Millionen Follower auf Instagram. Morgen erscheint ihr neues Album „Melodrama“. Im Interview mit der dpa spricht die 20-Jährige übers Erwachsenwerden und Vorbildfunktion.

Sie packen sehr viele Gefühle in Ihre Songs – man könnte sich vorstellen, dass das auch etwas Druck mit sich bringt, der ganzen Welt die eigenen Gefühle mitzuteilen, oder?

Lorde: Ich erzähle ganz gerne die Wahrheit über mich. Es ist für mich selbstreinigend und wichtig. So zeichne ich eine kleine Landkarte zu mir selbst, die mit jeder Liedzeile vollständiger wird. Meine Songs können von niemand anderem gesungen werden, so persönlich sind sie – das finde ich toll. Andererseits ist es ein komisches Gefühl, so frank und frei über das eigene Leben zu sprechen.

Ist es so, dass Sie jetzt mit 20 auch Ihre Teenagerzeit hinter sich lassen und einen Schritt weitergehen?

Lorde: Absolut. Es ist komisch, aber du bist einfach sehr lang Teenager – mit 18 oder 19 hat man sehr viel Teenager-Erfahrung. Ich habe das Gefühl, dass ich meine Doktorarbeit darüber geschrieben habe, was es bedeutet, ein Teenager zu sein. Für diese Altersgruppe habe ich mich sehr eingesetzt, am Ende habe ich gefühlt, dass ich mich verändere. Ich habe früher einen Schrein errichtet für das Teenager-Sein und habe mich gefragt, ob ich dieser Zeit nun nachtrauere, weil ich sie hinter mir lasse.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie sehr selbstkritisch sind. Ist das immer noch so?

Lorde: Ja, das ist immer noch so. Ich bin äußerst kritisch mir selbst gegenüber und auch gegenüber meiner Arbeit, weil ich die einzige Person bin, die wirklich weiß, wozu ich fähig bin, deshalb sporne ich mich selbst immer wieder an. Klar könnte ich mich auch mit Liedzeilen zufriedengeben, die „gut“ sind, aber ich will, dass sie „bewusstseinsverändernd supertoll“ sind.

Hat es deshalb so lange gedauert, das Album fertigzustellen?

Lorde: Ja, das Album hat viel Zeit benötigt. Ich habe vorher nie etwas gemacht, wo ich so hart für jede einzelne Entscheidung arbeiten und kämpfen musste. Zeitweise konnte ich mir gar nicht vorstellen, das Album irgendwann einmal fertig zu bekommen. Da habe ich mir gesagt: „Wenn das fertig ist, wird es sich toll anfühlen, weil ich es mir wirklich verdient habe.“

Sie sind ein Vorbild für viele jüngere Menschen.

Lordei: Ich denke, dass ich immer noch ein widerwilliges Vorbild bin – ich weiß nicht, ob das wirklich die Rolle für mich ist. Das Coole ist, dass viele jüngere Menschen so viel Großartiges machen, nicht nur in der Kunst, sondern überall.