„Ich mag Melancholie“

Menschen / 22.06.2017 • 22:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Ich mag Melancholie“

Sönke Wortmann über seinen neuen Film und die Parallelen zu seiner Person.

Berlin (lh) Sönke Wortmann feiert in den Kinos ein „Sommerfest“ (nach dem Bestseller von Frank Goosen). Schauplatz ist die engere Heimat des Regisseurs und Drehbuchautors, der Ruhrpott. Gewidmet hat er den Film „allen Jugendlieben“.

Sie stammen aus Marl, die Story spielt in Bochum. Könnte man auch von einem „Heimatfilm“ sprechen?

Wortmann: Wenn man es ein bisschen ironisch betrachtet – ja. Normalerweise spielen Heimatfilme in den Bergen, doch ich finde, man kann sie auch anderswo ansiedeln. Also auch im Flachland. Man könnte „Sommerfest“ ebenso als „traurige Komödie“ bezeichnen.

Warum „traurig“?

Wortmann: Mein Held, verkörpert von Lucas Gregorowicz, ist auch im Film Schauspieler. Er kehrt nach Bochum zurück, weil sein Vater gestorben ist. Und so was ist ja wirklich ein trauriger Anlass. In der Buch-Vorlage stirbt übrigens der Onkel. Ich dachte mir jedoch, der Tod des Vaters ist viel emotionaler.

Könnte man „Sommerfest“ auch als Hommage an das Ruhrgebiet sehen?

Wortmann: Hommage, Heimatfilm – ich glaube, man würde keinen Heimatfilm drehen, wenn man die Heimat nicht gut findet. Doch im Grund könnte die Geschichte überall spielen.

Ihr Vater arbeitete im Bergwerk. Woran erinnern Sie sich noch besonders?

Wortmann: Dass er immer Nachtschicht machte, dann auf der Couch schlief und nicht geweckt werden wollte. Das konnte ich als Kind nicht verstehen, heute schon. Er ist mittlerweile in Rente. Ich bin aber selbst einmal in die Grube gefahren, um zu sehen, wie hart die Menschen dort 1500 Meter unter der Oberfläche arbeiten.

Die dortigen Einwohner zeigen Sie in „Sommerfest“ als sehr warmherzige Menschen?

Wortmann: Die Geschichte spielt im Arbeitermilieu, und dort sind die Menschen meist herzlicher als anderswo.

Wie viel Sönke Wortmann können wir in der Hauptfigur des Stefan erkennen?

Wortmann: Eine ganze Menge. Die Art etwa, wie sich Stefan durchs Leben bewegt. Er reagiert eher, als dass er agiert. Er ist ziemlich schweigsam, lässt sich ein bisschen treiben, und wenn er, der Schauspieler in München, in die Provinz zurückkehrt, gilt er aufgrund seines Berufes dort als „Exot“. Und er ist sehr gutmütig.

Als Sie den fertigen Film zum ersten Mal sahen, sind Sie sentimental geworden?

Wortmann: Nein, aber ich habe mir sehr sentimentale Musik einfallen lassen. Und generell mag ich Melancholie sehr gerne.

Lucas Gregorowicz war ein
paar Jahre am Wiener Burgtheater, hat auch zahlreiche
TV-Auftritte hinter sich,
trotzdem ist er nicht das, was man als „sehr bekanntes Gesicht“ bezeichnen könnte. Warum wurde er Ihr Hauptdarsteller?

Wortmann: Gerade deswegen. Ich arbeite gerne mit Leuten, die man „wenig kennt“. Das trifft auch auf seine Partnerin Anna Bederke zu. Eine junge Frau, die meiner Ansicht nach in Frankreich große Karriere machen könnte. Hoffentlich auch bei uns.

Womit wir bei der Essenz
des Films wären. Aus der
Jugendliebe dieses Paares
keimt am Ende eine neue,
schöne Lovestory. Hatten Sie einst in Marl auch eine Jugendliebe?

Wortmann: Ja, aber die hat nicht so happy geendet. Das war vielleicht ganz gut. Sie hieß Ute, doch wenn ich sie gleich geheiratet hätte, hätte ich vieles, was später kam, verpasst . . .