Künstler, Weinliebhaber und Poet

Menschen / 14.02.2018 • 22:25 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Bis zu seinem Tod war Henrik der innigste Vertraute von Königin Margrethe.Reuters
Bis zu seinem Tod war Henrik der innigste Vertraute von Königin Margrethe.Reuters

Prinz Henrik von Dänemark ist im Alter von 83 Jahren verstorben.

Kopenhagen Prinz Henrik, der Mann der dänischen Königin Margrethe II., ist tot. Er starb in der Nacht auf Mittwoch um 23.18 Uhr im Alter von 83 Jahren auf Schloss Fredensborg nördlich von Kopenhagen, teilte das Königshaus mit. Seine Frau und seine beiden Söhne seien an seiner Seite gewesen.

Der gebürtige Franzose war seit 1967 mit Margrethe verheiratet, fünf Jahre bevor diese zur Königin gekrönt wurde, und galt als ihre große Stütze. Immer wieder sah man die beiden ausgelassen zusammen. Im vergangenen Jahr feierten sie ihre goldene Hochzeit. Danach ging es Henrik gesundheitlich immer schlechter. Im September gab das Königshaus bekannt, er leide an Demenz. Der Prinz zog sich daraufhin weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück.

Henrik wollte zu Hause sterben

Um dem ungemütlichen dänischen Winter zu entgehen, verbrachte Henrik viel Zeit in Ägypten, wo er sich im Jänner eine Lungenentzündung zuzog. Die Ärzte entdeckten zudem einen gutartigen Tumor in seinem linken Lungenflügel. Als sich sein Zustand Anfang Februar dramatisch verschlechterte, brach Kronprinz Frederik (49) seinen Besuch bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea ab und eilte heim. Wenige Tage später wurde Prinz Henrik aus dem Krankenhaus nach Hause verlegt. Er hatte entschieden, seine letzten Lebenstage auf Schloss Fredensborg verbringen zu wollen.

Der dänische Ministerpräsident Lars Lökke Rasmussen würdigte ihn als einzigartigen Repräsentanten Dänemarks. Henrik habe geholfen, die Augen der Dänen für die Welt zu öffnen. „Er meisterte auf die beste Art dänischen Humor und Selbstironie.“ Er habe im Leben nicht nur Zuschauer sein, sondern es erleben wollen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron habe die Nachricht mit Trauer aufgenommen, teilte der Élyséepalast mit. Dem gebürtigen Franzosen Prinz Henrik habe es stets am Herzen gelegen, die Freundschaft zwischen Frankreich und Dänemark zu fördern. Er sei darauf bedacht gewesen, dass die französische Sprache am dänischen Königshof benutzt und in Dänemark unterrichtet werde.

Schwieriger Start

Die Dänen und Prinz Henrik, das war keine Liebe auf den ersten Blick. Der Gemahl von Königin Margrethe II. war eben kein kühler Skandinavier, sondern ein französischer Lebemann. Mit Genuss ließen sich die Medien im Norden deshalb jahrzehntelang über den Prinzen aus dem Süden aus. „Er wurde wirklich gemobbt wie kein anderer“, gab die frühere Hof-Reporter Bodil Cath einmal zu.

Prinz Henrik jedoch ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Und das imponierte den Dänen schließlich doch – so sehr, dass sie ihn zuletzt richtig ins Herz schlossen.

Graf Henri Marie Jean André de Laborde de Monpezat trat 1967 in das Leben der Dänen. Die Hochzeit mit der damaligen Kronprinzessin Margrethe machte ihn zu Prinz Henrik. „Der Start war ziemlich schwierig“, gab er einmal in einem Interview zu. „Denn es ging ja nicht nur um den Wechsel von einem Land ins andere. Sondern auch um den Wechsel der Religion, des Namens, der Sprache, der Art zu denken, des Klimas. Das alles änderte sich, und zwar für immer.“ Plötzlich hieß Henri Henrik – zumindest öffentlich. Ob auch Königin Margrethe ihn so nannte, ist nicht bekannt. In London lernten sich die beiden kennen, wo Henri als Diplomat für die Botschaft gearbeitet hat. Zuvor studierte er Jura und Staatslehre in Paris und lernte sowohl Chinesisch als auch Vietnamesisch. Nach Vietnam, wo er die ersten fünf Jahre seines Lebens verbrachte, zog es ihn immer wieder zurück.

Henrik war Künstler, Weinliebhaber und Dichter. Zusammen mit seiner ebenfalls sprachgewandten Frau übersetzte er „Alle Menschen sind sterblich“ von Simone de Beauvoir ins Dänische. Später veröffentlichte er mehrere Bände mit Gedichten auf Französisch, illustriert mit Aquarellen von Königin Margrethe.

Mit Savoir-vivre allein war Henrik jedoch nicht zufrieden. Mehrmals beklagte er sich bitterlich, dass ihm der Königstitel versagt blieb. 2016 ging er in den Ruhestand und legte dabei auch den Titel „Prinzgemahl“ ab. Ein Jahr später geriet er in die Schlagzeilen, weil er sagte, er wolle ohne den Titel „Königsgemahl“ nicht neben der Königin bestattet werden. Später wurde klar: Zu diesem Zeitpunkt litt Henrik bereits unter Demenz.

Prinz Henrik wird kommenden Dienstag im engen Familienkreis in Kopenhagen beigesetzt. Er habe sich gewünscht, nach seinem Tod verbrannt zu werden, sagte eine Sprecherin des Königshauses. Die Asche werde aufgeteilt: Eine Hälfte solle auf dem Meer verstreut werden, die andere Hälfte in einer Urne im privaten Garten von Schloss Fredensborg stehen.