Mit durchgeknallten Nebenrollen zum Star

Menschen / 30.03.2018 • 22:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Christopher Walken ist seit fast 50 Jahren verheiratet und lebt auf dem Land. Reuters
Christopher Walken ist seit fast 50 Jahren verheiratet und lebt auf dem Land. Reuters

Auch mit 75 Jahren denkt Christopher Walken nicht an Ruhestand.

Los Angeles Fast 40 Jahre ist es her, dass Christopher Walken als frisch gekürter Oscar-Gewinner auf der Bühne laut bejubelt wurde. Der aufrüttelnde Vietnam-Film „Die durch die Hölle gehen“ räumte bei der Oscar-Verleihung 1979 fünf Trophäen ab, eine davon für Walken in der Nebenrolle eines seelisch ruinierten Soldaten. Besonders eine Szene mit Walken und Robert De Niro beim „Russischen Roulette“ ging unter die Haut. Der Schauspieler, der heute seinen 75. Geburtstag feiert, wird in Hollywood seit Jahrzehnten verehrt.

Über 100 Filme

Als Nebendarsteller ist Walken unermüdlich. Über hundert Filme hat er abgedreht, in etwa gleich vielen Theaterstücken stand er auf der Bühne. Die Liebe zur Schauspielerei hatte der Sohn eines Ende der 1920er-Jahre aus Deutschland eingewanderten Bäckers in New York früh entdeckt. Paul Wälken (später Walken) kam aus dem westfälischen Horst. Die aus Schottland stammende Mutter schickte ihre drei Jungen, Ronald (wie Christopher damals noch hieß), Ken und Glenn, früh in die Tanzschule und suchte ihnen Kinder-Jobs beim Fernsehen und Theater.

Es sei damals für Jungs in New York typisch gewesen, Stepptanz-Klassen zu besuchen, sagte Walken im vorigen Oktober beim Antalya Film Festival in der Türkei, wo er für sein Lebenswerk geehrt wurde. Für ein Einwandererkind in einem armen Arbeiterviertel sei das Showgeschäft seine einzige Chance gewesen. „Ich hatte keine guten Schulnoten, um aufs College zu gehen. Es gab nichts anderes zu tun“, sagte Walker laut „Variety“ über seine Anfänge. Vom Tanzen kam er über die Theaterbühne zum Kino. Sein Filmdebüt gab er 1971 mit einer kleinen Rolle an der Seite von Sean Connery in Sidney Lumets Thriller „Der Anderson-Clan“. Aufmerksamkeit fand dann seine Darstellung des selbstmordgefährdeten Bruders von Diane Keaton in Woody Allens „Stadtneurotiker“, bis der Oscar für „The Deer Hunter“ den Welterfolg brachte.

Es war „einfach total Glück“, dass er als Soldat in dem Kriegsfilm gecastet wurde, sagte Walken beim Antalya Film Festival. Gleichzeitig grenzte er sich von Kollegen ab. Er würde nicht wie andere Schauspieler spielen, sondern einfach nur vortäuschen, eine andere Person zu sein. Das gelingt ihm perfekt, vor allem in seinen typischen Rollen: Bösewichte, durchgeknallte Typen und gestrauchelte Charaktere. Er war der Fiesling in „James Bond 007 – Im Angesicht des Todes“, ein Drogen-Mafioso in „King of New York“, ein korrupter Millionär in „Batman Returns“, ein Vietnam-Veteran in „Pulp Fiction“ (1994).  Aber Walken kann auch anders. In der Komödie „America‘s Sweethearts“ spielte er an der Seite von Julia Roberts einen exzentrischen Hollywoodregisseur, in „Die Hochzeits-Crasher“ einen gestressten Brautvater, in dem Filmmusical „Hairspray“ glänzte er als Ehemann von John Travolta in Frauenkleidern.

Vom Hollywood-Trubel hält sich Walken gewöhnlich fern. Der seit fast 50 Jahren mit einer Casting-Direktorin verheiratete kinderlose Star lebt auf dem Land im US-Staat Connecticut, nordöstlich von New York.