„Für mich ist Theater das Essenzielle“

Menschen / 14.05.2018 • 20:12 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Vielbeschäftigt: Der 52-jährige Schauspieler Samuel Finzi. AFP
Vielbeschäftigt: Der 52-jährige Schauspieler Samuel Finzi. AFP

Samuel Finzi über aktuelle Projekte und seine Liebe zum Theater.

Berlin Mit 23 kam er aus Bulgarien nach Deutschland. Aber die dort geplante Karriere als Schauspieler zog sich. Um zu überleben, arbeitete er am Bau, als Kurier, Pfleger, Treppenreiniger und Porsche-Wäscher. Heute ist Samuel Finzi, mittlerweile 52, eines der interessantesten Gesichter im deutschen Sprachraum.

 

In Wien proben Sie derzeit mit Mavie Hörbiger „Kommt ein Pferd in die Bar“. Premiere ist am 8. August bei den Salzburger Festspielen, ab Anfang September geht es am Wiener Akademietheater weiter, und danach am Deutschen Theater in Berlin. Was können Sie über das Stück erzählen?

FINZI Es basiert auf dem großartigen Roman von David Grossman, der einer der bedeutendsten zeitgenössischen Erzähler ist. Zentralfigur ist der Stand-up-Comedian Dov Grinstein. Es geht um Verlust, Läuterung und Sehnsucht nach Wiedergutmachung.

 

Zum aktuellen Kinofilm „Herrliche Zeiten“: Sie haben über Ihren Regisseur Oskar Roehler gesagt: „Er schafft es, in seinen Geschichten das Flirren unserer Gesellschaft einzufangen und traut sich Mittel einzusetzen wie kaum ein anderer“. Wie darf man das verstehen?

FINZI Indem er aus dem banalen Naturalismus, in dem die meisten Regisseure und Erzähler baden, ausbricht und die Dinge zu einer bösen Farce werden lässt.

 

Wie sehen Sie das moderne Sklaventum?

FINZI Das gibt es, weil sich eine gewisse Klasse so gerne bedienen lassen möchte. Wenn wir wollen, sind wir aber auch Sklaven unserer selbst. Weil uns die Maschine, die wir täglich bedienen, eine solche Geschwindigkeit gibt, dass wir nicht mehr aussteigen können. Ein Exempel: Wir versklaven uns mit unserer allzeit bereiten Erreichbarkeit.

 

Sie sind ein begehrter und hochgeschätzter Theaterschauspieler, filmen aber sehr häufig. Haben Sie je daran gedacht, dem Theater Adieu zu sagen?

FINZI Das wird nie passieren, denn für mich ist Theater das Essenzielle. Ich will unbedingt auf der Bühne stehen, weil ich dort, im Gegensatz zum Film, Entscheidungsträger bin. Das ist mir das Wichtigste. Sie können sich das ganz einfach vorstellen: Film ohne Kamera.

 

Wie viel Film oder Fernsehen haben Sie innerhalb der letzten zwölf Monate gemacht?

FINZI Ich habe sieben bis acht Filme gedreht, darunter „Meine teuflisch gute Freundin“. Kommt im Juni in die Kinos. Ist ein Kinderfilm. Der Teufel schickt seine sehr junge Tochter auf die Erde, um diese noch schlechter zu machen. Aber ihr gefällt es, sie will bleiben. Und im Herbst kommt „Klassentreffen“ in die Kinos. LH