Christian Bale: „Am Anfang dieses Films dachte ich, das ist absolut unmöglich“

Menschen / 27.02.2019 • 20:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Christian Bale im Interview mit den VN.  AFP
Christian Bale im Interview mit den VN. AFP

Im VN-Interview spricht der Hollywood-Schauspieler über seine Rolle in „Vice – der zweite Mann“.

Berlin Dieser Film war eines der großen Ereignisse der Berlinale. Absolut preiswürdig. Aber leider lief Adam McKays „Vice- Der zweite Mann“ außer Konkurrenz. Macht nichts, denn der Film ist ohnehin in acht Kategorien für den Oscar nominiert. Ex-„Batman“ Christian Bale verkörpert in „Vice“ den einst übermächtigen US-Vizepräsidenten Dick Cheney. Natürlich ist auch Bale ein höchst aussichtsreicher Oscar-Kandidat. Ein Interview im Hotel Regent.

Was waren Ihre ersten Gedanken, als Ihnen Adam McKay die Rolle anbot?

BALE Jede meiner Rollen ist für mich am Anfang eine „bloody hell“. Hier dachte ich: Absolut unmöglich! Cheney sah ja total anders aus als ich! Andererseits: Das Drehbuch war einfach grandios. Und Adam beschwor mich: Er würde diesen Film mit keinem anderen drehen. Also ließ ich mich überreden. Sechs Monate arbeitete ich mit dem berühmten Make-up-Künstler Greg Cannom, um mein neues Erscheinungsbild in den Griff zu bekommen. Daneben studierte ich unzählige Videos und las alles, was ich über Cheney in die Hände bekam.

Außerdem legten Sie ordentlich Gewicht zu. Das haben andere Kollegen auch schon gemacht. Aber Sie sind wohl der einzige, der für einen Film („Der Maschinist“) einst rund zwanzig Kilo abgenommen hat. Und jetzt mussten Sie zwanzig Kilo zulegen. So was ist doch eine echte Tortur?

BALE Schon. Aber das war es mir wert. Aber ich mache es sicher nicht noch einmal. Ich fühle, dass mir mein Körper dann sagen würde: Du wirst bald sterben. Schließlich bin ich 45 und beobachte mich dabei, dass ich manchmal durchs Haus hatsche wie ein alter Mann. Klar arbeitete ich mit einem Ernährungsberater und unter ärztlicher Kontrolle. Adam McKay bestand darauf.

Wie hat Ihnen die Maske als Dick Cheney letztendlich gefallen?

BALE Es war schon ein unglaublicher Augenblick, als ich mich erstmals in kompletter Maske – dauerte jeden Morgen übrigens vier Stunden – vor einen Spiegel stellte und mich selbst nicht wiedererkannte.

Was war Dick Cheney für Sie? Bösewicht, Fiesling, Kriegstreiber?

BALE So kann man an eine Rolle nicht herangehen. Der Mann hatte unglaublichen Einfluss und verstand es virtuos, auf der politischen Klaviatur zu spielen. Adam McKay und ich waren uns einig, dass ich mich dem Charakter positiv nähern musste. Ich musste Cheney umarmen – auf ernsthafte Art. Es durfte keine Vorhersehbarkeit entstehen, sonst hätte es ja keine Überraschungsmomente geben können.

Was hat Sie an ihm besonders interessiert?

BALE Natürlich die menschliche Seite. Wie war er als Ehemann, als Vater? Das Überraschende für mich war, wie sehr er von seiner Frau Lynne angetrieben wurde. Sie war eine Lady Macbeth im Hintergrund. Aber nachdem er in Yale rausgeschmissen wurde, versehentlich einen Menschen tötete, besoffen einen Autounfall verursachte und seinen Führerschein abgeben musste, stellte ihn Lynne, seine Highschool-Liebe, vor die Alternative: Mir reicht’s, mein Lieber. Entweder, du wirst was Besonderes, vielleicht sogar amerikanischer Präsident, oder… Und er hat auf sie gehört. Zugutehalten muss ich ihm auch, dass er sich an die Seite seiner jüngeren Tochter Mary stellte, als sich diese mit 17 zu Hause als Lesbe outete. Damals, im Jahr 1986, in den USA gar nicht so einfach. Dafür hat er sogar vorübergehend seine politischen Ambitionen zurückgestellt. Bis er als unglaublich mächtiger Vizepräsident von George W. Bush wieder auf den Zug sprang.

Es gibt viele Fragen, die ich ihm gerne stellen würde.

Christian Bale, Schauspieler

Er hat den Irak-Krieg angekurbelt?

BALE Es gibt so viele Fragen, die ich ihm gern stellen würde. Darunter jene, ob er diesen völlig unethischen Krieg je bereut hat. Manche sagen: ja, er habe sich einmal diesbezüglich geäußert. Ich glaube es nicht.

Man nannte ihn ja auch, nach dem berühmten Bösewicht aus „Star Wars“,  Darth Vader. Glauben Sie, dass ihm das gefallen hat?

BALE Natürlich. Er nannte sich ja auch selbst so, und das taugte ihm. 

Falls man Ihnen anbietet, den gegenwärtigen Präsidenten Trump in einem Film zu verkörpern, wie würden Sie reagieren?

BALE Uninteressant. Denn: Cheney hat verstanden, dass im Verschweigen wahre Macht liegt. Das kann man Mister Bush bestimmt nicht nachsagen.

Zum Abschluss noch einmal zurück zur Politik. Sie haben einen amerikanischen und einen britischen Pass. Was sagt der Brite zum Brexit?

Bales Bales Antwort: Ein Schluchzen. Ebenfalls oscarreif. LH

Christian Bale mit seiner Ehefrau Sibi Blazic. AFP
Christian Bale mit seiner Ehefrau Sibi Blazic. AFP