Trauer um große TV-Chronistin

Menschen / 10.03.2019 • 21:56 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Elizabeth T. Spira ist mit 76 Jahren gestorben. Sie schuf mit ihren TV-Sendungen ein Stück österreichische Alltagskultur. APA
Elizabeth T. Spira ist mit 76 Jahren gestorben. Sie schuf mit ihren TV-Sendungen ein Stück österreichische Alltagskultur. APA

TV-Journalistin Eli­zabeth T. Spira konnte es mit den Menschen.

Wien Die österreichische TV-Journalistin und Dokumentarfilmerin Elizabeth T. Spira ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Wie der ORF am Samstag berichtete, starb Spira in der Nacht auf Samstag nach langer Krankheit in Wien. Mit ihrer Partnervermittlungssendung „Liebesg’schichten und Heiratssachen“, die im ORF über 22 Staffeln lief, schuf Spira eine Fernseh-Institution, für die sie unermüdlich die Wohnzimmer einsamer Menschen besuchte. Bundespräsident Alexander Van der Bellen würdigte die Dokumentarfilmerin via Twitter als „große Chronistin“.

Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) meldete sich über den Kurznachrichtendienst. „Das Lebenswerk der österreichischen Journalistin Elizabeth T. Spira ist beeindruckend und beschreibt Österreichs Gesellschaft auf eine ganz besondere Art und Weise“, so Kurz.

Elizabeth Toni Spira wurde am 24. Dezember 1942 in Glasgow geboren. Ihr Vater Leopold Spira, als Jude und Kommunist gleich doppelt gefährdet, war mit seiner Familie vor den Nazis geflohen und wurde nach seiner Teilnahme am spanischen Bürgerkrieg in Frankreich und England zeitweilig als „feindlicher Ausländer“ interniert. Ihren ersten Vornamen (samt „z“) verdankt Elizabeth Toni Spira der englischen Königin, ihren zweiten dem Decknamen ihres Vaters in der Illegalität. 1946 kehrte die Familie nach Österreich zurück.

Nach der Schulzeit studierte Spira in Wien Publizistik und arbeitete zunächst als Journalistin im Nachrichtenmagazin „profil“. Nachdem Claus Gatterer im ORF gerade das Magazin „teleobjektiv“ gegründet hatte, wechselte Spira zum Fernsehen. „Es war kein Traum von mir, Bilder zu machen“, erinnert sie sich an ihre Anfänge im ORF: „Ich habe gemeinsam mit Robert Dornhelm die ersten Geschichten gemacht. Aber er war so chaotisch wie ich. Am Abend haben wir lieber gepokert, als Konzepte geschrieben.“

Fingerspitzengefühl

Gemeinsam mit dem Historiker Michael Mitterauer entwickelte Spira dann das „Alltagsgeschichten“-Konzept. Die Serie startete 1985, 1997 kam die TV-Partnervermittlung „Liebesg‘schichten und Heiratssachen“ dazu. Spira und ihr Kameramann Peter Kasperak wurden zu Quotengaranten. Dabei braucht es viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Menschen, die vor der Kamera ihr Herz ausschütten, oft erstmals seit Jahren. „Mit mir geht es, weil ich eine Fremde bin und trotzdem eine Bekannte. Irgendwie hat man mich geholt, aber gleichzeitig zittert man vor mir, aber ich weiß, wie man die Leute streicheln muss.“ Der ORF ändert in memoriam sein Programm. „Thema“ am 22. März sowie der heutige  „kulturMontag“ werden die Verstorbene mit Porträts würdigen.