„Lauwarmes Wasser mag niemand“

11.04.2019 • 20:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Film „Monsieur Claude 2 - Immer für eine Überraschung gut“ will an den Erfolg des ersten Teils „Monsieur Claude und seine Töchter“ anknüpfen. Filmladen
Der Film „Monsieur Claude 2 – Immer für eine Überraschung gut“ will an den Erfolg des ersten Teils „Monsieur Claude und seine Töchter“ anknüpfen. Filmladen

Schauspieler Christian Clavier über den Film „Monsieur Claude 2“, die Franzosen und Humor.

Berlin Was haben Monsieur Claude Verneuil und seine Ehefrau Marie zuletzt nicht alles über sich ergehen lassen müssen!? Beschneidungsrituale, Hühnchen halal, koscheres Dim Sum und nicht zuletzt den Besuch der Familie Koffi von der Elfenbeinküste. Und natürlich vier maximal multikulturelle Hochzeiten ihrer Töchter. Kann es noch ärger kommen? Es kann. Im zweiten Teil erlebt Monsieur Claude alias Christian Clavier weitere saftige Überraschungen.

In Österreich haben weit über 400.000 Zuschauer den ersten Film im Kino gesehen. Im Ursprungsland Frankreich erzielte er Rekorde. Somit war ein zweiter Teil wohl unvermeidlich?

CLAVIER Wir alle sind durch den ersten Teil eine echte Familie geworden. Nachdem die Besucherzahlen überall so hoch waren, drängte sich eine Fortsetzung faktisch auf.

 

Es heißt, dass Ihnen der Regisseur viele Freiheiten lässt?

CLAVIER Der Charakter des Monsieur Claude war mir so vertraut, dass ich mich voll in die Rolle hineinfallen ließ. Ich kannte ihn sozusagen in- und auswendig, daher war Philippe für jede Anregung dankbar. Vor Drehbeginn  absolvierten wir zahlreiche Proben, und dabei durfte jeder seine eigenen Ideen einbringen. Als es dann losging, brauchten wir dann gar nicht mehr viel zu ändern.

 

Philippe de Chauveron sagt: Frankreich ist ein Paradies, bewohnt von Menschen, die glauben, dass sie in der Hölle seien?

CLAVIER Und daraus resultierte ein Charakter wie Monsieur Claude. Claude, ein Mensch, der alles sagt, was man nicht sagen soll. Es gibt kaum etwas, was er nicht kritisiert. Vor allem sein Land. Und auf einmal steht er vor der Situation, dass er alles im positivsten Licht erscheinen lassen muss. Kann es für einen Komödianten einen größeren Spaß geben?

 

Wobei Ihr Regisseur und auch Sie auf auf „political correctness“ nicht viel Wert legen?

CLAVIER Ich stimme mit Philippe überein, wenn er sagt: Wir dürfen gar nicht „politisch korrekt“ sein. Sonst wird es fad. Die schrägen Scherze wirken befreiend auf das Publikum. Die Leute möchten kaltes oder heißes Wasser. Lauwarmes Wasser mag niemand.

Es heißt immer, dass große Komödianten im Privatleben sehr ernste Menschen sind. Sie auch?

CLAVIER Fifty-fifty. Ich glaube, dass ich auch privat ziemlich lustig bin. Ich liebe es, zu lachen. Hin und wieder bin ich aber auch ein bisschen grantig.

 

Geben Sie noch gerne Interviews?

CLAVIER In Frankreich weniger, da ist es oft sehr unentspannt. Aber hier, wo ich jetzt gerade bin, finde ich es sehr entspannt.

 

Frankreich haben Sie ja verlassen und sich in England angesiedelt. Der Grund war angeblich, dass man  Sie so oft wegen Ihres freundschaftlichen Verhältnisses zum damaligen Präsidenten Sarkozy kritisiert hat?

CLAVIER Ich habe England mittlerweile verlassen.

 

Warum?

CLAVIER Sie haben sich für den Brexit entschieden. Ich bin ein leidenschaftlicher Europäer. Also habe ich mich in Brüssel angesiedelt. In der europäischen Hauptstadt.

 

Wird es mit „Monsieur Claude 3“ eine Fortsetzung geben?

Clavier Ich denke, wir alle lauern schon auf eine neue Idee von Philippe de Chauveron. Inzwischen drehe ich eine Komödie in St. Tropez, die ich mit zwei Partnern geschrieben habe. LH