Schauspieler Christian Clavier spricht im VN-Interview über den Film „Monsieur Claude 2“.

Menschen / 12.04.2019 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im zweiten Teil wollen die Töchter von Claude Verneuil (Christian Clavier) und seiner Ehefrau Marie (Chantal Lauby) mit ihren Familien Frankreich verlassen. Das Ehepaar will das verhindern. Filmladen

Der Film „Monsieur Claude 2 – Immer für eine Überraschung gut“ will an den Erfolg des ersten Teils „Monsieur Claude und seine Töchter“ anknüpfen.

Berlin Was haben Monsieur Claude Verneuil und seine Ehefrau Marie zuletzt nicht alles über sich ergehen lassen müssen!? Beschneidungsrituale, Hühnchen halal, koscheres Dim Sum und nicht zuletzt den Besuch der Familie Koffi von der Elfenbeinküste. Und natürlich vier maximal multikulturelle Hochzeiten ihrer Töchter. Kann es noch ärger kommen? Es kann. Im zweiten Teil erlebt Monsieur Claude alias Christian Clavier weitere saftige Überraschungen.

In Österreich haben weit über 400.000 Zuschauer den ersten Film gesehen. Im Ursprungsland Frankreich erzielte er Rekorde. Somit war ein zweiter Teil wohl unvermeidlich?

Wir alle sind durch den ersten Teil eine echte Familie geworden. Nachdem die Besucherzahlen überall so hoch waren, drängte sich eine Fortsetzung faktisch auf.

Es heißt, dass Ihnen der Regisseur viele Freiheiten lässt?

Der Charakter des Monsieur Claude war mir so vertraut, dass ich mich voll in die Rolle hineinfallen ließ. Ich kannte ihn sozusagen in- und auswendig, daher war Philippe für jede Anregung dankbar. Vor Drehbeginn absolvierten wir zahlreiche Proben, und dabei durfte jeder seine eigenen Ideen einbringen. Als es dann losging, brauchten wir gar nicht mehr viel zu ändern.

Philippe de Chauveron sagt: Frankreich ist ein Paradies, bewohnt von Menschen, die glauben, dass sie in der Hölle seien?

Und daraus resultierte ein Charakter wie Monsieur Claude. Claude, ein Mensch, der alles sagt, was man nicht sagen soll. Es gibt kaum etwas, was er nicht kritisiert. Vor allem sein Land. Und auf einmal steht er vor der Situation, dass er alles im positivsten Licht erscheinen lassen muss. Kann es für einen Komödianten einen größeren Spaß geben?

Wie sehen Sie als Franzose die Franzosen? 

Sie neigen oft dazu, nur ihre eigene Meinung gelten zu lassen. Andere Meinungen sind ihnen eher egal. Und manchmal werden sie sehr zornig.

Wobei Ihr Regisseur und auch Sie auf „political correctness“ nicht viel Wert legen?

Ich stimme mit Philippe überein, wenn er sagt: Wir dürfen gar nicht „politisch korrekt“ sein. Sonst wird es fad. Die schrägen Scherze wirken befreiend auf das Publikum. Die Leute möchten kaltes oder heißes Wasser. Lauwarmes Wasser mag niemand.

Es heißt immer, dass große Komödianten im Privatleben sehr ernste Menschen sind. Sie auch?

Fifty-fifty. Ich glaube, dass ich auch privat ziemlich lustig bin. Ich liebe es, zu lachen. Hin und wieder bin ich aber auch ein bisschen grantig.

Geben Sie noch gerne Interviews?

In Frankreich weniger, da ist es oft sehr unentspannt. Aber hier, wo ich jetzt gerade bin, finde ich es sehr entspannt.

Frankreich haben Sie ja verlassen und sich in England angesiedelt. Der Grund war angeblich, dass man  Sie so oft wegen Ihres freundschaftlichen Verhältnisses zum damaligen Präsidenten Sarkozy kritisiert hat?

Ich habe England mittlerweile verlassen.

Warum?

Sie haben sich für den Brexit entschieden. Ich bin ein leidenschaftlicher Europäer. Also habe ich mich in Brüssel angesiedelt. In der europäischen Hauptstadt.

Wird es mit „Monsieur Claude 3“ eine Fortsetzung geben?

Ich denke, wir alle lauern schon auf eine neue Idee von Philippe de Chauveron. Inzwischen drehe ich eine Komödie in St. Tropez, die ich mit zwei Partnern geschrieben habe. Ludwig Heinrich