Japans Kaiser dankt ab

Menschen / 30.04.2019 • 22:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kaiser Akihito dankt nach 30 Jahren ab Einst brach er mit vielen Traditionen. Trotz Regenwetter und Zutrittsverbot standen Stunden vor der Zeremonie Menschen vor dem Palast. Reuters, AFP

Kaiser Akihito dankt nach 30 Jahren ab Einst brach er mit vielen Traditionen. Trotz Regenwetter und Zutrittsverbot standen Stunden vor der Zeremonie Menschen vor dem Palast. Reuters, AFP

Amtszeit von Akihito ist vorbei. Die älteste Erbmonarchie steht vor neuer Epoche.

Tokio Kaiser Akihito hat sich am Dienstag ein letztes Mal an seine Nation gewandt. Er danke seinem Volk für die Unterstützung in seiner Rolle als Symbol des Staates, sagte der 85-jährige Monarch bei der staatlichen Abdankungszeremonie in seinem Palast. Akihito ist seit rund 200 Jahren der erste Kaiser der ältesten Erbmonarchie der Welt, der zu Lebzeiten den Thron für seinen Nachfolger freimacht. Er und seine Gemahlin, Kaiserin Michiko, wünschten sich, dass die neue Ära „Reiwa“ (schöne Harmonie) unter ihrem ältesten Sohn Naruhito „stabil und fruchtbar“ werde.

Akihitos Ära namens „Heisei“ (Frieden schaffen) war für Japan eine Zeit des Friedens, aber auch verheerender Katastrophen – wie das Erdbeben in Kobe 1995 und die Dreifachkatastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Atomunfall 2011 in Fukushima. Laut der Verfassung hat der Kaiser keinerlei politische Macht, sondern ist Symbol der Einheit der Nation. Während seiner 30-jährigen Ära war er ein überzeugter Verfechter der pazifischen Nachkriegsverfassung und galt als Gewissen der Nation. Als Kronprinz hatte Akihito im April 1959 mit der fast 2000 Jahre alten Hoftradition gebrochen, indem er mit Michiko Shoda eine Bürgerliche heiratete. Ihre Kinder kamen im Krankenhaus und nicht im Palast zur Welt. Michiko schaffte die Amme ab und stillte ihre Kinder selbst, bis dahin unvorstellbar. Er spielte Tennis, was undenkbar war, genauso, dass er und Michiko ihre Kinder selbst erzogen. Akihito war der erste Tenno, der sein Amt nicht mehr als Gott antrat. Sein 1989 gestorbener Vater Kaiser Hirohito, hatte am 1. Jänner 1946 in seiner sogenannten Menschlichkeitserklärung der Göttlichkeit des Kaisers entsagt. In Hirohitos Namen war Japan in den Zweiten Weltkrieg gezogen.