„Fehler machen, um daraus zu lernen“

14.05.2019 • 19:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Riegers Alben landeten auf den oberen Plätzen der Charts.

Berlin Immensen bei Hannover hat rund 2500 Einwohner, einen kleinen Bahnhof, mehrere Bauernhöfe und eine Dorfkirche. In einem ganz normalen Kinderzimmer, mit Postern von Fußballern wie Messi und Ronaldo an den Wänden, produziert Gymnasiast Lukas Rieger vor mehreren Jahren erste Musik­clips und stellt sie auf YouTube – so wie früher sein Idol Justin Bieber. An diesem Freitag bringt der heute 19-Jährige bereits sein drittes Album „Justice“ auf den Markt.

In den Jahren dazwischen ist viel passiert: Rieger wird 2014 in der Castingshow „The Voice Kids“ entdeckt, bekommt später einen Plattenvertrag, schreibt ein Buch („Der Lukas Rieger Code“), macht einen Podcast und baut sich vor allem in den sozialen Netzwerken eine riesige Fangemeinde auf. Die Ü18-Generation kennt den Niedersachsener wohl vor allem wegen seiner Teilnahme an der RTL-Tanzshow „Let‘s Dance“ in diesem Jahr – oder wegen der Poster im Kinderzimmer.

Dance-Beats und viel Pop

Die jungen, meist weiblichen Anhänger sind treue Konsumenten, Riegers Alben „Compass“ (2016) und „Code“ (2018) landen auf dem vierten und zweiten Platz der deutschen Charts. Auch auf „Justice“ singt der schlaksige Teenie-Schwarm ausschließlich auf Englisch, schließlich hat er auch Fans in Polen, Tschechien und den USA.

Die versorgt Rieger mit gängigen Dance-Beats, Pop-Ohrwürmern wie der Single „Nobody Knows Me (Like You Do)“ und massig Autotune. „Ich glaube, diese Effekte sind Teil der Musik. Autotune ist ein Stilmittel, das gerade in der Rapmusik viele benutzen“, erklärt Rieger. Die künstliche Verfremdung der Stimme wurde vor allem von Rapper T-Pain und der Popdiva Cher („Believe“) populär gemacht.

Meist dreht es sich um Liebe und Trennungen, mit den bald in YouTube-Rente gehenden Lochis singt Rieger über Freundschaft („Friendzone“), in „I F*ck Up Sometimes“ geht es um Fehler. Was die Zielgruppe halt so interessiert. „Ich bin jung und möchte manchmal Dinge machen, die meine Eltern oder mein Manager nicht cool finden. Das ist auch völlig okay und sogar gut. Man muss Fehler machen, um daraus zu lernen“, sagt Rieger dazu. Inzwischen hat er seine eigene Wohnung in Berlin, reist öfter nach Los Angeles und braucht bei öffentlichen Auftritten einen Bodyguard. Seinen 1,8 Millionen Abonnenten auf Instagram teilt er täglich mit, wie es ihm geht. Hat er Angst, dass es ihm mal so gehen könnte wie seinem Vorbild Justin Bieber? Der bekundete kürzlich, dass ihm die große Bekanntheit in jungen Jahren nicht gutgetan habe. „Der frühe Ruhm ist etwas Schönes, gleichzeitig aber auch etwas Unschönes“, erläutert Rieger. „Ich würde nicht sagen, dass man seine Kindheit verliert, aber man muss auf jeden Fall Abstriche machen. Aber ich habe mir das ja ausgesucht.“