„In jeder Rolle steckt ein Teil von mir“

05.06.2019 • 20:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Schauspieler Jürgen Vogel zeigt sich in der Familienserie „Das Wichtigste im Leben“ von einer völlig anderen Seite. AP
Schauspieler Jürgen Vogel zeigt sich in der Familienserie „Das Wichtigste im Leben“ von einer völlig anderen Seite. AP

Jürgen Vogel über seine Serienrolle als Familienvater.

Berlin Dealer, Mörder, Vergewaltiger: Schauspieler Jürgen Vogel, der zu den größten deutschen Filmstars gehört, ist in seinen Rollen auf gebrochene Figuren spezialisiert. Jetzt zeigt sich der 51-Jährige aber von einer völlig anderen Seite: In der Serie „Das Wichtigste im Leben“ spielt Vogel, der selber Papa einer Patchworkfamilie ist, einen Patchwork-Papa mit drei Kindern – die Serie handelt vom ganz normalen Wahnsinn des Familienalltags.

 

Herr Vogel, Ihre neue Serie heißt „Das Wichtigste im Leben“. Was ist für Sie das Wichtigste im Leben?

Vogel Als der Titel der Serie festgelegt wurde, war mir sofort klar, dass diese Frage kommen würde, und ich dachte: „Um Gottes Willen, was soll ich darauf antworten?“ Ich verstehe den Titel so, dass jede Figur in der Serie herausfinden muss, was für sie selber das Wichtigste im Leben ist. 

 

Bei den Figuren handelt es sich um das Ehepaar Fankhauser mit seinen drei Kindern. Die Sprösslinge suchen gerade ihren Platz im Leben, die Eltern sind mit ihrem eigenen Leben plötzlich unzufrieden . . .

Vogel Das nennt man Midlife-Crisis. Wenn die Kinder ein bisschen älter werden und ihr eigenes Ding machen, ist man nicht mehr so gefordert wie früher. Dann bist du plötzlich wieder auf dich selber zurückgeworfen und fragst dich: Wie geht es denn jetzt weiter? Das ist zwischen 40 und 50 eine echt interessante Phase im Leben.

 

Haben Sie sich in dem Familienvater ein Stück weit wiederfinden können?

Vogel Ich finde mich im Grunde in allen Figuren, die ich spiele. In jeder Rolle steckt ein Teil von mir.

 

Sie haben mal gesagt: „Ich spiele am liebsten gebrochene Typen und Arschlöcher.“ Jetzt verkörpern Sie einen ganz normalen Familienvater – was ist an dieser Rolle reizvoll für Sie?

Vogel Ich habe sowas noch nicht gemacht, und deshalb war das für mich eine wahnsinnige Herausforderung. Die Serie dreht sich um die normalen Dinge des Lebens, um den Alltag einer Familie, um die Themen Eltern und Geschwister. Es geht um die wirklichen Sorgen und Probleme des Lebens. Das wahre Leben kann ja spannender sein als mancher Thriller.

 

Wie haben Sie sich der ungewohnten Serienrolle genähert? Manche Schauspieler nehmen sich zur Vorbereitung ja eigens einen Coach.

Vogel Ich habe ja selber Familie und kann aus meiner eigenen Erfahrung schöpfen, deshalb brauche ich keinen Coach. Außerdem habe ich viele tolle internationale Familienserien gesehen, die mich inspiriert haben.

 

Ist „Das Wichtigste im Leben“ die erste Familienserie, in der Sie mitspielen?

Vogel Ja, das ist meine erste. Ich habe ja generell nicht so viele Serien gedreht. Das hat mehrere Gründe. Die ZDF-Thrillerserie „Blochin“  hat mich drei, vier Jahre gekostet, weil wir zuerst den Piloten gedreht haben, bevor dann eine Serie daraus wurde, und dann habe ich noch bei „The Team“ mitgemacht. Außerdem: So richtig viele tolle Serien gibt es ja auch gar nicht, danach muss man schon suchen. Die Serienmode gibt es noch nicht so wahnsinnig lange, das Ganze ist ja jetzt erst bei uns angekommen.

 

Schauen Sie viele Streamingserien?

Vogel Na klar, ich selber gucke viel Netflix, nicht zuletzt weil ich es beruflich interessant finde. Ich finde es auch gut, dass Netflix als einziger Anbieter deutsche Serien synchronisiert in Amerika zeigt, obwohl doch alle immer behauptet haben, dass das nicht funktionieren kann.

 

Welche weiteren Projekte haben Sie?

Vogel Ich würde mich freuen, wenn wir die zweite Staffel von „Das Wichtigste im Leben“ machen, es steckt einfach wahnsinnig viel drin, da hätte ich große Lust drauf. Ansonsten mache ich drei Monate frei, und was danach für ein Projekt kommt, ist noch nicht hundertprozentig klar. ski