Das Ende einer Ära

Menschen / 12.06.2019 • 22:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Vielseitiges Talent: Elfriede Ott war als Schauspielerin, Kabarettistin und Autorin erfolgreich und spielte mit Größen wie Curd Jürgens oder Fritz Muliar (u. l.).APA
Vielseitiges Talent: Elfriede Ott war als Schauspielerin, Kabarettistin und Autorin erfolgreich und spielte mit Größen wie Curd Jürgens oder Fritz Muliar (u. l.).APA

Schauspielerin Elfriede Ott (94) verstorben.

Wien Elfriede Ott stand 70 Jahre lang auf der Bühne, spielte 60 Jahre lang Soloprogramme und ebenso lange TV-Rollen. In Erinnerung ist vielen vor allem ihr komisches Talent. Einen Tag nach ihrem 94. Geburtstag verstarb in der Nacht auf Mittwoch die Doyenne des Theaters in der Josefstadt, und damit eine der beliebtesten und vielseitigsten Schauspielerinnen des Landes. Die Wiener Uhrmacherstochter brachte das Publikum jahrzehntelang zum Lachen und Weinen. Dabei schien ihr Weg nicht vorgezeichnet. Die am 11. Juni 1925 in Wien Geborene musste zunächst in die Fußstapfen des Vaters treten, nahm aber schon früh heimlich Schauspielunterricht. 1944 debütierte die spätere Grande Dame der Wiener Volkskomödie denn auch am Burgtheater, dessen Ensemble sie bis 1949 angehörte, in Gerhart Hauptmanns „Die Goldene Harfe“. Ott spielte auch in Goethes „Stella“, in Grillparzers „Sappho“ oder in Shakespeares „Sommernachtstraum“. Die Partner an ihrer Seite waren Kapazunder wie Curd Jürgens, Raoul Aslan und Oskar Werner.

„Mein Theater war die Josefstadt“

Ihre ganze Liebe gehörte aber dem Theater in der Josefstadt, wie sie selbst in einem Interview bekannte. Dort fand die Schauspielerin 1958 ihre künstlerische Heimat und gehörte bis 2011 als Ensemble- und Ehrenmitglied zu den unangefochtenen Publikumslieblingen. Zum letzten Mal war die Doyenne dort am 9. Jänner 2011 zu sehen.

Ihre zweite Karriere als Kabarettistin startete Ott in den 1950er-Jahren unter anderem an der Seite ihres ersten Ehemanns Ernst Waldbrunn, mit dem die Kammerschauspielerin von 1950 bis 1964 verheiratet war. Nach der Scheidung schlug die Spezialistin des klassisch-wienerischen Genres die nächste Richtung ein und gab Abende als Diseuse, gemeinsam mit Julius Patzak oder Waldemar Kmentt. Ihre Soloprogramme wurden großteils von „Lebensmensch Hans Weigel“ zusammengestellt, mit dem sie bis zu seinem Tod 1991 liiert und das gemeinsame letzte halbe Jahr auch verheiratet war.  Wie nebenbei und doch mit vollem Herzblut leitete Ott – in den letzten Jahren gemeinsam mit ihrem Adoptivsohn Goran David – 30 Jahre lang die Maria Enzersdorfer Festspiele, die sie 1983 gemeinsam mit Hans Weigel ins Leben gerufen hatte.

1985 gründete Ott die Schauspielabteilung des Wiener Konservatoriums, die sie bis 2004 leitete. Danach folgte die „Schauspielakademie Elfriede Ott“, die heute von ihrem Adoptivsohn geleitet wird. Zu den bekanntesten Absolventen ihres „Studio der Erfahrungen“ zählen André Heller, Nicolas Ofczarek, Christoph Friedl oder Sandra Cervik. Gezeichnet von einigen körperlichen Gebrechen gab Ott 2013 ihren endgültigen Abschied von der Bühne. Untätig blieb sie aber auch danach nicht: Sie malte und schrieb einige populäre Bücher.

„Herausragende Komödiantin“

Für Herbert Föttinger, Direktor des Theaters in der Josefstadt, war sie eine „herausragende Komödiantin und eine der außergewöhnlichsten Volksschauspielerinnen Österreichs“. Mit Ott verliere die Republik „eine ihrer beliebtesten und profiliertesten Schauspielerinnen“, zollte auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen der Verstorbenen seinen Respekt.