Filmisches Denkmal

Menschen / 11.07.2019 • 21:55 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
asdf???
asdf???

Regisseur Danny Boyle und Drehbuchautor Richard Curtis über die Beatles und die Dreharbeiten zu „Yesterday“.

London Jack Malik, ambitionierter, aber eher erfolgloser Sänger und Songwriter, wird von einem Bus angefahren. Just in diesem Moment fällt auf der ganzen Welt für zwölf Sekunden der Strom aus. Als Jack wieder bei Bewusstsein ist, muss er zwei Dinge feststellen: Zum einen fehlen ihm zwei Zähne, zum anderen wurden offensichtlich die Beatles und ihre Songs aus der Erinnerung der Menschen gelöscht. Nur Jack kennt sie, singt sie – und wird zum Weltstar. Eine zweifellos sehr originelle Filmidee. Danny Boyle („Trainspotting“) realisierte sie nach einem Drehbuch von Komödien-Profi Richard Curtis („Notting Hill“, „Bridget Jones“) unter dem Titel „Yesterday“.

 

Wie kam es zu diesem Projekt?

BOYLE Ich wollte schon immer einen Film über die Beatles machen, der keine Biografie ist. Dann kam Richard mit dieser königlichen Idee.

CURTIS Die „königliche Idee“ kam nicht allein von mir. Ein Freund hat mich angerufen und gesagt, er hätte vielleicht einen sehr guten Einfall für eine Filmstory, ob er sie niederschreiben sollte. Ihr hörte sie mir an, dann erklärte ich: „Weißt du, was? Ich schreibe lieber gleich selbst ein Drehbuch!“

 

Welche Beziehung hatten Sie, Danny Boyle, zu den Beatles?

BOYLE Da muss ich in meine frühe Jugend zurückgehen. Ich hatte eine Zwillingsschwester und noch eine jüngere Schwester. Wir schliefen alle im selben Zimmer und „spielten“ immer wieder die Beatles. Meiner Zwillingsschwester, die ein Riesenfan von Paul McCartney war, musste unbedingt Paul sein. Ich musste John Lennon mimen. Und die jüngere Schwester, je nach Lust und Laune, Ringo Starr und George Harrison. Ja, so hat wirklich alles begonnen.

 

Was ist letztendlich daraus geworden?

BOYLE Wie schon gesagt, keine Biografie. Ich würde es am ehesten als DNA-Suche bezeichnen.

Am Ende kommt ja sogar John Lennon ins Bild?

BOYLE Pssst. Es begann damit, dass ich oft nachdachte, was er heute machen würde. Und dann fiel mir etwas ein. Aber bitte, verraten Sie nichts. Das soll ein Überraschungseffekt für die Kinobesucher sein.

 

Gab es ein Problem?

BOYLE Das Problem war die Qual der Wahl. Wir konnten ja nicht alle Beatles-Titel verwenden. Also wählten wir nur die populärsten aus. Und „Yesterday“ war der allerpopulärste, war ja von MTV und der Zeitschrift Rolling Stone zum besten Popsong seit 1963 gekürt worden, und auf der Rolling-Stone-Liste der 500 besten Songs aller Zeiten belegte er Platz 13.

 

Hatten Sie vor Drehbeginn Kontakt mit den noch lebenden Mitgliedern der Gruppe, Paul McCartney und Ringo Starr?

BOYLE Paul war ich bei der Olympia-Zeremonie kurz begegnet. Er ließ mich nur wissen: „Hauptsache, ihr verwendet als Filmtitel nicht ‚Scrambled Eggs’.“ Denn das war der ursprüngliche Titel von „Yesterday“ gewesen . . . Ringo Starr schrieb mir einen ganz entzückenden Brief. Mit Olivia, George Harrisons Witwe, hatten wir keinerlei Kontakt. Auch Yoko Ono, Johns Witwe, haben wir nie getroffen.

 

Die Beatles waren Ihnen nicht genug. In „Yesterday“ wirkt ja auch  Ed Sheeran mit?

BOYLE Ja, und er war ungemein großzügig und stellte uns die Publikumskulisse seiner Auftritte in Wembley und Cardiff zur Verfügung. Unser Kameramann Christopher Ross trickste dann so, dass es schien, als wäre unser Hauptdarsteller Himesh Patel Star des Abends. Ed Sheeran war übrigens auch ein überzeugender Schauspieler. Als Ed Sheeran . . .

 

Es geht ja nicht nur um Musik. Was schätzen Sie an der Story, die Richard Curtis dazu geschrieben hat?

BOYLE Er beherrscht den Rhythmus einer romantischen Komödie perfekt. Und er weiß auf unvergleichliche Art und Weise von Liebe zu erzählen, die nie endet. Im konkreten Fall auch von der Liebe zu den Beatles.

 

Die Hauptrolle des Jack Malik haben Sie mit dem bis dato kaum bekannten Himesh Patel besetzt. Wie haben Sie ihn gefunden?

CURTIS Das war einer der raren Fälle, dass einer zu den Castings kam und man wusste sofort: Der und nur der kann es sein! Besonders bemerkenswert ist, dass Patel all die Beatles-Titel im Film live gesungen hat. LH

Erfolgreiches Duo: Regisseur Danny Boyle (l.) und Drehbuchautor Richard Curtis. REUTERS
Erfolgreiches Duo: Regisseur Danny Boyle (l.) und Drehbuchautor Richard Curtis. REUTERS