„Alles hört auf kein Kommando“

Menschen / 30.07.2019 • 22:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Michael „Bully“ Herbig spricht wieder den guten, alten Woody. Disney Austria
Michael „Bully“ Herbig spricht wieder den guten, alten Woody. Disney Austria

Neuer Toy Story Film mit Michael „Bully“ Herbig in der Synchronisation.

berlin Ab 15. August gibt es in den Kinos „A Toy Story – Alles hört auf kein Kommando“. Diesmal kommt es zur Aufregung im Spielzeugland, weil Bonnie ein widerspenstiges neues Spielzeug in ihre Sammlung aufnimmt. Es heißt Forky und ist ein Mittelding zwischen Gabel und Löffel. Michael „Bully“ Herbig spricht in der deutschen Fassung wieder den guten, alten Woody.

 

Im nunmehr vierten Teil der „Toy Story“ sind Sie in der deutschen Fassung zum zweiten Mal Woody.

HERBIg Ja, denn vorher hat das der großartige und mittlerweile leider verstorbene Kollege Peer Augustinski gemacht. Viele Zuschauer hätten enttäuscht sein können, weil sie ab Teil drei nicht mehr dieselbe Stimme hörten. Ich habe genau gewusst, worauf ich mich da einließ. Doch als die Anfrage kam, habe ich nicht lange überlegt, sondern gleich gesagt: „Klar, mache ich!“ Davon ausgehend, dass ich die nächsten zwanzig Jahre mit der Figur des Woody zu tun haben würde. . .

 

Es war nicht das erste Mal, dass Sie Disney als Synchronstimme holte.

HERBIG Richtig. Das erste Angebot kam vor 18 Jahren, als ich den Kuzco in „Ein Königreich für ein Lama“ sprechen sollte. Disney – das war damals wie ein Ritterschlag. Da geht es einem definitiv nicht ums Geld, sondern nur um die Tatsache, dass man sagen konnte: „I made it!“

War der Woody in „Toy Story“ drei und vier etwas Besonderes für Sie?

HERBIG: Ja, weil der erste Teil sozusagen der Urknall für eine neue Technologie war. Nach all den charmanten Zeichentrick-Produktionen, die man von Disney gewohnt war, erschien diese Pixar-Technologie zunächst sehr clean, für manche sogar „seelenlos“. Aber es war so gut gemacht, dass man diese Bedenken schnell vergessen konnte.

 

Als Synchronstimmen werden für Animationsfilme gerne bekannte Namen engagiert. Glauben Sie, kann das jeder?

HERBIG (lacht) Nein! Denn das hat mit klassischer Synchronarbeit eher weniger zu tun. Es hat mich zwar noch keiner gefragt, aber: bei klassischem Synchronisieren würde ich nie auf die Idee kommen, zum Beispiel Brad Pitt oder James Bond zu sprechen. Das passt einfach nicht. Im Original borgt in den „Toy Story“-Produktionen Tom Hanks der Figur des Woody seine Stimme. In einem Real-Film würde ich mich nicht an Tom Hanks wagen. Generell meine ich: Ich bin im heiteren Fach zu Hause, und da habe ich ja auch keine Ambitionen, einen Serienmörder zu spielen.

 

Die richtige Stimme zu finden, ist gewiss ungemein wichtig?

HERBIG Keine Frage. Ein Beispiel: Als wir „(T)Raumschiff Surprise“ machten, dachte ich, wir würden für den Trailer eine Stimme brauchen, die nach Hollywood klingt. Und so haben wir den deutschen Sprecher von Jack Nicholson genommen. Das hat wunderbar funktioniert.

Nachdem Sie mit „Ballon“ als Regisseur faktisch einen Genrewechsel vorgenommen hatten, wurde kolportiert, für Sie sei nun „Schluss mit lustig“. Wirklich?

HERBIG Nicht ganz. Als Regisseur reizen mich momentan zwar andere Genres, aber als Schauspieler fühle ich mich in der Komödie nach wie vor zu Hause. Könnte sein, dass ich demnächst ein zweites Mal den Tod spiele – in „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“. Ein Film in der Tradition vom „Brandner Kaspar“.

 

Mit dem internationalen Erfolg von „Ballon“sind Sie sicher zufrieden.

HERBIG Ja, der Film kam nicht nur gut an, er hat sich auch außerordentlich gut ins Ausland verkauft. Könnte sein, dass wir demnächst einen US-Verleih finden. Das wäre mir mit einer Komödie wahrscheinlich nicht gelungen. Und jüngst war ich zum Frankreich-Start von „Ballon“ in Paris und habe zwei Tage lang Interviews gegeben. Für mich sehr schmeichelhaft, vor allem, weil fast jeder den Film mit Arbeiten von Hitchcock verglichen hat.

 

Für Sie also ein Befreiungsschlag?

HERBIG Schon, aber vielleicht klingt dieses Wort ein bisschen zu ambitioniert?

 

Ihre nächste Regiearbeit – wieder ein ernstes Thema?

HERBIG Es geht um Gerechtigkeit und wie Justiz und Gesellschaft damit umgehen. Die Geschichte erzählt von einer Bundeswehrsoldatin, die Opfer eines sexuellen Übergriffs wurde. Auch dieser Film basiert wie „Ballon“ auf wahren Begebenheiten. LH