Wenn man Heißhunger hat, ist Leberkäs schon was Feines

Menschen / 07.08.2019 • 11:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Sebastian Bezzel und Simon Schwarz haben "Leberkäsjunkie" abgedreht. Im September geht es mit "Kaiserschmarrn-Drama" los.  Constantin Film Verleih GmbH / Gisela Schober
Sebastian Bezzel und Simon Schwarz haben „Leberkäsjunkie“ abgedreht. Im September geht es mit „Kaiserschmarrn-Drama“ los. Constantin Film Verleih GmbH / Gisela Schober

Sebastian Bezzel und Simon Schwarz erleben in „Leberkäsjunkies“ wieder allerhand skurrile Abenteuer.

Wien Klar, es ist wieder viel los im bayerischen Niederkaltenkirchen. Bauintrigen, Brandstiftung, eine verkohlte Leiche, Mord. Aber den guten Dorfpolizisten Franz Eberhofer plagt ein noch viel schlimmeres Problem: Cholesterin! Der Arzt verordnet ihm „gesunde Kost“, verbietet ihm die geliebten Leberkässemmeln aufs strengste. Gott sei Dank hat der Franz im selbst ernannten  Privatdetektiv Rudi Birkenberger wieder einen Freund und Helfer. In der sechsten Rita-Falk-Romanverfilmung „Leberkäsjunkie“, jetzt in unseren Kinos, erleben Sebastian Bezzel und Simon Schwarz wieder allerhand skurrile Abenteuer.

Selbst ein Elvis Presley war auf diese „Delikatesse“ süchtig. Nach seiner Rückkehr vom Miltärdienst in Germany wies er seinen Koch auf Graceland wochenlang an, jeden Tag Leberkäs zuzubereiten. Als die Familie rebellierte, machte er allein weiter. Betrachtet man seine Figur in späteren Jahren, kann man es ohne weiteres glauben. Wie stehen Sie zum Leberkäs?

BEZZEL Ich mag ihn auch, esse ihn aber eher selten. Denn sonst kann er einem schnell zu viel werden. Doch ja: Wenn man Heißhunger hat, ist Leberkäs schon was Feines.

SCHWARZ Auch ich bin kein Feind davon. Ich brauch’ ihn nur nicht jeden Tag.    Ihr habt euch zu einem kongenialen Gespann entwickelt. Sie, Simon Schwarz, standen in Filmen ja schon früher einem anderen Ermittler zur Seite, dem Simon Brenner alias Josef Hader.

Wo liegt für Sie der Unterschied?

SCHWARZ Beim Josef war es meinerseits mehr Verehrung zu seiner Genialität. Mit dem Sebastian wurde es echte Freundschaft. Wir beide sind simpler gestrickt als der Josef.

BEZZEL Es passt einfach. Wie sagt Anica Dobra in ihrer Rolle als Frau Grimm in „Leberkäsjunkie“ über die Figuren des Conny und des Mordopfers? Sie waren wie zwei Popo-Backen. Das trifft auch auf uns zu. Wir trafen einander erstmals bei den Dreharbeiten zu „Schwere Jungs“ und waren schnell befreundet, brauchten keine lange Anlaufzeit.

SCHWARZ Wir sehen einander jedes Jahr ziemlich oft, auch außerhalb gemeinsamer Dreharbeiten.

Was sind Ihre größten Gemeinsamkeiten?

SCHWARZ Gemeinsamkeiten gibt es vor allem in Dingen, die wir hassen. Wir beschweren und gerne über dieselben Dinge.

 Die da sind?

SCHWARZ Wir verabscheuen gewisse politische Einstellungen, sind gegen Menschenentwürdigung, verabscheuen Leute, die nicht an die kommenden Generationen denken und sind dagegen, dass Politik von Lobbyisten bestimmt wird. Ich glaube, dass eine Generation kommt, die sich das nicht gefallen lassen wird. VW etwa hat 70 Anwälte in Brüssel, die sich nur darum kümmern, welche EU-Eingaben dem Konzern schaden könnten. So, wie Religionen nichts in der Politik verloren haben, haben auch Konzerne dort nichts verloren!

Sie haben Ihren Hauptwohnsitz derzeit in Berlin. Wie taugt Ihnen Wien, wenn Sie zurückkommen?

SCHWARZ Also, ich bin nahe der Jesuitenwiese beim Prater aufgewachsen, und das war eine wirkliche Begegnungszone. Jüngst habe ich mir die so genannte „Seestadt“ Aspern angeschaut, die auch als solche Zone verkauft wird. Nur Glas und Beton. Wo ist dort das Grün? Und der „See“ ist ein Tümpel. Wenn da einmal alle 25.000 Bewohner baden gehen, das überlebt dieses Gewässer nicht.

Für Sie beide gibt es neuerdings einen Seitenzweig. Der Bayerische Rundfunk hat mit Ihnen vier Folgen von „Bezzel und Schwarz – Die Grenzgänger“ produziert und kürzlich erfolgreich ausgestrahlt. Gibt es Fortsetzungen?

BEZZEL Es schaut so aus.

SCHWARZ Der Bayerische Rundfunk war so klug, zu erkennen, dass es da zwei Typen gibt, die ein Team sind, das seine Laufwege kennt. Und beim nächsten Mal haben wir auch die Möglichkeit für kleine inhaltliche Veränderungen.

Im „Leberkäsjunkie“ haben Sie starke Konkurrenz, nämlich den eineinhalbjährigen kleinen Kerl, der den Sohn von Susi und Franz mit grandiosen Grimassen mimt?

BEZZEL Eine echte Heidenarbeit für den Regisseur. Wir haben unsere Dialoge gesagt, und er hat dann gewartet und gewartet, bis von dem Buben, ich glaube, Luis war sein Name, der passende Gesichtsausdruck kam. Auf der Leinwand ist diese Mimik echt ein Wahnsinn.

Auf der Besetzungsliste von „Leberkäsjunkie“  finden sich auch mehrere österreichische Gastarbeiter, wie der Kärntner Robert Stadlober, der Steirer Michael Ostrowski  und der Wiener Manuel Rubey. Gibt es jemanden, über dessen Mitwirkung Sie sich besonders gefreut haben?

SCHWARZ Ja, über Eva Mattes als ruppige Mooshammer Liesl. Ich bin mein Leben lang ein großer Fan von ihr. Toll, dass Schauspieler ihres Kalibers auch bei uns einsteigen. Der Sebastian muss sich ja besonders gefreut haben, weil die beiden miteinander 13 Jahre lang „Tatort“-Partner waren.

BEZZEL Ich hab’ lange nicht gewusst, dass sie im „Leberkäsjunkie“ mitmacht. Erfahren hab’ ich es erst, als ich vor einigen Monaten mit der Produzentin plauderte und sie fragte, wer sonst noch dabei ist. Als sie den Namen Eva Mattes nannte, hab’ ich mich tierisch gefreut.

Tierisch wird es bei Ihnen auch im Frühjahr 2020. Da wirken Sie in einem ganz besonderen Kinoprojekt mit?

BEZZEL Ja, ein echter Klassiker. „Lassie Come Home“ ist eine modernisierte, nach Deutschland verlegte Version des weltbekannten Stoffes. Ich spiel’ den Vater von Lassies Herrchen.

Auch sonst können Sie sich über Rollenvielfalt nicht beschweren. Demnächst gibt es eine Doppelrolle.

BEZZEL Da hab’ ich schnell zugesagt, denn die Herausforderung einer Doppelrolle – wie oft gibt’s die im Leben?

Um welche Figuren geht es?

BEZZEL Ein abgehalfterter Punk-Rock-Star soll auf Tournee gehen, muss aber in den Entzug. Das Management will nicht absagen, sucht verzweifelt nach einem Doppelgänger und findet ihn in einem Bauern aus Brandenburg. Besonders der Punk-Rock-Star ist eine dankbare Aufgabe. Da kann ich richtig die Sau rauslassen. Wir haben bereits abgedreht. Die ARD sendet am 7. September.

Last but not least gibt es Sie auch im SWR-Tatort „Maleficus“, einen verrückten Professor?

BEZZEL Der ist Hirnforscher und setzt den Leuten sogenannte Platinen ein. Im „Tatort“ war ich früher ja immer auf der Seite des Gesetzes, jetzt bin ich erstmals der Antagonist. Macht natürlich besondere Freude.

Nicht zu vergessen, das nächste Rita-Falk-Kinoopus, also Nummer sieben, ist sicher auch bald an der Reihe. Welcher Roman ist diesmal dran?

SCHWARZ Das wird das „Kaiserschmarrn-Drama“ sein. Im September geht es los. Ludwig Heinrich