Prominenter Tierschützer

09.08.2019 • 19:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Seit über zehn Jahren dreht Hannes Jaenicke viel beachtete Dokumentationen über gefährdete Tierarten. ZDF/Markus Strobel
Seit über zehn Jahren dreht Hannes Jaenicke viel beachtete Dokumentationen über gefährdete Tierarten. ZDF/Markus Strobel

Schauspieler Hannes Jaenicke macht seit Jahren auf gefährdete Tierarten aufmerksam.

Berlin Seit mehr als zehn Jahren dreht Schauspieler Hannes Jaenicke viel beachtete Dokumentationen über gefährdete Tierarten wie Orang-Utans, Eisbären oder Haie. In seinem neuen Film „Hannes Jaenicke: Im Einsatz für Vögel“ widmet sich der 59-Jährige dem Rückgang der Vogelbestände.

 

Herr Jaenicke, Sie haben schon viele Filme über exotische Tierarten wie Haie, Gorillas oder Nashörner gedreht. In Ihrer neuen Artenschutzdoku geht es dagegen um Amsel, Drossel, Fink und Star . . .

Jaenicke Stimmt, bislang ging es immer um exotische Tiere, aber jetzt widmen wir uns dem vermeintlich langweiligen Spatz, von dem keiner wissen will, dass er ausstirbt.

 

Warum gibt es hierzulande immer weniger Vögel?

Jaenicke Das größte Problem ist die Agrarindustrie mit ihren Monokulturen und dem massiven Pestizideinsatz, Insektenvernichtern wie Glyphosat. Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten 80 Prozent unseres Insektenbestandes verloren, dadurch verlieren wir Sing- und Zugvögel, die gerade wenn sie jung sind Proteine brauchen. Diese werden mit Insekten zugeführt. Weitere Faktoren sind der Flächenfraß, die Gebäudesanierung und die Art, wie wir bauen – an Fassaden aus Stahl und Glas können Schwalben und Mauersegler keine Nester bauen und so finden viele Vogelarten keine Nistplätze mehr. .

Was kann man selber für den Schutz der Vogelwelt tun?

Jaenicke Mehr als ich dachte. Man sollte seinen Garten nicht kahlrasieren, sondern die Natur weitgehend so wachsen lassen, wie sie das von sich aus tut. Die Steingärten sind eine Pest, und sie sind auch ein Grund fürs Vogelsterben. Es reichen schon ein paar Balkonkästen oder Beete mit Wildblumen, das produziert Insekten und damit Vögel. Und es reicht nicht, Vögel nur im Winter zu füttern, man muss das ganze Jahr durchfüttern, weil den Vögeln gerade im Sommer dank der Agrarindustrie die Nahrung ausgeht.

 

Haben Sie selber einen naturnahen Garten?

Jaenicke Ich wohne zur Miete, aber meine Vermieter sind vorbildlich, denn sie haben viele Wildblumen im Garten. Und ich tue, was ich als Nicht-Gartenbesitzer tun kann. Ich kaufe nur bio und Fairtrade, benutze Bio-Putz- und Waschmittel, und ich hänge seit den Dreharbeiten zur Vogel-Doku auch im Sommer Meisenknödel auf.

 

Vor Jahren wurden Sie wegen Ihres Engagements für die Umwelt noch als Gutmensch bespottet. Stoßen Sie jetzt auf mehr Verständnis, wo der Klimawandel in aller Munde ist?

Jaenicke Es passiert zwar zu wenig, zu langsam, zu spät, aber es passiert endlich etwas. Ich bekomme erfreulich viel Zuspruch und werde oft zu Vorträgen eingeladen. Es gibt aber auch eine Klientel, die lieber weiter Porsche und SUV fahren will, und die wird sich immer über mich lustig machen.

 

Können Sie noch mit gutem Gewissen ins Flugzeug steigen?

Jaenicke Nein. Ich würde gerne weniger fliegen und tue das privat so gut wie nie. Aber beruflich lässt es sich nicht vermeiden, denn zu vielen Drehorten komme ich weder mit dem Rad noch öffentlichen Verkehrsmitteln. Insofern ist meine CO2-Bilanz miserabel. Ich mache einen CO2-Ausgleich, unterstütze diverse Wiederaufforstungsprojekte und tue was ich kann.

 

Was muss die Politik für den Umwelt- und Artenschutz tun?

Jaenicke Die Liste ist so lang, sie würde dieses Interview sprengen. Wie wäre es mal mit einer SUV-Steuer oder einer Steuer auf Kerosin und Einwegplastik? Autos müssen raus aus den Innenstädten, dadurch würde die Luft besser und die Städte lebenswerter. Und wir brauchen dringend eine CO2-Steuer, je früher desto besser.

 

Wissen Sie schon, worum sich Ihre nächste Doku drehen wird?

Jaenicke Wir machen einen Film über Lachse, Fischfarmen und die Überfischung der Meere. Wir haben bereits mit den Dreharbeiten begonnen. ski

Hannes Jaenicke im Flugtrainingsraum der Mauerseglerklinik in Frankfurt am Main.

Hannes Jaenicke im Flugtrainingsraum der Mauerseglerklinik in Frankfurt am Main.