Nena im VN-Interview: „Konzerte bei euch haben mir Spaß gemacht“

14.08.2019 • 07:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Nena gastiert im Rahmen des ersten Alpen Open Air am Wochenende im Montafon. Kristian Schuller
Nena gastiert im Rahmen des ersten Alpen Open Air am Wochenende im Montafon. Kristian Schuller

Popikone Nena im VN-Interview über das Bühnenleben, ihren bevorstehenden 60. Geburtstag und das Konzert im Montafon am Samstag.

Tanja Schwendinger

St. Gallenkirch Ein 40-jähriges Bühnenjubiläum will gebührend gefeiert werden. Im Rahmen ihrer „Nichts versäumt“-Tour begeisterte Nena bereits 250.000 Fans in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Dänemark. Nun macht die deutsche Popikone beim ersten Alpen Open Air im Montafon Halt. Im VN-Interview spricht die 59-Jährige über ihren bevorstehenden runden Geburtstag, das Bühnenleben und ihre Liebe zu Vorarlberg.

Sie kehren immer wieder gerne nach Vorarlberg zurück. Was verbindet Sie mit dem Ländle?

Ja, ich war schon oft bei euch zu Gast. Schon in meiner frühesten Kindheit fuhren meine Eltern regelmäßig mit mir zum Skilaufen nach Schruns. Und vor ein paar Jahren war ich mal im wunderschönen Oberlech drei Tage eingeschneit. Meine Konzerte bei euch haben mir immer Spaß gemacht, und ich freue mich schon ganz toll aufs Alpen Open Air Montafon.

Was reizt Sie am Bühnenleben?

Das Tourneeleben ist bunt, aufregend und schön. Liveauftritte sind eine Art Lebenselixier für mich. Ein gutes Konzert bedeutet Austausch von Herzenergie, mit den Menschen, denen man dort begegnet, in Verbindung zu gehen. Und im Sommer unter freiem Himmel zu spielen, ist sowieso immer ganz besonders. Da entstehen oft ganz unterschiedlich-schöne Stimmungen, wenn man zum Beispiel gemeinsam in den Sonnenuntergang tanzt oder während einer Show den Mond aufgehen sieht.

„Schon in meiner frühesten Kindheit fuhren meine Eltern regelmäßig mit mir zum Skilaufen nach Schruns.“

Nena

Sind Auftritte für Sie mittlerweile zur Routine geworden, oder ist jedes Konzert immer noch etwas ganz Besonderes?

Klar habe ich in 40 Jahren Bühnenjahren eine Art professionelle Routine entwickelt. Und trotzdem ist jedes Konzert anders und immer wieder neu. Ich gehe bei jeder Show mit einem neuen Gefühl auf die Bühne und lasse mich voll und ganz auf ein nächstes Konzert-Abenteuer ein.

Sie waren Jurorin bei „The Voice of Germany“. Welche Tipps geben Sie jungen Nachwuchsmusikern gerne mit auf den Weg?

Bei „The Voice“ war ich der Coach für die Leute in meinen Teams, und mir hat diese Aufgabe damals sehr viel Spaß gemacht. Daraus ist bei mir aber kein zwanghaftes Verlangen gewachsen, sämtliche Musiker oder Bands in meiner Umgebung ständig coachen zu wollen (lacht). Der einzige Anstoß, den ich hier geben möchte, lautet: Nicht so viel denken – machen! Es geht ja sowieso immer weiter, alles ist in Bewegung, und da ist mitreisen angesagt. Vertraue deinem Flow, flieg mit und du wirst in alle Richtungen die tollsten Sachen erschaffen und erleben.

Viele versuchen es, die wenigsten schaffen den Durchbruch. Was muss man mitbringen, um im Musikgeschäft erfolgreich zu sein?

Als ich mit 17 Sängerin in meiner ersten Band „The Stripes“ war, hatte ich keine Ahnung von goldenen Schallplatten, ich wusste nicht mal, dass es so was überhaupt gibt. Wir hatten uns und haben leidenschaftlich Musik gemacht. Darum ging es, alles andere war egal. Ein Drummer, ein Bassist, ein Gitarrist und eine Nena. Das war romantisch und wild und mehr brauchten wir erst mal nicht. Es ging um dieses ganz bestimmte Lebensgefühl. Darum, mit der Musik den eigenen Lebensraum zu erweitern. Und alles, was in meinem Fall daraus entstanden ist, zum Beispiel ein Welthit (lacht), ist genial, aber das konnte ich weder vorrausehen, noch war es jemals meine Motivation.

Sehen Sie sich in zehn Jahren immer noch auf der Bühne?

Ja, das tue ich. Und ich werde mich zu meinem 90. Geburtstag vor meiner Audience ans Klavier setzen und von Luftballons singen. Ich kann mir alles vorstellen, aber ich kann mir nicht vorstellen, keine Musik mehr zu machen

Wie schaffen Sie es, nach Jahrzehnten auf der Bühne immer noch so viel Power zu haben?

Wir sind alle mit Power ausgestattet. Das ist die Lebensenergie, mit der wir geboren werden, über die wir frei verfügen können. Und wenn wir ehrlich mit uns sind, spüren wir doch ganz genau, an welchen Stellen die Energie hochgeht, wann man anfängt zu leuchten und inspiriert ist. In dem Zustand kann man den eigenen Energietank immer wieder auffüllen. Ich flirte mit dem Leben (lacht). Was immer mir begegnet, neue Menschen, Ideen, Projekte, die Vergangenheit oder der klare “Genau jetzt”-Moment: Ích bleibe in Aufbruchsstimmung.

Sie werden nächstes Jahr Ihren 60. Geburtstag feiern. Haben Sie schon Pläne?

Ja, ich werde meinen 60. Geburtstag so richtig übertrieben feiern und freue mich sehr darauf. Die Zahl 60 fühlt sich in Sachen Geburtstag für mich vollkommen surreal an, und doch ist es die Wahrheit. (lacht)

Welche Musik läuft bei Ihnen zu Hause?

Bei mir läuft Van Morrisson, Rolling Stones, Bob Dylan, Chrissie Hynde und die Ramones. Aber das ist wirklich nur ein Auszug aus meiner persönlichen Plattensammlung.

Im Rahmen Ihrer „Nichts-versäumt“-Tour präsentieren Sie Songs aus Ihrer 40-jährigen Karriere. Planen Sie ein neues Album?

Yes, bin mittendrin!

Nena gastiert am Samstag, 17. August, beim Alpen Open Air Montafon in St. Gallenkirch-Gortipohl, 18 Uhr. Tickets und Infos: www.montafon.at