„Jauch und ich sind uns sehr ähnlich“

Menschen / 18.08.2019 • 20:11 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Jörg Pilawa über seine neue Quizshow und warum er so gerne „Wer wird Millionär?“ schaut.

Hamburg Jörg Pilawa hat schon unzählige Ratesendungen moderiert – in seiner Samstagabendshow „Ich weiß alles!“ steht er sogar gemeinsam mit Quiz-Titan Günther Jauch („Wer wird Millionär?“) auf der Bühne: Die Kandidaten der Show können 100.000 Euro gewinnen, wenn sie verschiedene Rategegner besiegen. Seine Fernsehkarriere begann Mitte der 90er, seitdem hat er zahllose Unterhaltungssendungen für Sat.1, ZDF und ARD moderiert.

 

Herr Pilawa, Sie moderieren seit vielen Jahren Fernsehshows am laufenden Band. Welche Shows haben Sie früher geschaut?

Pilawa In meiner Familie war die Sendung „Der große Preis“ mit Wim Thoelke ein Muss, als ich klein war. Und natürlich haben wir auch Hans-Joachim Kulenkampffs „Einer wird gewinnen“ nicht verpasst.

Was macht Rateshows so beliebt beim Publikum?

Pilawa Eine Quizshow hat einen Vorteil, den andere Sendungen nicht haben: Sie bietet Interaktion. Du sitzt vorm Fernseher und machst mit. Beim Quiz kann man mitraten und hat tendenziell immer das Gefühl, mehr zu wissen als die Kandidaten. Das macht es so erfolgreich.

Sie selber haben schon zahllose Quizausgaben präsentiert. Hat Ihr Allgemeinwissen davon profitiert?

Pilawa Man merkt sich im Leben nur Dinge, an denen man wirklich Interesse hat. Ich habe schon viele Fragen zum Thema Kino gestellt, ich werde mir aber niemals eine Antwort dazu merken, weil mich Kino nicht interessiert. Bei Themen, die mich interessieren, merke ich mir vieles. Das sind Politik, Sport und Geschichte.  

Und was ist in Ihren Augen das Besondere an der Rateshow „Ich weiß alles!“?

Pilawa Es ist wirklich die schwerste Quizshow, die ich je moderiert habe. Jeder Kandidat tritt zuerst gegen einen Prominenten an, der für eine Sache brennt. In der nächsten Runde muss er gegen die Schwarmintelligenz von 1000 Leuten antreten, und dann gegen die Quizmoderatoren Günther Jauch und seine Kollegen Susanne Kunz aus der Schweiz und Armin Assinger aus Österreich. Erst dann steht der Kandidat im Finale, in dem er 100.000 Euro gewinnen kann. So was gab es definitiv noch nicht.

In der Show treten Sie gemeinsam mit Günther Jauch auf, dessen „Wer wird Millionär?“ ein Dauerbrenner ist. Wer von Ihnen beiden würde in einem Ratespiel gewinnen?

Pilawa Auf jeden Fall Herr Jauch. Aber im Grunde sind wir uns sehr ähnlich, wir haben beide ein starkes Inselwissen und vergleichbare Interessen. Ich glaube zum Beispiel, dass er ebenfalls kein Cineast ist: In seiner Sendung kommt er an denselben Stellen ins Schwimmen wie ich, wenn Fragen zu diesem Thema kommen.

Schauen Sie regelmäßig „Wer wird Millionär?“?

Pilawa Auf jeden Fall. Wobei meine Familie sagt, dass es nicht angenehm ist, mit mir Unterhaltungsshows zu sehen, weil ich dabei nie entspannt vor dem Fernseher sitze. Ich achte immer auf Dinge wie Licht, Grafik, Kamera, Sound – und konfrontiere meine Mitgucker mit meinen Beobachtungen, die das natürlich langweilt.

Worauf achten Sie bei anderen Quizmastern?

Pilawa Ich achte darauf, welcher Kollege das aus dem Stegreif macht, welcher mit Autoren, Telepromptern oder mit Moderationskarten arbeitet. Ich will das nicht bewerten, das macht einfach jeder anders.

Wie machen Sie selber es?

Pilawa Ich arbeite nicht mit einem festen Buch oder mit Teleprompter oder großen Pappen, wo mein Text darauf steht, sondern versuche alles im Kopf zu haben. Ich kenne auch die Fragen vorher nicht, damit ich spontan reagieren kann. Die schönsten Momente sind doch ohnehin die, wenn mal ein Fehler passiert, das findet der Zuschauer lustig und als Moderator kannst du zeigen, dass du ein bisschen was drauf hast.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie nicht als Quizonkel der Nation enden wollen. Trotzdem moderieren Sie nach wie vor eine Ratesendung nach der anderen…

Pilawa Ich weiß, ich habe dieses Zitat selber geprägt, und heute wird es mir oft vorgehalten. Als ich vor mehr als 20 Jahren das erste Quiz moderierte, dachte ich, ich mache das ein oder zwei Jahre, und am Ende war es eine tolle Erfahrung. Mittlerweile habe ich mehr als 3000 Quizshows gemacht, dadurch bin ich einfach ein Quizonkel.

Und das ist okay für Sie?

Pilawa Früher hatte ich das Bedürfnis, zu beweisen, dass ich auch mal eine Dokumentation oder eine politische Talkshow machen kann, ich habe ja sogar mal mit Sport und Nachrichten angefangen. Aber irgendwann musste ich mich entscheiden, denn in Deutschland wird man in eine Schublade gesteckt: Entweder du machst Information oder du machst Unterhaltung und bist der Clown – und ich habe mich entschieden. ski