„Schubladendenken frustriert“

Menschen / 10.09.2019 • 19:49 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Die Zwillinge Roman und Heiko wurden durch YouTube-Videos bekannt.

Berlin Mit lustigen Videos auf YouTube wurden sie bekannt. Die Community erkannte den Unterhaltungswert der Brüder, die sich mit Songparodien, Sketch-Comedy und Lochi vs. Lochi – Battle schnell eine stetig und rasant wachsende Fanbase schaffen.

Mit der Bezeichnung „YouTube-Zwillinge“ können sie trotzdem nicht viel anfangen. Heiko und Roman Lochmann (20) lassen die Lochis hinter sich und wollen sich künftig anderen Projekten widmen. An diesem Freitag erscheint ihr drittes und letztes Album „Kapitel X“.

Es fängt alles an mit einem Glas Milch: Der Schüler Roman Lochmann, gerade mal zehn Jahre alt, erklärt 2011 in einem YouTube-Video, wie man Milch aus der Tüte in ein Glas füllt. Aus dem zweiminütigen Clip entwickelt sich eine steile Internetkarriere. Mittlerweile haben der Darmstädter und sein Zwillingsbruder 2,7 Millionen Abonnenten auf der Videoplattform.

Aber die Zwillinge aus Hessen wollen nicht nur schräge Parodien ins Netz stellen, sondern ihrer Leidenschaft, der Musik, nachgehen. Sie veröffentlichen Singles, gehen auf Tournee und schaffen es 2016 mit ihren zweiten Album „Zwilling“ auf Platz eins der Charts. Doch für viele bleiben die mittlerweile 20-Jährigen bis heute „die beiden YouTube-Brüder“.

„Generell werden alle Influencer in einen Topf geschmissen, weil sie ‚eh alle dasselbe‘ machen. Aber das stimmt halt einfach nicht. Es nervt uns, dass viele sich gar nicht so richtig mit uns und unseren Themen befassen“, sagt Heiko Lochmann im Gespräch mit der dpa. Bruder Roman nennt dieses Schubladendenken „teilweise sehr frustrierend“.

Vor vier Monaten zogen beide die Konsequenz: Sie verkündeten das Ende der Lochis. Nun wollen sie im Herbst ihren YouTube-Kanal schließen und sich neuen Projekten widmen. „Die Lochis waren eine megageile Zeit, wir sind dafür mega dankbar. Aber wir merken, dass wir uns weiterentwickeln, und spüren den Drang nach Veränderung“, erklärt Roman. Dieser Prozess nimmt mit den 16 Popsongs auf „Kapitel X“ seinen Anfang und schlägt quasi eine Brücke – von den Lochis zu den Lochmanns. In Liedern

wie „Feuer“, „Venus vs. Mars“ oder

„Game Over“ geht es um typische Jugendthemen wie Partys und Mädchen. Bei Textzeilen wie „Du bist Feuer, ich glaub ich habe mich an dir verbrannt“ ist aber durchaus noch Luft nach oben.

Doch die jungen Musiker wirken auch nachdenklich und reflektiert. In dem Song „Blauer Haken“, bei dem Rapper Eko Fresh mitwirkt, prangern die beiden die mitunter oberflächliche Kommunikation der heutigen Generation an. „Willkommen in unserer neuen Welt, wo ein blauer Haken mehr als Worte zählt“, heißt es. Dabei steht der blaue Haken nicht nur für ein verifiziertes Konto in sozialen Medien – also quasi für Prominenz. Im Nachrichtendienst WhatsApp werden gelesene Botschaften mit zwei blauen Haken gekennzeichnet. „Ich erwarte dann direkt, dass derjenige mir zurückschreibt, und verzweifele, wenn er es nicht tut“, sagt Heiko.

Nun kehren die Entertainer ausgerechnet der Plattform den Rücken, die sie einst berühmt machte. Nach der Abschlusstournee, die am 19. September in Berlin startet und neun Tage später in Dortmund endet, beginnt ein neues Kapitel für die Lochmann-Brüder. Aber welches? „Wir sind 20. Wir gehen davon aus, dass wir noch viel vor uns haben und dass noch viel auf uns wartet. Was genau das sein wird, wissen wir derzeit noch nicht“, sagt Roman.

2020 erscheint zunächst ihr Kinofilm „Takeover“. Dann wollen sie mehr Zeit im Stadion von Eintracht Frankfurt verbringen, etwas Urlaub machen und sich um ihre Künstleragentur „VYBE Brothers“ kümmern. Nur eines ist klar: Getrennte Wege wollen die Lochmanns erst einmal nicht gehen.

Zur Person

Roman und Heiko Lochmann

Geboren 13. Mai 1999 in Mainz (Zwillingsbrüder)

Laufbahn Den Grundstein für ihre Karriere als Musiker und Entertainer legen sie im Alter von zwölf Jahren. Sie beginnen im elterlichen Wohnzimmer erste Videos zu drehen, die sie auf Youtube unter dem Namen „Die Lochis“ veröffentlichen.