Historisches Finale auf der Leinwand

Menschen / 17.09.2019 • 22:16 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Schauspieler Hugh Bonneville spielt in „Downtown Abbey“ Robert Crawley. AFP
Schauspieler Hugh Bonneville spielt in „Downtown Abbey“ Robert Crawley. AFP

Der britische Schauspieler Hugh Bonneville (55) über den Film „Downtown Abbey“.

Hamburg Eigentlich hatten sich die noblen Herrschaften von “Downtown Abbey” nach sechs erfolgreichen TV-Staffeln schon in den Ruhestand verabschiedet. Das bedeutete: Trauer beim Publikum. Also haben sich die Produzenten erweichen lassen: Drei Jahre nach dem eigentlichen „Betriebsschluss“ kommen (fast) alle noch einmal zusammen, aber diesmal fürs Kino. Der Film läuft am 19. September bei uns an, einige der Stars stellten sich zu einer Vorpremiere an der Alster ein, unter ihnen natürlich Hugh Bonneville (55), der von 2010 bis 2015 in der Fernsehserie den Earl von Granthamder verkörperte.

 

Wie würden Sie diesen Robert Crawley nach sechs TV-Folgen kurz beschreiben?

HUGH BONNEVILLE Er ist der „Big Daddy“ im Haus.

 

Was ist nun der wesentliche Unterschied zur Serie?

BONNEVILLE In der Vergangenheit hatte Crawley alle Hände damit zu tun, seine Töchter im Zaum zu halten, finanzielle Katastrophen – manche davon selbst gebaut – zu bewältigen und sich mit Intrigen herumzuschlagen. Im Film hat er endlich einmal seine Ruhe. Glaubt er, denn nach einem gemütlichen Beginn wird es für ihn noch einmal recht bunt werden.

 

Was hat „Downtown Abbey“ rückblickend für Sie bedeutet?

BONNEVILLE Diese Serie war die schönste Zeit meines Lebens. Und es war für mich wunderbar, als ich erfuhr, dass wir mit dem Kinofilm Schlagobers auf den Kuchen bekommen sollten, dass die „Familie“ abermals zusammenkommen durfte.

 

Ist es für einen Seriendarsteller manchmal nicht auch unangenehm, mit einer Rolle so stark identifiziert zu werden?

BONNEVILLE Ich hatte damit keine Probleme, denn wir drehten jährlich sechs Monate, und in  den restlichen sechs Monaten durfte ich mich anderweitig austoben. Teils in Spielfilmen, teils in Sitcoms, teils am Theater. Ich habe den Charakter des Robert Crawley sehr gern gehabt, obwohl ich mich in meinem persönlichen Alltag nicht immer so verhalten würde wie er. Bei mir selbst fand ohnehin nie eine richtige Identifikation statt. Nach den einzelnen Drehtagen war es kein Problem, abends aus dem Kostüm zu schlüpfen und wieder Hugh Bonneville zu sein. Das ist nach intensiven Theaterrollen nicht so einfach.

 

Was war für die Produzenten entscheidend, es noch einmal – im Kino – zu versuchen?

BONNEVILLE Die richtige Idee. Und die war dann mit dem Besuch des Königspaares in Downtown Abbey gegeben. War gar nicht so weit hergeholt. Im Film ist es ein früheres Königspaar, doch die jetzige Queen Elizabeth war dem Besitzer von Highclere Castle, das als Downtown Abbey fungierte, sehr verbunden. Denn er war von 1969 bis zu seinem Tod im Jahr 2001 Manager der Rennpferde der Monarchin, und sie war auch Patentante für ein Familienmitglied. Natürlich war auch sie als Besucherin dort.

 

Bei Dreharbeiten passieren oft unvorhergesehene Dinge.

BONNEVILLE Eine aus der letzten Staffel, als in der Kirche Lady Marys Hochzeit gedreht wurde. Es war ein ungemein heißer Tag, und ein freundliches Paar, das daneben wohnte, hatte ein Zelt aufgebaut, das uns vor der Sonne schützen sollte. Nachdem die letzte Einstellung abgedreht war, hatten die meisten der Damen keine Scheu, ihre schweren Gewänder abzulegen und in ihrer Vintage-Unterwäsche und Petticoats in den hauseigenen Swimmingpool zu hüpfen. Die Kostümbildner sind fast ausgerastet, weil diese Wäsche aus wertvollem und sündteurem Material – teils aus Seide – angefertigt worden war, und weil sie am nächsten Tag wieder gebraucht wurde. Letztendlich konnten sie aufatmen, alle Wäschestücke konnten gerettet werden.

 

Was war für Sie an „Downtown Abbey“ noch erwähnenswert?

BONNEVILLE Das der Schauplatz nur eine Stunde von meinem Haus entfernt war. Ich lebe in Hampshire, nahe Southampton. lh